Marzahn

Die Gärten der Welt haben jetzt einen eigenen Audiowalk

Für die Parkanlage in Marzahn gibt es nun einen 50-minütigen Audiowalk.

Caroline Böttcher (l.) hat den ersten Audiowalk der Gärten der Welt konzipiert. Beate Reuber ist begeistert.

Caroline Böttcher (l.) hat den ersten Audiowalk der Gärten der Welt konzipiert. Beate Reuber ist begeistert.

Foto: Julia Hubernagel

Berlin. Die Gärten der Welt in Marzahn haben jetzt ihren eigenen Audiowalk. Besucher können sich über Kopfhörer durch den Park leiten lassen. In 50 Minuten erfahren sie Wissenswertes über die Geschichte der Anlage und vor allem viel über Bäume, Pflanzen und Blumen.

Die Idee zur Audio-Führung stammt von der Autorin und Grafikerin Caroline Böttcher. Die 35-Jährige hat nach ihren Hörspaziergängen über den Berliner Trümmerberg und die Berliner Gewerbeausstellung von 1896 nun ihren dritten Audiowalk konzipiert. Diesmal treten Pflanzen als Protagonisten auf. Von der Idee war Parkbotschafterin Beate Reuber zunächst überrascht. „Das Konzept hat mich aber schnell überzeugt.“

Über Pflanzen lässt sich nämlich auch politisch reden, sagt Böttcher. „Was hat zum Beispiel ein Grashalm mit Wohlstand zu tun?“ Auch über positive wie negative Effekte der Globalisierung lässt sich am Beispiel von Obstsorten diskutieren. Der neue Audiowalk ist somit nicht einfach ein auditiver Info-Rundgang. Stattdessen folgt der Hörer vier Besuchern bei ihrer Tour durch die Gärten der Welt. Anja ist dabei die Tonangeberin: Sie hat zu der Parkführung eingeladen und erzählt auf ihrem Rundgang Kurioses aus der Pflanzenwelt.

Der Audiowalk ist zu den Parköffnungszeiten gratis auf einem MP3-Player im Besucherzentrum auszuleihen. Alternativ kann die Guidemate-App aufs Smartphone heruntergeladen werden, dort ist der Audiowalk ebenfalls abspielbar. Neun Stationen gibt es auf der Tour quer durch den Park. Los geht es gleich am Besucherzentrum, wo sich die vier Teilnehmer das erste Mal treffen. Praktisch: In der App ist eine Karte mit der Route aufrufbar. Weiter geht es zum Englischen Garten. Hier erfährt der Hörer gleich etwas zum sozialen Status von Rasen: Lange galt das gepflegte Grün als Zeichen des Wohlstands, wenn man es sich leisten konnte, eine Fläche nicht mit Nutzpflanzen zu bestellen.

Gärten der Welt: Die Wegeführung ist durchdacht, der Sound realistisch

Das Sounddesign der Audio-Führung ist dabei überzeugend, Gespräche und Naturgeräusche wirken im Surround-Sound realistisch. Auch die Koordination zwischen Weg und Gehörtem ist durchdacht: Bei längeren Passagen scheint wie zufällig immer eine Bank in der Nähe zu stehen, auf der es sich ausruhen lässt.

Nach einem Rundgang durch den Orientalischen Garten geht es zurück in heimische Gefilde – zur alten deutschen Eiche, die schon in der Berliner Gartenschau, der DDR-Vorgängervariante der Gärten der Welt, wuchs. Nur – so deutsch ist die Eiche eigentlich gar nicht. Die Stieleiche ist als „english oak“ auch britisches Nationalsymbol. Auch die zweitbeliebteste Frucht der Deutschen ist nicht gerade eine heimische Pflanze. Die Banane, so erfährt der Hörer, lässt sich in Europa nicht anbauen. Da wäre es doch spannend, die Führung in 100 Jahren noch einmal zu hören, überlegt einer der Sprecher im Audiowalk. „Wer weiß, welche Pflanzen sich dann hier anbauen lassen.“ Auch auf den Klimawandel geht Audio-Tourführerin Anja ein.

Wissenswertes zur Banane und anderen tropischen Pflanzen erfahren Hörer momentan nur ohne dazugehörigen Garten. Station Nummer acht, der Balinesische Garten, befindet sich nämlich im Gewächshaus und ist coronabedingt geschlossen. Von der Bank davor lassen sich jedoch zumindest einige Palmenspitzen erspähen. Außerdem laden noch andere Gärten zum Erkunden ein: Der Japanische, Koreanische, Chinesische und der Christliche Garten kommen im Audiowalk nämlich gar nicht vor. Und auch in den Irrgarten hat sich die Gruppe um Anja nicht getraut.