Ausstellung

Neue Ausstellung im Schloss Biesdorf: Das „Jetzt“ erleben

Im Schloss Biesdorf ist bis zum 10. Mai eine neue Ausstellung zu sehen. Thema ist die Flüchtigkeit des Moments.

Mithilfe technischer Geräte versuchen wir, die flüchtige Gegenwart einzufangen. Aber ist der Moment des „Jetzt“ überhaupt zu fassen?

Mithilfe technischer Geräte versuchen wir, die flüchtige Gegenwart einzufangen. Aber ist der Moment des „Jetzt“ überhaupt zu fassen?

Foto: Andreas Sachsenmaier und Joachim Seinfeld

Berlin. Mit dem vieldeutigen Begriff der Gegenwart beschäftigt sich eine neue Ausstellung im Schloss Biesdorf. „Sehnsucht nach dem JETZT“ zeigt Fotografien, Objektkunst, Videoinstallationen und Malerei. Siebzehn Künstler haben den flüchtigen Moment des Augenblicks eingefangen.

In das 1868 erbaute Schloss hält so auch Berliner Alltagstristesse Einzug. Drei Künstler haben den Moment des „Jetzt“ auf Fahrscheinpapier gebannt. Im Sekundentakt entwerteten sie an einem Fahrkartenautomat der Berliner S-Bahn Fahrkarten, um so den Moment der Gegenwart für immer auf Papier zu bannen. 143 Karten konnten Aljoscha Begrich, Axel Töpfer und Jo Preußler so mit dem gleichen Aufdruck erzeugen: Anhalter Bahnhof 22.12.00 16:15.

Flüchtige Augenblicke und zeitlose Städtebilder

Auch Rebecca Ann Tess macht auf die vermeintliche Zeit- und Kontextlosigkeit in Städten aufmerksam. In ihrer Fotoserie „Alpha++ Models“ zeigt sie die sterile Ästhetik neoliberal geformter Städte auf. Gerade in Millionen-Metropolen ist die Vergangenheit mitunter fast nicht mehr zu spüren. Zwischen den glatten Fassaden moderner Gebäude findet sich das Individuelle und Einzigartige nur noch versteckt.

In der Natur ist die unwiederbringliche Gegenwart ebenso stark zu spüren. In seinem Kurzfilm „Baumfall/Scioto River“ zeigt Andreas Kempe den Zuschauern den kurzen Moment, in dem ein Baum auf einen Radweg stürzt. Nur kurz durchbricht das Geräusch des Knackens und Fallens den Frieden und die Stille eines Sommertags. So auf Video gebannt verliert der flüchtige Augenblick freilich an Intensität. Die Überraschung, die der Spaziergänger beim plötzlichen Fallen des Baums in freier Natur empfindet, lässt sich nur selbst erleben, nicht erlebbar machen.

„Das ‘Jetzt’ ist ein fragiler Moment“, sagt auch Karin Scheel. „Ein Sehnsuchtsbegriff.“ Scheel ist die künstlerische Leiterin des Hauses und hat die aktuelle Ausstellung zusammen mit Andreas Sachsenmaier, Bärbel Möllmann und Joachim Seinfeld kuratiert. Seinfeld indes ließ bereits auf der Vernissage einen Einblick in die Unvorhersehbarkeit des „Jetzt“ zu. Live entwickelte er vor Zuschauern in einer Dunkelkammer Fotos, die während der Eröffnung entstanden. Mit Chemikalien auf die Wand projiziert, sollte für alle sichtbar das Abbild einer Frau erscheinen. Doch die Gegenwart ist eben unberechenbar: Zu sehen sind nur unscharfe Konturen.

„Sehnsucht nach dem Jetzt“ ist der erste Teil einer dreiteiligen Ausstellung, die in Berlin, Dresden und Düsseldorf zu sehen ist. Im Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, sind die Arbeiten noch bis zum 10. Mai ausgestellt. Besucher finden täglich (außer dienstags) von 10 bis 18 Uhr sowie freitags von 12 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt Einlass.