Baupolitik

Neubauten am Theaterplatz sorgen für Diskussionen im Bezirk

Zwei mehrgeschossige Bauten sollen auf dem Theaterplatz in die Höhe ragen und neben Wohnraum Platz für gewerbliche Flächen schaffen.

Der Theaterplatz in Hellersdorf: Hier sollen Neubauten entstehen.

Der Theaterplatz in Hellersdorf: Hier sollen Neubauten entstehen.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Anlass zur Diskussion bieten auf bezirkspolitischer Ebene aktuell Pläne zur Bebauung des Theaterplatzes. Ganz neu sind diese nicht – bereits im Mai vergangenen Jahres wurden sie erstmals in der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt. Geplant sind zwei neue Hochhäuser mit maximal 12 und 15 Etagen – die über die sonst homogene, meist sechsgeschossige Bebauung der Siedlung hinausgehen. Auf diese Weise sollen insgesamt 520 zusätzliche Wohneinheiten, darunter 480 in Neubauten und 39 als Aufstockung im Bestand entstehen.

Nördlich des Theaterplatzes auf dem Grundstück der Schkeuditzer Straße 1-3, wurde bereits eine Bauvoranfrage für ein fünfgeschossiges Gebäude positiv beschieden. „Es handelt sich um private Flächen und ein umfangreiches Bauvorhaben, über das nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung entschieden wird“, so Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle. Dies ist der übliche Weg und gibt sowohl Kommune als auch Bürgern die Gelegenheit, Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen. Der Bebauungsplan sei ja noch im Bearbeitungsprozess und natürlich werde auf kommunale Anliegen Rücksicht genommen. Es sei ja noch nichts endgültig entschieden, so Pohle.

Erst im November habe die letzte große Runde zum Austausch mit Eigentümern, Planern, Stadträten und Bezirksamt gegeben. Warum gibt es ausgerechnet jetzt Kritik an den Plänen? „Das ist reine Polemik, die mit dem eigentlichen Verfahren gar nichts zu tun hat“, kommentiert die Bezirksbürgermeisterin.

Bürger kennen Genehmigungsverfahren zu wenig

Doch Mario Czaja (CDU) schlägt, unter anderem auf seiner Facebookseite, Alarm und sieht das Mitbestimmungsrecht der Bürger gefährdet. „Ich finde, die Anwohner müssen noch besser darüber informiert werden, was da passiert“, fordert er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Seiner Meinung nach wüssten die meisten Bürger zu wenig über die üblichen Verfahren zur Planung von Bauvorhaben: „Die meisten erfahren erst dann davon, wenn sie das Bauschild auf dem Grundstück stehen sehen“, vermutet Czaja. Für ihn passen die geplanten Gebäude nicht in den Kiez – auch deshalb, da die sonstige Bebauung in dem Gebiet nicht über sechs Etagen hinausragt. „Wir stellen uns nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung an diesem Standort – aber ich finde zwölf bis 15 Stockwerke zu hoch“.

Viele Alleinerziehende und Kinder aus Hartz-IV-Familien im Bezirk

Der Bezirk kämpfe zudem mit vielen sozialen Problemen, es gebe hier viele Alleinerziehende, so Czaja, und nennt diese in einem Satz mit Kindern, die in „Hartz-4-Familien“ aufwachsen. „Jede vierte neue Wohnung in Berlin wird in Marzahn-Hellersdorf gebaut“, gibt der Abgeordnete zu bedenken und dass in keinem anderen Bezirk so viele Kinder lange Schulwege in Kauf nehmen müssen, da es zu wenig Schulplätze gibt. „Es fehlen 1500 Grundschul- und etwa 1000 Oberschulplätze im Bezirk“, sagt Czaja. Und außerdem seien deutlich zu wenig Parkplätze geplant: „Je fünf Wohnungen sollen gerade einmal zwei Stellplätze errichtet werden."

Czaja schneidet viele Themen an, die sicherlich nicht alle auf dem Theaterplatz gelöst werden können. Bezüglich der Parkplätze entgegnet Pohle, dass das Land Berlin keine Vorgaben darüber mache, wie viele Parkplätze geschaffen werden müssen, wenn neuer Wohnraum entsteht – man sei aber dran, diesen Punkt zu modifizieren. Die Bezirksbürgermeisterin nimmt die Baupläne jedoch grundsätzlich in Schutz: „Herr Czaja kann nicht an einem Tag fordern, dass Wohnungen gebaut werden und an einem anderen Tag, dass dies ausgerechnet in Hellersdorf nicht geschehen soll“. Letztendlich argumentiert Pohle auch mit der ursprünglich geplanten, nur wegen des politischen Umbruchs in den Jahren 1989/90 nicht vollendeten Großwohnsiedlung.

Der Theaterplatz in seiner jetzigen Form stellt ihrer Ansicht nach einen „städtebaulichen Missstand“ dar. Es mache Sinn, an diesem Standort für die Bewohner des Kiezes einen urbanen Platz zu gestalten – mit gutem Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz durch die nahegelegene U-Bahn-Station Lois-Lewin-Straße. Die Pläne sehen zwar vor, dass der Netto abgerissen wird, doch auch die Nahversorgung sichergestellt werden – auf 1400 Quadratmetern Fläche für die gewerbliche Nutzung.

Die tatsächliche Realisierung des Bauvorhabens dürfte, selbst wenn genehmigt, jedoch noch einige Zeit auf sich warten lassen. Laut Sebastian Trojand, Pressesprecher der Tamax Grundinvest GmbH, die das Projekt plant, bremsen Rechtsstreitigkeiten das Projekt aktuell aus. Man gehe davon aus, dass diese spätestens im Jahre 2022 beendet werden können. „Erst anschließend können wir die Realisierung des Projektes vorantreiben“, so Trojand. Ganz gleich, welche Baupläne auf dem Theaterplatz mal genehmigt werden – bis zum Baustart wird dann wohl noch einige Zeit vergehen.