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Denkmal im Tiergarten mit antisemitischen Parolen beschmiert

Am Sonntag demonstrierten Tausende Menschen gegen Antisemitismus vor dem Brandenburger Tor. Offenbar kurz darauf haben Unbekannte judenfeindliche Parolen im Tiergarten hinerlassen.

Foto: Markus Schreiber / dpa

Nach der Berliner Antisemitismus-Demonstration am Brandenburger Tor haben Unbekannte judenfeindliche Parolen im Tiergarten hinterlassen. Passanten entdeckten die Schmierereien am Montagmorgen auf dem Haydn-Mozart-Beethoven-Denkmal, einem Blumenkübel und einem Schild, wie die Polizei mitteilte. Das Grünflächenamt hat die Parolen mittlerweile beseitigt. Der Staatsschutz ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Erst am Sonntag hatten 6000 Menschen am Brandenburger Tor gegen Antisemitismus demonstriert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte auf der Kundgebung "jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste". Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, zeigte sich erfreut über die breite Unterstützung.

Jüdische Vertreter in Deutschland zeigen sich seit Monaten besorgt über wachsenden Antisemitismus. Am Rande von Demonstrationen gegen die im Sommer eskalierte Gewalt im Gazastreifen waren auch hierzulande judenfeindliche Parolen laut geworden.

"Die schlimmsten antisemitischen Parolen seit vielen Jahrzehnten"

Die Juden in Deutschland hätten "wahrlich kein Sommermärchen erlebt", sagte Graumann in seiner Rede. "Ich will nicht dramatisieren, aber das waren wirklich die schlimmsten antisemitischen Parolen seit vielen, vielen Jahrzehnten." In dieser Situation hätten sich die deutschen Juden "ein Stück mehr Gefühl, mehr Empathie" der Gesellschaft schon gewünscht.

Merkel stellte sich in ihrer Rede klar hinter die jüdischen Mitbürger in Deutschland: Dass heutzutage Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben angepöbelt würden, "das ist ein ungeheurer Skandal". Sie betonte, dass die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgingen: "Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen", sagte Merkel. "Mit dieser Kundgebung machen wir unmissverständlich klar: Jüdisches Leben gehört zu uns. Es ist Teil unserer Identität und Kultur."

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