Marzahn-Hellersdorf

Gesundheitsamt überlastet: Nur Hälfte der Stellen besetzt

Im Gesundheitsamt Marzahn-Hellersdorf fehlen Mitarbeiter. Gerade bei Infektionskrankheiten wie dem Coronavirus ist das ein Problem.

Momentan kann das Gesundheitsamt in Marzahn-Hellersdorf nur die allernötigsten Aufgaben erfüllen.

Momentan kann das Gesundheitsamt in Marzahn-Hellersdorf nur die allernötigsten Aufgaben erfüllen.

Foto: imago stock / imago/Westend61

Berlin. Im Falle einer Ausbreitung des Coronavirus‘ in Deutschland sei Berlin „gut aufgestellt“, ließ Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erst vor wenigen Wochen verlauten. In manchen Gesundheitsämtern kann man dazu nur den Kopf schütteln. „Das stimmt für meinen Bezirk definitiv nicht“, sagt Martina Hänel, leitende Amtsärztin im Gesundheitsamt Marzahn-Hellersdorf. Die Hälfte der 22 Stellen ist dort aktuell nicht besetzt. Bis Mitte des Jahres verabschieden sich zudem zwei weitere Ärzte in den Ruhestand.

„Wir können aktuell nur Aufträgen mit hoher Priorität nachkommen“, so Hänel. Dazu gehören etwa Einschulungsuntersuchungen. Routine-Begehungen, wie die regelmäßige Kontrolle der Hygiene in Krankenhäusern, müssen momentan ausfallen. „Die Grippewelle macht uns zu schaffen“, so Hänel weiter. „Mit Einführung der Masern-Impfpflicht ab März werden wir ziemlich überlastet sein.“

Sollten sich Infektionskrankheiten wie das Coronavirus ausbreiten, weiß man im Bezirk nicht, wie man die Lage mit nur zehn Mitarbeitern bewältigen soll. „Die Hygiene-Abteilung ist bei uns nicht besetzt“, sagt Hänel. Bereits jetzt bekommen Hänel und ihre Kollegen regelmäßig Anfragen von Bürgern, die sich nach dem Corona-Virus erkundigen. „Wir sind schon mittendrin“, sagt sie. „Bei Verdachtsfällen sind wir es, die entscheiden, ob jemand in Quarantäne gehen muss oder einen Abstrich durchführen sollte.“ Auch Menschen, die keinen Hautarzt in der Stadt haben, wenden sich ans Gesundheitsamt.

„Wir haben schon in der U-Bahn versucht, Ärzte anzuwerben.“

Im Bezirk will man der Personalnot nicht untätig gegenüber stehen. Die SPD-Fraktion fordert in einem Antrag das Bezirksamt auf, den Personalmangel ernst zu nehmen. „Eine der wichtigen Aufgaben des Gesundheitsamtes ist die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes“, sagt die Fraktionsvorsitzende Jennifer Hübner. „Dazu gehören die Beratung und Kontrolle öffentlicher Einrichtungen, die Erfassung und die Verfolgung meldepflichtiger Infektionskrankheiten und die Aufklärung der Bevölkerung, um eine Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern.“

Neues Personal zu akquirieren, sei aber nicht einfach, weiß Hänel. „Wir haben immer wieder Stellen ausgeschrieben und auch persönlich Ärzte angesprochen, ob sie sich nicht vorstellen könnten, bei uns anzufangen“, sagt sie.

„Mittlerweile sind wir schon so weit, dass wir Leute in der U-Bahn ansprechen, die eine Arztzeitung in der Hand halten.“ Warum dem Gesundheitsamt Bewerber fehlen, weiß Hänel selbst. „Zwei Dinge machen uns natürlich unattraktiv: Wir sind ein Außenbezirk und die Bezahlung im öffentlichen Dienst ist eben nicht so gut.“

Amtsärzte sollen künftig übertariflich bezahlt werden

Zumindest letzteres kann sich womöglich bald ändern. Erst vor wenigen Wochen einigte man sich im Roten Rathaus auf eine Neuregelung, wonach Ärzte im öffentlichen Dienst außertariflich bezahlt werden können. Normalerweise erhalten sie das im für Berlin gültigen Tarifvertrag der Länder (TV-L) festgeschriebene Gehalt. Der Unterschied zu den Gehältern von Ärzten in Krankenhäusern kann aktuell 1000 bis 2000 Euro betragen. Allerdings sollen Ärzte im öffentlichen Dienst nur in Ausnahme- und Einzelfällen einen außertariflichen Vertrag bekommen.

Ob ein solcher Fall vorliegt, muss ausführlich geprüft werden. Martina Hänel bezweifelt, dass die Regelung in naher Zukunft für Entlastung in ihrem Gesundheitsamt sorgt. „Die Umsetzung wird dauern“, prognostiziert sie. Außerdem gelte sie nur für Fachärzte, im Gesundheitsamt arbeiten jedoch auch Angestellte wie Sozialarbeiter oder Gesundheitsaufseher. Auch hier gebe es Bedarf.

Mit dem Personalproblem steht Marzahn-Hellersdorf zwar schlecht, aber nicht alleine da. Etwa 500 Vollzeitstellen sind in den Berliner Gesundheitsämtern aktuell nicht besetzt. Davon sind 55 Stellen für Ärzte vakant. Trotz nicht optimaler Bezahlung wirbt Martina Hänel für ihren Job. „Die Arbeit im Gesundheitsamt bringt tolle Aufgaben und angenehme Arbeitszeiten mit sich“, meint sie. Und gerade jetzt würden motivierte Bewerber wirklich dringend gebraucht.