Kriminalität

Kinder verüben immer mehr Straftaten

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Stefan Schulz

Foto: mf_sv / dpa

Die Zahl der Diebstähle in Berlin ingesamt ging zuletzt zurück. Doch die jungen Täter werden immer aktiver. Die Zahl der Fälle, in denen Kinder bis 14 Jahre gewalttätig geworden sind oder gestohlen haben ist deutlich gestiegen. Nur Kinder unter acht Jahren verübten weniger Straftaten.

Immer mehr junge Kinder werden straffällig: Kinder bis 14 Jahre haben im vergangenen Jahr mehr Straftaten in Berlin verübt als in den Vorjahren. Die Polizei musste 2007 insgesamt 7677 Fälle aufklären. In den beiden Vorjahren waren es mit 7024 (2006) und 6576 (2005) deutlich weniger. Die Zahlen gehen aus der Antwort von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) auf eine kleine Parlamentsanfrage des FDP-Abgeordneten Björn Jotzo hervor. Erstmals legt die Landesregierung damit eine gesonderte Statistik für kindliche Straftäter vor.

Verantwortlich für diesen Anstieg sind vor allem die Rohheitsdelikte, die stetig zunahmen. Waren es 2005 noch 1537 Taten, so stiegen sie 2007 auf 1885. Auch die Körperverletzungen nahmen zu von 1134 (2005) auf 1363 (2007). In den Altersgruppen der Acht- bis Elfjährigen und der Zwölf- bis 13-Jährigen sind außerdem auch noch die Diebstähle angestiegen von 2896 auf 3364. Das ist eigentlich gegen den Berlin-Trend, denn in der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2007 sind die Diebstähle zurückgegangen.


Erfreulich ist dagegen zumindest die Entwicklung der Straftaten von Kindern, die unter acht Jahre alt sind. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei einen Rückgang der Kriminalität von 322 im Jahr 2005 auf 290 Fälle (2007). Es gab weniger Diebstähle und Vermögens- und Fälschungsdelikte als in den Jahren zuvor. Dafür sind die Zahlen bei den Zwölf- und 13-Jährigen aus Sicht der Liberalen besorgniserregend. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Straftaten mit 5072 die 5000er-Marke überschritten. Im Vorjahr waren es 4486, ein Jahr zuvor sogar nur 4266. Spitzenreiter bei den Delikten waren 2007 die Diebstähle mit 2229 Taten, gefolgt von Rohheitsdelikten mit 1220 und Sachbeschädigungen mit 823.

„Dies zeigt deutlich, dass die Präventionsarbeit bereits frühzeitig begonnen werden muss“, sagte der FDP-Innenpolitiker Jotzo. „Gerade im Alter von Zwölf und 13 Jahren scheinen die bisherigen Maßnahmen der aktuellen Situation nicht gerecht zu werden.“ Jotzo brachte deshalb erneut das Projekt der „Gelben Karte“ ins Spiel, das nun vor allem auch für die strafunmündigen Kinder angewendet werden sollte. „Die Kinder müssen sich ebenso wie Jugendliche unmittelbar nach der Tat mit dieser selbst, aber auch mit der Ursache und den Folgen auseinandersetzen.“ Die FDP unterstütze daher ausdrücklich das in die gleiche Richtung gehende Modellprojekt der Treberhilfe für die Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Neukölln.

Das bislang in Berlin schon laufende Projekt „Gelbe Karte“ für Jugendliche ist nach Ansicht von Jotzo „zu langsam und schwerfällig“. Es müsse deshalb ausgebaut werden. Idee ist, innerhalb eines Monats nach der Straftat des jungen Täters einen Termin anzuberaumen. Zu diesem Termin sollen die Straftäter mit ihren Erziehungsberechtigten vorgeladen werden. Sie begegnen dann einem Team von Polizei, Staatsanwaltschaft und Vertretern des Jugendamtes. Bislang sind die Jugendämter auch für die Betreuung des Projekts, das „Diversion“ genannt wird, zuständig. Der FDP-Innenpolitiker sagt, das solle auch so bleiben.

Mögliche Konsequenzen und Vorgehensweisen sollen in jedem einzelnen Fall noch vor Ort geregelt und entschieden werden. Damit soll, so Jotzo, der Warn- und Appellcharakter frühzeitiger Reaktionen verdeutlicht werden.

In Berlin waren 2007 zehn Prozent aller Tatverdächtiger zwischen 14 und 18 Jahre alt. Noch einmal fast zwölf Prozent waren zwischen 18 und 21 Jahren. Der Anteil der unter 14-Jährigen lag mit etwa drei Prozent relativ niedrig. Je früher man aber mit der Präventionsarbeit beginne, desto weniger Probleme habe man später, so Jotzo.