Mordfall

18-Jähriger muss für Kristinas Tod vor Gericht

Fast 14 Monate nach dem Fund der verkohlten Leiche einer 14-jährigen Schülerin beschäftigt sich eine Jugendstrafkammer des Landgerichts mit dem Tod des Mädchens. Im Prozess muss sich der 18-jährige Ali K. wegen versuchten Mordes durch Unterlassen verantworten.

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Bei dem Angeklagten soll es sich um einen Drogendealer handeln, der die Gymnasiastin mit Rauschgift versorgt haben soll. Da der Angeklagte zur Tatzeit noch Jugendlicher war, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen ihn verhandelt.


Dem staatenlosen Palästinenser wird vorgeworfen, dem Mädchen Kristina im April vergangenen Jahres eine tödliche Dosis Heroin überlassen zu haben. Auch soll der damals 17-Jährige keine Maßnahmen zur Rettung des Mädchens unternommen haben, als es unter Einfluss der Droge leblos zusammenbrach. Er fürchtete laut Staatsanwaltschaft, dass seine Tätigkeit als Dealer enttarnt wird.


Stattdessen soll der junge Mann die Leiche der Schülerin entsorgt haben. Der Anklage nach zwängte er das tote Mädchen in einen Rollkoffer, brachte ihn mit Hilfe eines bisher unbekannten Komplizen in die Neuköllner Parkanlage Thomashöhe. Dort übergoss er das Gepäckstück mit Benzin und zündete es an.

Jugendliche waren in der Nacht zum 17. April 2007 zunächst auf das Feuer und dann auf den verkohlten Leichnam aufmerksam geworden. Erst sechs Tage später konnte das Mädchen identifiziert werden. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass die Schülerin bei lebendigem Leibe verbrannt worden war. Die Obduktion ergab dann später, dass Kristina an einer Überdosis Heroin gestorben war.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hätte auch ein sofort alarmierter Notarzt das Leben der 14-Jährige nicht mehr retten können. Daher lautet die Anklage gegen Ali K. lediglich auf versuchten Mord. Der wegen Drogendelikten vorbestrafte Jugendliche soll um die Gefährlichkeit des Rauschgifts gewusst und den Tod des Mädchens leichtfertig verursacht haben.

Ali K. ist der Polizei bereits als Drogendealer, der auf U-Bahnhöfen tätig ist, bekannt. Im Oktober 2007 wurde er wegen Drogenhandels verhaftet und dafür am 1. April dieses Jahres zu einer Jugendstrafe von einem Jahr Haft auf Bewährung und 100 Stunden Freizeitarbeit verurteilt. Im November vergangenen Jahres wurde im Mordfall Kristina Anklage gegen ihn erhoben. Am Koffer gesicherte DNA-Spuren sollen Ali K. als Täter überführen. Zudem soll er im Untersuchungsgefängnis gegenüber Mithäftlingen mit der Tat geprahlt haben. Für das nichtöffentliche Jugendverfahren sind insgesamt fünf Verhandlungstage vorgesehen.