Häusliche Gewalt

SPD fordert Frauenhaus für Marzahn-Hellersdorf

Die Opferzahlen bei häuslicher Gewalt steigen seit Jahren stetig an. Die Corona-Pandemie hat das Problem weiter verschärft.

Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt steigt seit Jahren, die Dunkelziffer ist hoch (Symbolbild).

Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt steigt seit Jahren, die Dunkelziffer ist hoch (Symbolbild).

Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Berlin. Seit Jahren steigt die Zahl der Partnerschaftsdelikte in Deutschland. Während der Corona-Pandemie hat sich das Problem noch verschärft: Häusliche Gewalt, vor allem gegen Frauen, nimmt zu. Frauenhäuser sollen Opfern von Gewalt schnell Schutz und Obdach bieten. Sechs solcher Häuser gibt es in Berlin, Marzahn-Hellersdorf gehört zu den Bezirken ohne eigenes Frauenhaus. Das will die SPD-Fraktion im Bezirk nun ändern.

So fordern die Sozialdemokraten vom Bezirksamt mehr Einsatz bei der Suche nach geeigneten Standorten für ein Frauenhaus. Es sei schon einige Jahre her, dass man sich um ein eigenes Frauenhaus bemüht habe, sagt Luise Lehmann, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Das betreffende Grundstück muss gewisse Anforderungen erfüllen, um die Sicherheit der Frauen zu garantieren.“ Ein solches habe man damals nicht finden können.

Gewaltbetroffene werden nicht im eigenen Bezirk untergebracht

Aus Sicherheitsgründen werden zwar keine Betroffenen aus dem Bezirk, sondern anderer Bezirke in einem Frauenhaus des Bezirks untergebracht. „Allerdings fordert das Gebot der Solidarität mit den anderen Bezirken und das Entwicklungspotenzial bezirklicher Beratungs- und Präventionsstellen durch den Erfahrungsaustausch die Notwendigkeit, auch in Marzahn-Hellersdorf zügig ein Frauenhaus einzurichten“, so Lehmann.

Wo genau die Frauenhäuser in Berlin stehen, ist nicht bekannt und das soll auch so bleiben. „Die Frauenhäuser arbeiten mit einen strengen Schutzkonzept, so dass die Adressen nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen“, erklärt Maja Loeffler, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf. In den Nachbarbezirken Lichtenberg und Treptow-Köpenick gibt es jeweils ein Frauenhaus.

Senatsverwaltung richtet kurzfristig siebtes Frauenhaus ein

Ein Ende der Pandemie ist derweil nicht in Sicht, während der kalten Jahreszeit dürfte sich die Situation für viele Frauen eher noch verschärfen. „Auch bei der Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze und Beratungsangebote wird die Kapazität zunehmend mangelhaft“, so Lehmann weiter. „Das wird schon dadurch deutlich, dass der Senat bereits im April, einen Monat nach Pandemie-Beginn, zusätzliche Plätze für Opfer häuslicher Gewalt schaffen musste.“

Erst vor wenigen Tagen hat die Gesundheitsverwaltung die Einrichtung eines weiteren Frauenhauses angekündigt. Bis zum Jahresende wird kurzfristig eine Notunterkunft in das siebte Berliner Frauenhaus umgewandelt. So stehen weitere 55 Schutzplätze zur Verfügung, kündigt Barbara König, Staatssekretärin der Gesundheitsverwaltung, an. Die Umwandlung der Notunterkunft in ein Frauenhaus werde nicht zu Lasten der Berliner Notunterbringungsplätze gehen. Sie wurden zum 1. November um zusätzliche 50 Not-Plätze erweitert, heißt es. Weitere seien geplant. Ferner werde für 2021 an der Einrichtung eines achten und für 2022 eines neunten Frauenhauses gearbeitet.

Experten gehen von hoher Dunkelziffer aus

Laut der aktuellen Kriminalstatistischen Auswertung des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Partnerschaftsgewalt, die in der letzten Woche vorgestellt wurde, sind in Deutschland im letzten Jahr 141 792 Menschen Opfer von häuslicher Gewalt geworden. 140 Menschen sind dabei gestorben, 117 der Opfer sind weiblich. Damit ist die Zahl der Opfer im Vergleich zu 2018 um etwa 1 000 Menschen gestiegen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 125 457 Opfer. Dabei ist die Zahl der angezeigten Fälle nicht wirklich aussagekräftig. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer von mindestens 80 Prozent bei häuslicher Gewalt aus.