Mieten

Senioren-Protest am Hansa-Ufer zeigt Wirkung in der Politik

Die Bewohner eines Seniorenwohnhauses am Hansa-Ufer sind durch eine geplante Modernisierung von Mieterhöhungen bedroht – aber sie wehren sich. Jetzt haben sich zwei Politiker vor Ort ein Bild gemacht.

Foto: Amin Akhtar

Der öffentliche Protest der Bewohner des Seniorenwohnhauses am Hansa-Ufer 5 findet weitere Aufmerksamkeit. Der Sozialstadtrat von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne) und der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld besuchten das Haus am Spreeufer, dessen Bewohner durch eine geplante Modernisierung von Mieterhöhungen bedroht sind.

Die Mietverträge des Hauses am Spreeufer, das in den 70er-Jahren von der gewerkschaftsnahen Gesellschaft Neue Heimat gebaut und mit seniorengerechten Wohnungen ausgestattet wurde, sind bis 2007 mit dem Bezirksamt Mitte geschlossen worden. „Mit der schriftlichen Zusicherung, Sie können hier in Ruhe alt werden, Ihre Mieten bleiben sicher“, schildert Eva-Maria Kaes, deren Mutter in dem Haus lebt.

Die Immobiliengesellschaft Akelius, seit 2008 Eigentümerin des Gebäudes, will dieses nun energetisch sanieren, wodurch sich die Mieten um 40 bis 60 Prozent erhöhen würden. Das können sich viele der Bewohner nicht leisten, weshalb die Senioren mit ihrem Protest an die Öffentlichkeit gegangen sind und eine Onlinepetition gestartet haben, die knapp 58.000 Unterstützer gefunden hat.

Unter dem öffentlichen Druck durch Petition und verschiedene Medienberichte teilte Akelius den Bewohnern in einem Schreiben mit, Härtefälle zu respektieren und die Mieterhöhung zu reduzieren. So ein Schreiben, weiß Kaes, habe aber ohne Vertrag keinerlei rechtliche Bindung. „Käme tatsächlich solch ein Vertrag zustande, hieße das allerdings, dass die Mieter die geplante Sanierung akzeptieren.“ Und das hieße zwei Jahre Dreck und Lärm, für manche Senioren eine unerträgliche Belastung.

Senioren planen weitere Aktionen

Dass der Verkauf des Hauses durch den Liegenschaftsfonds ein Fehler gewesen sei, habe Sozialstadtrat von Dassel den Bewohnern gegenüber eingeräumt, berichtet Eva-Maria Kaes. „Aber er sagte, juristisch habe er keinerlei Handhabe“, so Kaes. „Er signalisierte uns aber, dass wir mit unserem öffentlichen Protest auf dem richtigen Weg seien.“ Auch Philipp Lengsfeld zeigte sich kritisch. „Er brachte die Idee eines zweckgebundenen Rückkaufs des Hauses, etwa als Mehr-Generationen-Haus, ins Spiel“, berichtet Kaes.

Ein ursprünglich für Freitag angesetztes Gespräch im Gemeinschaftsraum am Hansa-Ufer wurde von Akelius-Geschäftsführer Ralf Spann kurzfristig abgesagt. „Seine Begründungen, der Gemeinschaftsraum sei zu klein und außerdem seien Medien anwesend“, sagt Kaes. Sie habe ihm zugesichert, Medienvertreter würden dem Gespräch nicht beiwohnen. „Aber er ließ nicht mit sich reden und will uns nun eine schriftliche Einladung zukommen lassen, uns dann alle mit dem Bus abholen und das Gespräch außerhäusig führen“, berichtet Kaes.

Am morgigen Dienstag wollen die Senioren noch einen Schritt weitergehen. Sie planen eine Aktion mit Plakaten um 11 Uhr auf der Rasenfläche am Leipziger Platz, direkt vor der Akelius-Zentrale. Dann wolle man weiterziehen zum Abgeordnetenhaus und dort ebenfalls protestieren.

>>> Zur Online-Petition <<<

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.