Spa

In Berlins neuem Wellness-Tempel wird nackt entspannt

In Berlin-Moabit eröffnet am Sonntag Deutschlands größtes Spa. Das „Vabali“ ahmt ein Luxusresort im „Bali-Stil“ nach. Und lediglich im Fitnessbereich ist Kleidung erwünscht.

Foto: (3) / Massimo Rodari

Der alte Herr wird schon abgefangen, bevor er den Eingangsbereich betreten kann. Er trägt Sandalen und Käppi, in einem Jutebeutel hat er Handtuch und Badehose verstaut. „Was suchen Sie?“, spricht eine Mitarbeiterin des Spas ihn an. „Ich möchte schwimmen“, gibt der Herr zurück. „Das geht hier nicht.“ „Haben Sie kein Schwimmbad?“, fragt er erstaunt. „Doch, aber das ist nicht zum Schwimmen da“, sagt die Frau und verweist auf das Hallenbad nebenan.

Offenbar hat sich in Moabit im Berliner Bezirk Mitte noch nicht überall herumgesprochen, was hier neben dem Stadtbad Tiergarten in den vergangenen 16 Monaten gebaut wurde und nun kurz vor der Eröffnung steht. Das „Vabali Premium Spa“ feiert am Freitag die Einweihung, am Sonntag (22. Juni 2014) um 10 Uhr wird der Wellness-Tempel dann für den Publikumsverkehr geöffnet. Und zwar für einen etwas besser Betuchten als den der Nachbaranlage.

An der Seydlitzstraße 6 haben die Brüder Markus und Stephan Theune, die auch an dem Liquidrom am Anhalter Bahnhof beteiligt sind, rund 20 Millionen Euro investiert, um das größte Spa Deutschlands zu bauen. Auf 20.000 Quadratmetern Fläche haben sie drei Dampfbäder, acht Saunen, vier Pools, mehrere Sonnenterrassen, Fitnessräume, Ruhezonen, Bereiche für Schönheitsbehandlungen, Restaurant und Kaminzimmer errichtet. Alles im „Bali-Stil“, wie Geschäftsführer Cornelius Riehm betont, denn der sei besonders warm und freundlich.

Ruhe als Alleinstellungsmerkmal des Spas

Tatsächlich sieht das Spa wie ein Luxusresort aus. Um eine Atmosphäre wie auf der indonesischen Urlaubsinsel zu schaffen, haben die Betreiber versucht, die Anlage möglichst von der Außenwelt abzuschotten. Der rund 5000 Quadratmeter große Garten grenzt an den Fritz-Schloss-Park, dessen hohe Laubbäume für eine natürliche Sicht- und Lärmgrenze sorgen. Das, sagt Riehm, sei das Alleinstellungsmerkmal des Spas: „Wir sind mitten in der Stadt, 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt – und man hört: nichts.“ In diesem Moment ertönt im Hintergrund eine Säge, im Eingangsbereich wird noch gewerkelt.

Ein 80 Meter langer Laubengang, gesäumt von Bambuspflanzen, führt zur Rezeption und zu den Umkleiden. „Auf diesem Pfad kann man den Alltagsstress schon einmal hinter sich lassen“, kommentiert Riehm bei einem ersten Rundgang vor der Eröffnung. Von der Rezeption, an der sich Besucher für allerlei Behandlungen von der Thai-Körper- bis zur ayurvedischen Stirnmassage anmelden können, geht es in das zentrale Atrium mit einem Pool in der Mitte.

An den Seiten zweigen die ersten Saunen ab. Zitrus-, Honig-, Kräuter- und Sole-Aufgüsse sollen hier ab Sonntag stündlich die Bambusbänke bedampfen. Neben den Eingängen stehen Buddhafiguren, Säulen und Geländer sind mit balinesischen Blumenschnitzereien verziert. „Das sind wiederaufbereitete Teakholzbalken aus alten Häusern. Für uns wurde kein Regenwald abgeholzt“, versichert Riehm.

Von den Drachenziegeln bis zu den Kerzen stammt alles aus Bali. In mehr als 30 Frachtcontainern wurde das Inventar nach Berlin verschifft. Darunter selbst die Strohlatschen, mit denen man vom Atrium in einen der vielen Ruheräume mit dickem, dunkellilafarbenen Teppich und Wasserbetten spazieren kann. Telefonieren ist dort verboten, auch der Laptop soll im Umkleideraum zurückbleiben.

Ebenso wie die Wäsche: Das Spa sei eine textilfreie Zone, sagt Riehm. Wer sich auf dem großen Sonnendeck draußen oder im Restaurant mit asiatischem oder mediterranen Speisen bedienen lässt oder durch die Anlage spaziert, soll das bitte im Bademantel tun. Im auf 26 Grad beheizten Außenpool wird nackt entspannt. Lediglich im Fitnessbereich ist Kleidung erwünscht. Die Geräteräume sind den Mitgliedern des Spas vorbehalten.

100 Abonnenten zählt das „Vabali“ bereits, bis zum Jahresende wollen die Betreiber 350 Dauergäste angeworben haben. Die günstigste Mitgliedschaft kostet 16 Euro die Woche, bei zwei Jahren Vertragslaufzeit. Der Besuch des „Vabali Premium Spas“ sei auf aber jeden Fall billiger als ein Trip auf die Insel, sagt Geschäftsführer Riehm. Ob auch die Moabiter Nachbarschaft das neue Luxusresort annimmt – oder wie der alte Herr mit dem Jutebeutel lieber zum Hallenbad abbiegt – werden die Betreiber ab kommenden Sonntag beobachten können.

Das „Vabali“ hat ab Sonntag (22. Juni 2014) täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet. Die Mitgliedschaft für zwei Jahre kostet 21 Euro die Woche. Der günstigste Mitgliedstarif beträgt 16 Euro die Woche bei zwei Jahren Laufzeit, wenn man das Spa nur werktags bis 17 Uhr nutzt. Eine Tageskarte gibt es für 28,50 Euro an Wochentagen, für zwei Euro mehr am Wochenende. Zwei Stunden kosten 18,50 Euro, vier 23,50 – jeweils zwei Euro mehr am Wochenende.

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