Umweltschutz

Grüne Klimaoasen für Marzahn

Ein Umweltbildungsprojekt will die Stadtnatur im Bezirk stärken. Dabei geht es vor allem um die Vernetzung der Ortsgruppen.

Stadtnatur schützen und neue Klimaoasen erschaffen – darum ging es den Teilnehmern des Projekts „Grüne Klimaoasen“. (Symbolbild)

Stadtnatur schützen und neue Klimaoasen erschaffen – darum ging es den Teilnehmern des Projekts „Grüne Klimaoasen“. (Symbolbild)

Foto: Markus Scholz / dpa

Berlin. Da der Klimawandel auch zukünftig Tribut fordern werde, sei es umso wichtiger, für grüne Schutzräume zu sorgen. Das war die Botschaft, die bei der Vorstellung des Umweltbildungsberichts Marzahn-Hellersdorf am deutlichsten herüberkam. Drei Jahre lang haben die Teilnehmer des Projekts „Grüne Klimaoasen“ untersucht, wie es um das Grün in Berlins östlichstem Bezirk bestellt ist und wie sich naturnahe Flächen ausbauen und weiterentwickeln lassen. Das Projekt hat Pilotcharakter: „Ich glaube, es ist einmalig in Berlin, dass die Senatsverwaltung für Umwelt, das Straßen- und Grünflächenamt im Bezirk, die Humboldt-Universität und die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik in Großbeeren zusammen an einem Projekt arbeiten“, sagt Uwe Mehlitz, der die Lehr- und Versuchsanstalt in Großbeeren leitet.

Klimaoasen galt es also zu finden, zu entwickeln oder auszubauen. Das können Grünflächen, Gärten oder grüne Dächer sein, die zur Klimaanpassung der Stadt beitragen, indem sie für Abkühlung in Hitzezeiten sorgen, Niederschläge auffangen und speichern und somit ein dezentrales Regenwassermanagement ermöglichen. Zudem weisen sie eine hohe Biodiversität auf und sind für die Bevölkerung zugänglich.

Etwa ein Viertel des Bezirks ist bereits grün

Marzahn-Hellersdorf steht dabei bereits gut da. „Ein Viertel des Stadtbezirks ist grün“, sagt Camillo Kitzmann, Leiter des Fachbereichs Umwelt- und Naturschutz des Umweltbüros Marzahn-Hellersdorf. Das könne man sehen, wenn man alle Friedhöfe, Kleingärten und Schulhofbepflanzungen zu den größeren Schutzgebieten addiere. Und auch von letzteren gibt es in Marzahn-Hellersdorf viele. Das Wuhletal, die Kaulsdorfer Seen, der Schlei- und Beerenpfuhl sowie die Unkenpfuhle führen alle große Mengen an Wasser und sind dicht bewachsen. Man müsse sich vor Augen führen, was Stadtgrün alles leisten könne, meint Kitzmann und zählt auf: Als Naherholungsraum, zur Umweltbildung, als Gesundheitsressource, zur Verbesserung des Stadtklimas sowie der Luftqualität und zur Lärmminderung könne es beitragen.

Das Stadtgrün gelte es zu schützen. An einigen Stellen im Bezirk funktioniere das bereits sehr gut. Kitzmann erzählt vom Stadtgarten Biesdorf, wie dort Freiräume für die Haubenlerche geschaffen wurden. Erfolgreiches Umweltmanagement gelte es auf andere Flächen zu übertragen. Überhaupt müsste man die Ökosysteme mehr stärken, etwa indem man Wildblumenwiesen anlege oder die Mahd so anpasse, dass keine Tiere dadurch gestört würden. „Außerdem könnte man die Gewerbegebiete grüner gestalten“, so Kitzmann. „Davon gibt es in Marzahn-Hellersdorf ja einige.“

Workshops mit Gemeinschaftsgärten und Schulen

Bei allen Ideen ginge es vor allem darum, Ortsgruppen und -initiativen zu vernetzen, sagt Eva Foos. Foos ist Co-Leiterin des Projekts und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität. In den vergangenen drei Jahren wurden im Bezirk so verschiedenste Workshops durchgeführt, etwa mit Kleingärtnern und Bezirksbewohnern, die sich in Gemeinschaftsgärten engagieren. Aber auch im Bildungssektor wurden Lehrkräfte und Schüler für Umweltthemen sensibilisiert. So hätten Lehrer wie Schüler gelernt, wie man gemeinsam einen Schulgarten anlegen könne. Von den 46 öffentlichen Schulen im Bezirk haben bereits 33 einen solchen Garten angelegt.

Weiterhin wichtig war den Projektinitiatoren, über bestehende Angebote aufzuklären. So habe man etwa die Gartenkarte Marzahn-Hellersdorf entwickelt, in der alle Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgärten samt ihrer Besonderheiten verzeichnet sind. Auch den diesjährigen Umweltkalender habe man gemeinsam gestaltet. Unter dem Motto „Grün im Klimawandel“ soll der Kalender Wissenswertes zur Stadtnatur und den Auswirkungen des Klimawandels vermitteln.

Das Projekt „Grüne Klimaoasen“ ist somit als eine Bündelung der verschiedenen Kräfte im Bezirk zu verstehen. „Der Bezirk ist schon sehr grün“, sagt Foos. „Wo wir helfen konnten, ist bei der Vernetzung und Kommunikation untereinander.“

Auch wenn das Projekt nun im November ausläuft, soll die Stadtnatur in Marzahn-Hellersdorf nicht in Vergessenheit geraten. Seit Anfang des Jahres beschäftigt der Bezirk einen eigenen Klimaschutzbeauftragten. Matthias Rose ist dafür zuständig, Marzahn-Hellersdorf zu mehr Umweltschutz zu verhelfen. Dabei geht es jedoch nicht nur um Stadtgrün. Seit einigen Wochen ist eine Umfrage zu Mobilitätspunkten im Bezirk online. Rose ruft die Bezirksbewohner auf, mitzuentscheiden, wo alternative Mobilitätsformen wie Car- und Bikesharing, aber auch Ladesäulen für Elektroautos entstehen sollten. Gerade am Stadtrand gebe es ja erst wenige alternative Mobilitätsangebote, meint Rose. „Daher geht es nun darum, zu ermitteln, wo dafür Bedarfe bestehen.“ Diese Bedarfe soll das Bezirksamt anschließend koordinieren und mit Mobilitätsanbietern umsetzen.