Problemkieze

Mehrower Allee: Quartiersmanagement zeigt Erfolge

An der Mehrower Allee endet das Förderprogramm Ende 2020. Vor allem die Garteninitiativen bleiben als Erfolgsprojekte bestehen.

Der Garten der Begegnung wird auch nach dem Quartiersmanagement im Gebiet weiter betrieben.

Der Garten der Begegnung wird auch nach dem Quartiersmanagement im Gebiet weiter betrieben.

Foto: Kerstin Heinze

Berlin. Das Quartiersmanagement (QM) Mehrower Allee in Marzahn endet Ende dieses Jahres. Nach 15 Jahren wird das Gebiet östlich der Märkischen Allee nun verstetigt. Damit versiegen auch die Fördermittel, die seit 2005 vor Ort ausgegeben werden konnten.

Damals wurde das Gebiet in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ als sogenanntes Präventionsgebiet aufgenommen, sagt Julia Theuer, die seit 2018 im Büro des Quartiersmanagements Mehrower Allee arbeitet. „Anders als in anderen Gebieten hat man hier reagiert, bevor die Sozialdaten schlecht waren.“

Das Quartiersmanagement soll sozial und wirtschaftlich benachteiligte Gebiete unterstützen. Ziel ist die Aufwertung öffentlicher Strukturen: Bewohner werden zusammengebracht, soziale Projekte etabliert und die öffentliche Infrastruktur aufgewertet. In Marzahn-Hellersdorf gibt es momentan vier QM-Gebiete, von denen zwei in diesem Jahr enden. Ab 2021 kommt dafür mit der Alten Hellersdorfer Straße ein weiteres hinzu.

Mehrower Allee: Austausch zwischen Generationen fördern

Im Gebiet Mehrower Allee leben viele Senioren. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist hier über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. Da in der Umgebung immer mehr gebaut wird, könnte jedoch auch die Zahl an Familien weiter ansteigen. Überhaupt gehe es beim Quartiersmanagement darum, die ganze Bewohnerschaft zu stärken.

„Wir haben so einige Austauschprojekte gestartet, bei denen wir Senioren und Kinder vernetzt haben“, sagt Theuer. „In den letzten Jahren haben wir gute Kooperationen aufgebaut, um Menschen zusammenzubringen und sie dazu zu bewegen, sich für ihren Stadtteil zu interessieren.“

Als besondere Erfolgsprojekte bezeichnet sie die geschaffenen Traditionen. So sei vor allem das Mond- und Drachenfest, das mithilfe der vietnamesischsprachigen Community im Gebiet organisiert wird, sehr beliebt. Ferner habe man erfolgreich Bewohnergremien aufgebaut, die bei Entscheidungen in ihrem Kiez mitdiskutieren, und Interessengruppen wie Sport-, Gesangs- oder Gesprächstreffs zusammengeführt.

Gartenprojekte als Herzstücke des Quartiers

Das QM-Gebiet Mehrower Allee soll auch als grünes Quartier etabliert werden. Dafür sorgen in erster Linie zwei Gartenprojekte. Auf einer ehemaligen Brachfläche, die durch den Abriss einer nicht mehr benötigten Schule entstand, wurde so vor einigen Jahren der „Hochzeitsgarten“ gestartet. „Zu besonderen Anlässen haben Bewohner hier Bäume gepflanzt“, so Theuer. Angefangen hat alles mit zwölf kleinen Bäumen, mittlerweile stehen auf der Fläche über 250 hohe Bäume. Hier konnte man die Bewohner gut in ihr Wohnumfeld einbinden, meint Theuer. Während heißer Sommermonate kümmerten sich die Anwohner sorgsam um „ihre“ Bäume.

Und auch der Garten der Begegnung sei ein Erfolgsprojekt. Nach den Schulschließungen wünschten sich die Kiezbewohner, dass der ehemalige Schulgarten erhalten wird. „Mittlerweile gibt es dort über 50 Beete von Bewohnern, ein Lehmhaus, eine Bühne und ein Öko-Labor“, zählt Theuer auf. „Es ist wirklich das Herz des Quartiers.“

Für dieses Herzstück wird die Finanzierung in Zukunft jedoch eng. Für ein weiteres Jahr wurden nach Ablauf des Quartiersmanagements die Fördergelder noch bewilligt. Ab 2022 muss der Garten finanziell jedoch weitgehend auf eigenen Beinen stehen. Theuer ist da zuversichtlich. „Komplett selbstständig wird der Garten wahrscheinlich nie sein“, sagt sie. Mit Spendengeldern und Kooperationspartnern sei das aber gut machbar. „Bei einem Gartenwettbewerb hat der Garten kürzlich sogar ein kleines Preisgeld gewonnen.“

Märkische Allee erschwert Kontaktaufnahme zwischen Geflüchteten und Bewohnern

Problematisch sei bei der Gebietsentwicklung die räumliche Struktur. Die sechsspurige Märkische Allee und die S-Bahntrasse fungieren als große Barriere, meint Theuer. Während rechtsseitig das Wohngebiet liegt, sind auf der anderen Seite nur Gewerbe und die Geflüchtetenunterkünfte zu finden. Das habe die Vernetzung zwischen den Bewohnern mitunter schwierig gestaltet.

Auch die Integration der vietnamesischsprachigen Bevölkerung in das Kiezgeschehen sei nicht immer einfach gewesen. Während die Spätaussiedler im Gebiet gut vernetzt waren, sei ein Kontakt mit den Bewohnern mit vietnamesischem Hintergrund oft an der Sprachbarriere gescheitert. Durch ein Nachbarschaftsprojekt konnte mittels einer vietnamesisch sprechenden Bewohnerin jedoch mittlerweile der Kontakt zu der Community hergestellt werden, so Theuer.

Und auch die Geflüchteten würden langsam besser in die Nachbarschaft integriert, nähmen an Festen teil und bewirtschafteten mitunter Beete im Garten der Begegnung. Dass trotzdem manchmal Berührungsängste zwischen der neuen und alten Marzahner Bevölkerung bestünden, sei jedoch kein Problem, das es nur im Gebiet gebe. „Aber es gibt natürlich Gründe, weswegen das Projekt BENN der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hier andockt“, sagt Theuer.

Hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund

„BENN“ steht kurz für „Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“ und wurde von der Senatsverwaltung vor drei Jahren ins Leben gerufen, um das Zusammenwachsen in Wohngebieten, in die viele Geflüchtete gezogen sind, zu erleichtern. Und das ist in Marzahn dringend geraten. Direkt angrenzend an das QM-Gebiet wohnen nämlich 600 Geflüchtete in einer Gemeinschaftsunterkunft.

Mit einem Bevölkerungsanteil von 24,9 Prozent nehmen Menschen mit Migrationshintergrund in Marzahn-Mitte, zu dem das QM-Gebiet Mehrower Allee gehört, einen nicht geringen Anteil ein. Marzahn-Hellersdorf belegt berlinweit sonst den vorletzten Platz, was die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund anbelangt.