Stadtentwicklung

Großes Potenzial für Wohnungsbau in Mahlsdorf

Das Datenanalyse-Unternehmen realxdata sieht in Mahlsdorf noch Raum für Verdichtungen. Über 300 Grundstücke kämen dafür in Frage.

In Mahlsdorf könnten neue Wohnbauten entstehen (Symbolbild).

In Mahlsdorf könnten neue Wohnbauten entstehen (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Ohde / picture alliance

Berlin. In Mahlsdorf hat fast ein Viertel aller Wohngrundstücke noch Entwicklungspotenzial. Auf über 300 Grundstücken könnten demnach noch weitere Gebäude entstehen. Zu dem Schluss kommt zumindest das Tech-Unternehmen realxdata GmbH. Realxdata fertigt Smart- und Deep-Data-Analysen für die Immobilien- und Finanzbranche an und stellt Prognosen für einzelne Flächen auf.

Probeweise habe man so einige Gebiete in Berlin näher betrachtet, sagt Jessica Meier, Datenchefin bei realxdata. „Wir haben dann schnell gemerkt, dass es in drei von vier Gebieten kaum noch geeignete Flächen gibt, auf denen man bauen kann.“ Gerade in Randgebieten sei das Potenzial groß. Im nördlichen Reinickendorf, nahe der Hackeschen Höfe und rund um die U-Bahnstation Fehrbelliner Platz sei die Bebauung schon sehr dicht. In Mahlsdorf sehe das jedoch anders aus. Dabei gibt es dem Unternehmen zufolge vor allem im Nordosten, zwischen Bahntrasse und der Grenze zu Brandenburg, und im Süden oberhalb der Rahnsdorfer Straße Möglichkeiten für Wohnungen. Auch die gewerbliche Nutzung hat sich realxdata angeschaut. Hier ist jedoch nur bei sieben von 58 Grundstücken Entwicklungspotenzial vermerkt.

Bebauungsdichte sollte unter 20 Prozent bleiben

Für die Analyse greift das Unternehmen auf verschiedene Quellen zu. Zunächst werden die Grundflächen der Gebäude mittels Satellitenbildern ermittelt, erklärt Meier. „Wir befassen uns zudem viel mit Daten, die Städte und Gemeinden zur Verfügung stellen.“ Trotz der Möglichkeiten im Gebiet solle eine zu enge Bebauung vermieden werden. „Die Bebauungsdichte sollte unter 20 Prozent bleiben“, so Meier. Auch auf den einzelnen Grundstücken gelten Regeln. „Wir haben anhand der Bebauungsstruktur in der Nachbarschaft berechnet, dass auf jedem Grundstück noch doppelt so viel Freifläche verbleiben sollte, wie die Gebäude-Grundfläche beträgt.“ Der Charakter des Wohngebiets könnte sich sonst zu sehr verändern.

Dass ein großer Teil der Wohngrundstücke noch Entwicklungspotenzial besitzt, solle also nicht heißen, dass nun die freien Flächen zugebaut werden. „Wir werden auch nicht vorschlagen, Parks zu versiegeln“, sagt Meier. „Außerdem ist in den Analysedaten noch kein Hinweis darauf gegeben, welche Eigentumsverhältnisse dort herrschen.“

Daten eher für private Unternehmen von Interesse

Realxdata setzt bei seinen Immobilienportfolios auch auf Künstliche Intelligenz (KI). Über 100 externe Quellen werden zusammengeführt und ausgewertet, heißt es. „Wir können so auch Mietpreise und Gentrifizierung vorhersagen“, meint Meier. Ihre Unterstützung nehmen normalerweise Makler, Banken, Versicherungen und Beraterunternehmen in Anspruch, etwa wenn es um Milieu- oder Denkmalschutzfragen geht. Das Analysieren großer Gebiete wie Mahlsdorf befinde sich dabei noch im Prototypstadium. „Wir sind gerade dabei, Interessenten zu kontaktieren“, sagt Meier. Größtenteils handele es sich um private Akteure. Zwar sei man auch auf Städte und Gemeinden zugegangen – „allerdings mit mäßiger Rückmeldung.“

Nachgefragt beim Bezirk Marzahn-Hellersdorf: Hätte man hier Interesse an den Daten? Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) winkt ab. „Wir besitzen diese Daten auch und haben selbst schon eine Potenzialanalyse für Wohnungen und Wirtschaft erstellt“, sagt sie. Die Daten seien eher für private Unternehmen interessant, die nur eine kleine Fläche beschäftigt. „Wir können außerdem nicht einfach mit einzelnen Firmen zusammenarbeiten. Für so eine Untersuchung müssten wir eine Ausschreibung erstellen.“