Architektur

Hedwigs-Kathedrale mit frischem Putz wieder enthüllt

Die Vorderfront ist wieder verputzt, aber noch ist die Hedwigs-Kathedrale nicht abschließend herausgeputzt. Steinbildhauer arbeiten noch an dem Äußeren der Kirche, anschließend beginnen die Malerarbeiten im Innern. Zudem müssen wohl neue Bänke her. Zeitgleich soll der Hof in einen Garten der Ruhe verwandelt werden. Drei Kastanienbäume sind bereits genehmigt.

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Die Restaurierung der St. Hedwigs-Kathedrale ist einen großen Schritt vorangekommen: Nach drei Jahren Bauzeit kann die Vorderfront, der sogenannte Portikus eines der bedeutendsten Sakralbauten Berlins, wieder betrachtet werden. Am Dienstag hatten die Bauleute, wie berichtet, die Kirche von den Schutzplanen befreit.

Eine Seite des Gebäudes ist aber noch nicht fertiggestellt. Dort bearbeiten weiterhin Steinbildhauer die Gesimsteile, die neu eingesetzt werden sollen. "Es ist eine spannende Arbeit", sagt Stefanie Klapproth (31). Sie bringt als Steinmetzin den Naturstein in die richtige Form. Auch für Klaus Schulz, einen der drei Steinbildhauer, ist die Arbeit an der Kathedrale etwas Besonderes: "Ich bin sehr stolz auf unser Werk", sagt der 43-Jährige.

Putzsanierung bis Mitte Oktober

Die Putzsanierung an der rechten Seite der Kirche wird voraussichtlich bis Mitte Oktober andauern. Doch auch das bedeutet noch nicht das Ende der Restaurierungsarbeiten. Denn ab 25. August wird der Hof der Kirche umgestaltet, nach dem Vorbild des Bebelplatzes. Der Hof soll sich in eine städtische Oase verwandeln, mit Stühlen und Tischgruppen ausgestattet werden. Die Pflanzung von drei Kastanien wurde schon genehmigt. "Das gehört zu unserem Konzept des Kathedralforums", sagt Dompfarrer Alfons Kluck. Dabei soll die alte Wirkung des Bebelplatzes wiedergewonnen werden. Der Monsignore hofft, dass der Hof Anfang November fertiggestellt sein wird.

Sobald die Außenarbeiten an der Kathedrale abgeschlossen sind, können die Planer festlegen, wann die Malerarbeiten im Inneren beginnen. Zudem ist unklar, ob noch andere Arbeiten fällig werden. Denn auch die Sitzbänke bereiten Probleme. Sie sind nicht verankert und beschädigen den Boden. Da die Kirche ein Rundbau ist, werden möglicherweise neue, geschwungene Bänke benötigt, die sich der Gebäudeform anpassen.

Was den Portikus angeht, rechnet Dompfarrer Kluck damit, dass er bis zu 30 Jahre lang keine Restauration mehr nötig haben wird. Erfreulich: Nach der Sanierung erscheint die Kathedrale auch wieder heller als zuvor. Die Strahlkraft der gereinigten Steine wird sich jedoch wieder verdunkeln - denn trotz Umweltzone wirken die Autoabgase weiter.

Die ursprüngliche Wirkung der Kirche kann nie mehr erreicht werden

Die Gesamtinvestitionssumme beträgt etwa eine Million Euro. Sie wird größtenteils von der Städtebauförderung des Bundes getragen. Der Landesanteil liegt bei etwa 400 000 Euro. Das Landesdenkmalamt beteiligte sich mit 60 000 Euro, so der Sprecher der Kulturverwaltung, Dietrich Wulfert.

Der Berliner Stadthistoriker Laurenz Demps sieht in der Rekonstruktion einen städtebaulichen Gewinn für Berlin. Der Professor der Humboldt-Universität, vor einigen Jahren auch Mitglied der Internationalen Expertenkommission "Historische Mitte Berlin", betonte allerdings, dass die ursprüngliche Wirkung der Kirche im Gesamtensemble Bebelplatz trotz ihrer Sanierung nie mehr erreicht werden könne. "Dazu ist das ehemalige Gebäude der Dresdener Bank, das jetzige Hotel de Rome, hinter der Kathedrale einfach zu hoch."