Corona

Pflege-Studie zu Corona: Personalmangel größtes Problem

Grundsätzlich waren die Berliner Krankenhäuser auf die Pandemie gut vorbereitet, so die Ergebnisse der ASH-Studie. Nachholbedarf gibt es trotzdem.

Mehr Personal und Schulungsmöglichkeiten wünschten sich die Pflegedienstleistenden.

Mehr Personal und Schulungsmöglichkeiten wünschten sich die Pflegedienstleistenden.

Foto: Inga Kjer/photothek.net / imago/photothek

Berlin. Die Alice Salomon Hochschule (ASH) hat eine Pflegestudie zu den Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser während der Corona-Pandemie stehen, durchgeführt. Das Forschungsteam um Johannes Gräske, Professor für Pflegewissenschaften und Leiter des Studiengangs Pflege an der ASH, möchte mithilfe der Studie personelle und strukturelle Defizite ermitteln und Handlungsempfehlungen für künftige Szenarien ableiten. Die Ergebnisse der im April durchgeführten Studie „COVID-19 Pandemie in Berlin und Brandenburg: Eine Ist-Analyse in Krankenhäusern aus Sicht des Pflegemanagements“ liegen nun vor.

Positive Aspekte vorweg: Die Einrichtung von Teststationen an Krankenhäusern wurde als weitestgehend problemlos gewertet. Auch zusätzliche Isolations- und Beatmungskapazitäten konnten schnell installiert werden. Teilweise problematisch sei hingegen der Probentransport und die Ergebnisübermittlung zwischen Teststationen und Laboren gewesen.

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Schutzkleidung ausreichend: Probleme allerdings bei Importen

Entgegen vieler Prognosen gab die Mehrzahl der Krankenhäuser zudem an, keine Engpässe im Bereich Schutzausrüstung gehabt zu haben. „Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass die Vorräte – vor allem deren Bezug aus dem Ausland – als nicht zuverlässig gelten können“, heißt es von Seiten der Studienorganisatoren. Nachholbedarf sahen die Krankenhäuser im Bereich der Schulungsmaßnahmen: Hygienemaßnahmen und persönliche Schutzausrüstung seien thematisch nicht stark genug behandelt worden. Schulungen mit den Schwerpunkten Intensivpflege und Pflege von beatmungspflichtigen Patienten habe es jedoch gegeben.

Als defizitär wurde erwartungsgemäß die Personalsituation gesehen. Gut die Hälfte aller befragten Krankenhäuser gab an, über nicht genügend Personal zu verfügen – „trotz mehrheitlicher Maßnahmen, den Bedarf durch Umverteilung (zum Beispiel durch das Absagen nicht notwendiger Behandlungen) zu erreichen“, heißt es.

Neue Ansätze zur Personalgewinnung nötig

Studienleiter Gräske schlussfolgert, dass die Krankenhäuser gut auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie vorbereitet waren. „Durch die im April geringer als erwartete Zahl behandlungspflichtiger Patienten im Krankenhaus reichten die Maßnahmen aus, um die Versorgung sicherzustellen.“ Doch gefordert waren die Kliniken schon, das zeige sich an der verhältnismäßig geringen Beteiligung an der Studie. Innerhalb von drei Wochen wurden Pflegedienstleistende in insgesamt 99 Kliniken in Berlin und Brandenburg befragt. Teilgenommen haben jedoch nur 31 Krankenhäuser. Die Rücklaufquote zeige die Wichtigkeit dieses Thema, heißt es von den Organisatoren der Studie. „Insbesondere unter den Herausforderungen zur Bewältigung der Pandemie musste damit gerechnet werden, dass die Beteiligung geringer als üblich ausfällt.“

Gräske sieht daher dringenden Handlungsbedarf. „Die Hinweise auf nicht ausreichendes Personal und Schutzausrüstung müssen zu einer deutlichen Abkehr vom bisherigen Ablauf führen“, sagt der Pflegewissenschaftenprofessor. Nötig seien verlässliche Ansätze zur Personalgewinnung und Maßnahmen zur Vermeidung zusätzlichen Personalausfalls durch mögliche Infektionen. Um den grundsätzlichen Fachkräftemangel im Pflegeberuf zu beheben, seien neue Strategien gefragt. „Ebenso ist zu überlegen, bestimmte Schulungsmaßnahmen zu Hygiene und Umgang mit Schutzausrüstung vermehrt in den Fokus der Pflegeausbildung bzw. des Pflegestudiums zu rücken.“