Transport

Riesige Gasturbine rollt auf 192 Rädern durch Berlin

Am Dienstag rollte ein Koloss durch Moabit - die größte Gasturbine der Welt von Siemens wurde durch Berlin transportiert - und schaffte den Weg fast in Rekordzeit.

Foto: Reto Klar

Sie ist die größte Gasturbine der Welt – und sie schafft ihren Weg von der Fertigungshalle des Siemens Gasturbinenwerks in Moabit bis auf ihr Transportschiff im Charlottenburger Verbindungskanal fast in Rekordzeit. Jedenfalls in den Augen der Fachleute: Gegen 11 Uhr ist der 13 Meter lange und 440 Tonnen schwere Koloss im Gasturbinenwerk an der Wiebestraße gestartet. Eine Stunde später setzen rund 700 Meter weiter, an der von Siemens speziell für den Turbinentransport gebauten Verladerampe am Neuen Ufer, die ersten der insgesamt 192 Räder eines Tiefladers der Berliner Hafengesellschaft Behala auf dem im Wasser bereitliegenden Schwergutleichter auf.

Ende Mai soll die vorerst zweite von Siemens innerhalb Deutschlands verkaufte Turbine der sogenannten H-Klasse über den Wasserweg in Düsseldorf ankommen. Die dortigen Stadtwerke hatten sie für einen neuen Block eines Heizkraftwerks am Düsseldorfer Hafen bestellt. Kombiniert mit einer Dampfturbine aus dem Siemens-Werk in Mülheim/Ruhr soll der Block von 2016 an fast 600 Megawatt Strom plus rund 300 Megawatt Fernwärme liefern. Die Stadtwerke Düsseldorf lassen sich die Technik für das voraussichtlich energieeffizienteste und leistungsstärkste Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der Bundesrepublik 500 Millionen Euro kosten.

Der Rolls-Royce unter den Gasturbinen

Die Gasturbinen der H-Klasse haben sie im Moabiter Siemens-Werk mit seinen gut 3500 Beschäftigten entwickelt. Sie sind eine Art Rolls-Royce unter den Gasturbinen, mit einem besonders hohen Wirkungsgrad. Der Konzern, zu dessen Kerngeschäft Energieanlagen in aller Welt gehören, stellt die Turbinen seit drei Jahren in Berlin her. 28 Turbinen dieser Klasse wurden bisher verkauft oder bestellt. Hauptabnehmer sind Kraftwerke in Südkorea, den USA und im Nahen Osten.

In Deutschland läuft vorerst lediglich eine Anlage mit der speziellen Gasverbrennungstechnologie. „Die deutschen Konzerne halten sich seit der Energiewende mit Investitionen zurück“, sagte Siemens-Sprecher Christian Wilson in Berlin. In Düsseldorf soll der Wirkungsgrad bei der Erdgasverbrennung mehr als 60 Prozent betragen. Rechnet man die nachgeschaltete Energienutzung durch die Dampfturbine hinzu, kommt man laut Siemens insgesamt auf 85 Prozent.

„In den 60er- und 70er-Jahren lag dieser Effizienzwert bei Gasturbinen noch bei 50 bis 54 Prozent“, sagte Wilson. „Das klingt nach keinem großen Unterschied. Tatsächlich ist das wie bei einer Olympiade, wo es für die Spitzensportler auch nur noch um Zehntelsekunden geht.“ 1,5 Prozentpunkte mehr Effizienz entsprächen bei einer Kraftwerksleistung wie der in Düsseldorf einer Kohlendioxideinsparung von 40.000 Tonnen pro Jahr.