Sanierung

Mahnmal-Stelen bröckeln immer stärker

Drei Jahre nach seiner Einweihung sind am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin-Mitte dringende Reparaturarbeiten notwendig. Denn mehr als zwei Drittel der 2711 Betonstelen weisen Risse und Schäden auf. Allerding weiß noch niemand, welche Sanierungsmethode die beste ist.

Foto: tb/dt / DPA

Sechs der insgesamt 2711 Betonstelen des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlins Mitte tragen gegenwärtig blaue Plastikplanen. "Wir werden hier keinen Christo-Effekt haben", sagt der Geschäftsführer der Denkmal-Stiftung Uwe Neumärker. Vielmehr gehe es um einen Regen- und Feuchtigkeitsschutz für die Betonpfeiler, die von Firma Hermann Geithner Söhne GmbH und Co. KG nahe dem brandenburgischen Joachimsthal hergestellt wurden.


Denn mehr als zwei Drittel der bis zu 4,70 Meter hohen Stelen weisen rund drei Jahre nach der Einweihung der Erinnerungsstätte Risse von unterschiedlicher Stärke auf. Einige sind haarfein und mit bloßem Auge kaum zu entdecken, andere sind fingerdick, tief und ziehen sich über die gesamte Oberfläche der einzelnen Blöcke. "Wir haben mit der Sanierung begonnen, sind dabei aber extrem vom Wetter abhängig", sagt Neumärker. Gegenwärtig sei es zu kühl und zu nass. Auch die geeignete Sanierungsmethode muss noch getestet werden, da es bislang keine Erfahrungen mit solch einem Bauwerk gebe.

In den vergangenen Tagen, so Neumärker, seien die Oberflächen von sechs Stelen "leicht angeschliffen" worden. Wenn das Wetter und die Temperaturen es zulassen, soll dort der Graffitischutz erneuert werden. Experten gehen davon aus, dass dieser Schutzfilm die feinen Haarrisse verschließt. Eigentlich sollte die Anti-Graffiti-Schicht zehn Jahre halten. Die größeren Schäden lassen sich damit allerdings nicht reparieren. In diese Risse soll später ebenfalls testweise ein spezielles Kunstharz gespritzt werden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest, da die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas auch hier vom Wetter abhängig ist. Alle Arbeiten, sagt Neumärker, würden in enger Abstimmung mit dem Architekten Peter Eisenman erfolgen. Nach den Entwürfen des US-Amerikaners war das Stelenfeld in fünfjähriger Bauzeit errichtet worden. Zuvor hatte man mehr als zehn Jahre lang über den Bau debattiert.

Experten beziffern den Gesamtschaden am 27,6 Millionen Euro teuren Holocaust-Mahnmal auf mindestens 100.000 bis 200.000 Euro. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der auch Vorsitzender des Stiftungsvorstands des Holocaust-Mahnmals und Mitglied des Kuratoriums ist, hatte im Januar zur Haftungsfrage erklärt, es gebe die "berechtigten Auffassung, dass die verantwortliche Baufirma in Regress zu nehmen ist“.

Um die Ursachen der Schäden zu klären, hatte die Stiftung im Frühjahr 2007 ein Gutachten beim deutschen "Beton-Papst" - dem Professor für Baustoffkunde und Bauchemie an der Technischen Universität Berlin (TU), Bernd Hillemeier, in Auftrag gegeben. "Die Ursache für die Schäden konnten nicht eindeutig festgestellt werden", sagte Neumärker zu dem Ergebnis der Studie.

Zunächst sollen nun rund 50 der Betonquader repariert und Erfahrungen mit der Sanierungsmethode gesammelt werden. Die Kosten für die ersten 50 Stelen übernimmt die Baufirma, die das Mahnmal ausgeführt hatte.

www.holocaust-mahnmal.de/