Umweltschutz

Berliner bringen 1041 verletzte Vögel nach Marzahn

Beim Umweltgespräch in Marzahn standen Wildvögel, Schottergärten und Parks auf der Agenda. Künftig will der Bezirk grüner werden.

43 verschiedene Arten an Wildvögeln behandelte die Wildvogelstation in Marzahn im letzten Jahr. (Symbolbild)

43 verschiedene Arten an Wildvögeln behandelte die Wildvogelstation in Marzahn im letzten Jahr. (Symbolbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin. Parks, Wildvögel, Schotterverbot: Marzahn-Hellersdorf soll im kommenden Jahr noch umweltfreundlicher werden. Um das scheidende Jahr aus umweltpolitischer Sicht Revue passieren zu lassen, haben die im Bezirk mit grünen Themen befassten Akteure zum Umweltgespräch geladen. Ein Überblick über die Projekte im Bezirk.

Schottergärten sind lebensfeindliches Terrain. Den auch „Gärten des Grauens“ genannten Steinflächen will man im Bezirk stärker entgegenwirken. Denn um einen solchen Schottergarten anzulegen, wird meist Erdreich entfernt und stattdessen ein wasserdichtes Vlies aufgebracht, auf das tonnenweise Kies gegeben wird.

Neue Schottergärten sollen verboten werden

Lebensraum für Tiere und Insekten fällt somit komplett weg. Zudem stirbt die Fläche unter dem versiegelten Steingarten meist ab und macht so eine Renaturierung über Jahre schwierig. Regenwasser kann ebenfalls nicht mehr versickern. Zeigt sich doch mal ein Unkrautpflänzchen zwischen den Steinen, wird häufig zur Giftspritze gegriffen, weiß Beate Kitzmann vom Naturschutzhof Malchow. Zudem sei der Schottergarten im Sommer schon wegen der Hitze zu heiß für die Tiere. In Deutschland gibt es immer mehr dieser Gärten.

Im Bezirk gewinnt das Thema vor allem in den Gebieten der Einfamilienhäusern an Wichtigkeit, sagt Umweltstadträtin Nadja Zivkovic (CDU). Immer mehr Kommunen haben einen Vorstoß zum Verbot von Schottergärten getätigt. In Marzahn-Hellersdorf soll zumindest in Zukunft die Gestaltung von Schottergärten verhindert werden. Das sieht auch der Klimaaktionspakt vor, den das Bezirksamt gemeinsam mit einer Ortsgruppe von Fridays for Future erstellt hat.

Parkmanager reduzieren Müll um 80 Prozent

Seit einem Jahr sind in Berlin Parkmanager unterwegs. Initiiert von der Senatsverwaltung für Umwelt sorgen die Mitarbeiter für die Wahrung des Naturschutzes und schützen Berlins Grünflächen vor Vandalismus. Auch in Marzahn-Hellersdorf sind die Parkmanager in verschiedenen Parks aktiv. Uwe Barthel kümmert sich um den Regine-Hildebrandt- sowie den Kurt-Julius-Goldstein-Park nahe des S-Bahnhofs Hellersdorf. Es gebe nun eine Parkordnung und ein Müllkonzept, sagt er. „Wir haben das Müllaufkommen so um 80 Prozent reduziert.“

Der Regine-Hildebrandt-Park ist ein erst vor wenigen Jahren, im Jahr 2006, angelegter Park. Das bedeutet, dass die Anwohner sich mit ihm noch nicht so stark identifizieren würden, wie beispielsweise die Anwohner im Pankower Bürgerpark, meint Barthel. Doch das biete auch Chancen. „So können wir den Park noch ganz neu entwickeln.“ Bürger wünschten sich etwa mehr Bepflanzung, mehr Sitzflächen und Schattenplätze sowie generell mehr Wasser im Park.

Bereits etabliert ist hingegen die Wildvogelstation des Nabu Berlin. Seit über zwanzig Jahren können hierhin verletzte Vögel gebracht werden, die dann gepflegt und hinterher ausgesetzt oder an Wildparks gegeben werden. Die Station in der Straße Zum Forsthaus 7 ist die einzige Vogelstation in Berlin. Über 1000 Wildvögel aus 43 verschiedenen Arten wurden im letzten Jahr dort vorbeigebracht, sagt Zivkovic. Am häufigsten wurden dabei verletzte Stockenten aufgegriffen.

Bei gefundenen Vögel den Nabu einschalten

„Berlin ist eine tierfreundliche Stadt“, sagt die CDU-Politikerin. Manchmal vielleicht zu sehr. Mitunter würden auch Jungvögel in der Station ankommen, die einfach noch nicht flugfähig waren. Auch das eigenständige Aufpäppeln von verletzten Tieren könne zu Problemen führen. Gerade Jungtiere können so das Erkennen von Fressfeinden nicht lernen oder sind zu zutraulich gegenüber Menschen. Deswegen sei die Rücksprache mit den Nabu-Mitarbeitern auch in Zukunft unerlässlich, so Zivkovic. Bevor man den Vogel hinbringe, solle unbedingt vorher angerufen werden.