Marzahn

Hier können sich die Flüchtlinge fast wie zu Hause fühlen

In Marzahn öffnet das erste Flüchtlings-Wohnhaus neuer Art. Die Standards sind ordentlich. Dennoch ist es billiger als Container.

Neues Flüchtlingsheim in Marzahn

Neues Flüchtlingsheim in Marzahn

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. So manche Menschen, die Jahre im Dreck der Flüchtlingslager verbracht und sich in Gemeinschaftsunterkünften mit 16 Personen zwei Duschen geteilt haben, werden Freudentränen vergießen. Selbst größere Familien können an einem Tisch in der Küche Platz nehmen, Licht fällt durch bodentiefe Fenster, die Wände strahlen sauber, die Herde blitzen.

Am Murtzaner Ring in Marzahn öffnet in wenigen Tagen Berlins neueste und komfortabelste Unterkunft für Geflüchtete. 431 Menschen können hier in eigenen Wohnungen leben, manche werden sich einen Schlafraum teilen. Die meisten Einheiten sind zweistöckig als Maisonette angelegt und durch eine Holztreppe verbunden. Im Erdgeschoss erlauben barrierefreie Wohnungen das Leben im Rollstuhl, eine kleine Terrasse gehört dazu. Der Bezirk hat sich mit einer Kita für 65 Kinder eingemietet.

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Berlin: Modulare Unterkunft für Flüchtlinge der zweiten Generation kostet 27 Millionen Euro

27 Millionen Euro hat diese Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) der zweiten Generation gekostet. Einziehen werden hier zunächst die 300 Bewohner des Containerdorfs am nahen Blumberger Damm. Zwei weitere solcher MUFs werden Anfang 2021 am Osteweg in Lichterfelde und an der Falkenberger Straße in Weißensee eröffnet, sagte Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, bei der Besichtigung.

Sechs weitere MUFs seien im Bau, 22 noch in Planung. In den 17 modularen Unterkünften der ersten Generation leben derzeit fast 6600 Menschen. Viele harren aber noch in Gemeinschaftsunterkünften oder in Hostels aus. Das sei, sagt Langenbach, trotz des ordentlichen Standards der neuen Wohnhäuser teurer. Zudem zahlten arbeitende Bewohner einen Mietanteil.

Eigene Möbel sind in den Wohnungen verboten

Susan Hermenau, Flüchtlingskoordinatorin in Marzahn-Hellersdorf, betont den langfristigen Plan. Später, wenn das spezielle Baurecht für Flüchtlinge das nicht mehr verbiete, wolle man auch Studierende oder Menschen ohne Wohnung dort aufnehmen. Ehrenamtskoordinator Dirk Palachowski weiß, dass es womöglich Neider gibt. Aber den gleichen Status wie normale Mieter hätten die Bewohner eben doch nicht. Eigene Möbel seien verboten, man dürfe nicht mal einen Nagel in die Wand hauen, um einen Spiegel aufzuhängen.