Straßenbauprojekt

Anwohner verärgert über geplante Ortsumfahrung Ahrensfeldes

Bund und Länder einigen sich auf Straßenführung, um den Verkehr zu entlasten. Anwohner protestieren gegen den Bau.

Die Ortsumfahrung in Ahrensfelde soll einen begehbaren Deckel bekommen.

Die Ortsumfahrung in Ahrensfelde soll einen begehbaren Deckel bekommen.

Foto: Landesbetrieb Straßenwesen / Land Brandenburg

Seit Jahrzehnten schon steht sie im Raum, nun scheint die Finanzierung gesichert: Ahrensfelde soll eine Ortsumfahrung bekommen. Bisher staute sich auf der B 158 zu Stoßzeiten der Verkehr. Die Bundesstraße führt durch den Ortskern Ahrensfeldes und durch Marzahn-Nord und ist gerade für Pendler aus dem brandenburgischen Umland eine wichtige Verbindung nach Berlin.

Viele mögliche Straßenrouten wurden über Jahre hinweg diskutiert. Berlin und Brandenburg unterzeichneten nun den Finanzierungsvertrag. Zwar trägt der Bund den Großteil der sich auf 60 Millionen Euro belaufenen Kosten, die Länder zahlen anteilig lediglich ca. 12 Millionen Euro. Grund für die Zuzahlung ist die anwohnerfreundlichere Straßenführung in Form eines Trogs. Die B 158 soll 150 Meter lang durch einen begrünten und begehbaren Tunnel geführt werden.

Dies mindere die Lärmbelastung und verhindere eine Zerschneidung des Ortskerns, heißt es von Seiten der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK). Ursprünglich war eine ebenerdige Ortsumfahrung vom Bund vorgesehen.

Über Ortsumfahrung wurde schon in der DDR diskutiert

Durchgesetzt hat sich schließlich die erst knapp vor Berliner Stadtgrenze abweichende Straßenführung: Die Märkische Allee zweigt noch auf Marzahner Seite rechts ab, führt in Ahrensfelde durch den Trog und verläuft in einem weit ausholenden Bogen parallel zu Dorfstraße, die später zur Blumberger Chaussee wird. Während Ahrensfelder Anwohner kritisieren, dass auch die neue Straße durch ihr Dorf führe, verstehen auch Marzahner den Beschluss nicht. „Es führt quasi eine Autobahn durch die Wohngebiete“, meint Fritz Gläser von der Initiative ASA (Alternatives Stadtteil Aktiv) Marzahn Nord-West. „Darin ändert der aktuelle Entschluss nichts.“

Den Marzahner ärgert die Langsamkeit der Politik. „Als ich 1985 hergezogen bin, wurde auch schon über eine Ortsumfahrung diskutiert“, erinnert er sich. Tatsächlich dürfte die B 158 in Zukunft noch stärker frequentiert werden. „Letztlich ist sie eine Verlängerung der TVO nach Norden.“ Die Tangentialverbindung Ost (TVO) ist ebenfalls bereits seit Jahren in Planung und soll einmal Marzahn mit Köpenick verbinden und bis zum BER-Flughafen führen.

Anwohner favorisieren Straßenführung über Land

Favorisiert hätten Anwohner eine andere Route. „Die Variante 1 halten eigentlich alle für die bessere Lösung“, sagt Gläser. „Die würde nur durch Land führen und keine Wohngebiete zerschneiden.“ Variante 1 würde statt auf der Märkischen Allee über die Kemberger Straße durch den Eichepark führen und auf Brandenburger Seite schließlich parallel zur Blumberger Chaussee verlaufen. „Die Kemberger Straße ist sogar tiefergelegt und verfügt so schon über einen natürlichen Lärmschutz-Wall“, berichtet Gläser.

Im Senat sieht man das derweil anders. Bei der ersten Variante gebe es mehr Lärmbetroffene als bei Variante 2, sagt Jan Thomsen, Pressesprecher des SenUVK. „Auch die prognostizierte verkehrliche Entlastungswirkung ist bei Variante 2 größer als bei Variante 1.“ Zudem führe die Variante 1 „durch die Landschaftsschutzgebiete Falkenberger Krugwiesen und Eichenpark, teils auch durch den Seelgrabenpark. Allein dies spricht vehement dagegen.“

Ahrensfelder wie Marzahner Anwohner vermuten indes: Die Entscheidung sei bloß aus finanziellen Gründen gefallen. Bei einer Info-Veranstaltung zur geplanten Umfahrung machten Anwohner kürzlich ihrem Ärger Luft. Berlin plädiere nur für Variante 2, um für die Extra-Meter auf ihrer Seite nicht zahlen zu müssen, hieß es.

Dies habe jedoch keine Rolle bei den Überlegungen gespielt, versichert Thomsen vom SenUVK: „Das ist ja eine Bundesstraße – die zahlt also der Bund, die Länder bauen sie nur.“

Baubeginn frühestens 2024

Bis tatsächlich gebaut wird, dürfte es allerdings noch dauern. Marko Jürgen vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg möchte eigentlich keine zeitlichen Prognosen abgeben. „Aber vor Ende 2024 werden wir wohl nicht mit den Bauarbeiten anfangen können“, sagt er. Was einen schnellen Baubeginn begünstigen würde, macht indes Ministerialrat Frank Süsser vom Verkehrsministerium deutlich. „Wie lange es dauert, hängt davon ab, wie viele Einwände Sie machen“, sagt er auf der Info-Veranstaltung in Richtung der Anwohner.

Für einige ist die Sache indes klar. „Wenn die Ortsumfahrung so tatsächlich gebaut werden soll, steht Ihnen der Anwalt im Haus“, erklärt eine Ahrensfelderin. Marzahner wie Ahrensfelder klatschen laut und wütend Beifall.