Bildung

Schule in Mahlsdorf: Kurz nach Eröffnung schon Baumängel

Vandalismus, Probleme mit der Verpflegung, Baumängel: An der ISS Mahlsdorf, das Schnellbau-Vorzeigeprojekt, läuft vieles nicht rund.

Lehrer begrüßen Anfang August nach der Eröffnung der Integrierten Sekundarschule Mahlsdorf ihre Schüler.

Lehrer begrüßen Anfang August nach der Eröffnung der Integrierten Sekundarschule Mahlsdorf ihre Schüler.

Foto: Wolfgang Kumm / picture alliance/dpa

Berlin.  Im August konnte die Integrierte Sekundarschule (ISS) Mahlsdorf nach nur elf Monaten Bauzeit eröffnet werden. Als Berlins erste Schnellbauschule aus Holz sollte sie zum Mahlsdorfer Vorzeigeprojekt werden, mit neuer Schülerschaft zunächst mit siebten und achten Klassen in die Schule „hineinwachsen“. Doch dann entschied der Bezirk, einige Klassen der Hellersdorfer Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule während der Sanierung ihrer eigenen Schule an der ISS unterzubringen. Und überhaupt verlief der Start der neuen Mahlsdorfer Oberschule alles andere als problemlos.

Zerstörte Sanitäreinrichtungen, beschädigte Toiletten, Graffiti in WCs und auf dem Fahrradständer: Bereits zum Schulstart haben die Mahlsdorfer Vandalismusschäden zu beklagen. Gegen zwei Schüler wurde deswegen bereits Anzeige erstattet, beseitigt wurden die Schäden bisher allerdings nicht.

Doch auch ohne Fremdeinwirkung hatte die im Schnellverfahren eröffnete Schule mit Mängeln zu kämpfen. „Ins Treppenhaus hat es hineingeregnet“, berichtet CDU-Abgeordneter Mario Czaja, der seinen Wahlkreis in Marzahn-Hellersdorf hat. Zudem gab es in der Lehrküche zunächst keinen Strom und der Pausenhof war zu Schulbeginn noch nicht fertigstellt.

Probleme mit dem Catering nun endlich gelöst

Auch die mittägliche Versorgung der Schüler gestaltete sich zunächst schwierig. „Es gab kein Mittagessen“, sagt Jacqueline Rybacki, Klassen-Elternvertretung und Mutter eines ISS Mahlsdorf-Schülers. „Die Kinder haben ihr Pausenbrot draußen im Schulhof gegessen, dabei sind sie von 8 bis 16 Uhr in der Schule.“ Eigentlich war eine Essensversorgung durch einen Caterer geplant.

„Er wollte Mittagessen in Buffetform anbieten“, erklärt Czaja. Aus hygienischen und sicherheitstechnischen Gründen blieb ihm das verwehrt. Mittlerweile konnte das Problem jedoch gelöst werden. „Neuer Caterer für die Mahlsdorfer Oberschule“, kündigte Bezirksstadtrat Gordon Lemm (SPD) auf Facebook an. Der neue Anbieter sorgt seit zwei Wochen für warme Mahlzeiten.

Immerhin: Die prognostizierten Probleme unter der neuen Schülerschaft blieben offenbar aus. Schüler aus Hellersdorfer Plattenbauten im selben Gebäude mit Schülern des Mahlsdorfer Einzugsgebiets – das könne nicht gut gehen, so der Tenor vor Schulstart in den sozialen Netzwerken. „Mein Sohn meint, es gebe keine Probleme mit den Mozart-Schülern“, erzählt Jacqueline Rybacki. Doch womöglich liege das daran, dass in der Schule sehr darauf geachtet werde, dass sich die unterschiedlichen Schüler nicht begegneten.

„Die Schüler sind räumlich voneinander getrennt und dürfen die Bereiche der anderen nicht betreten“, so Rybacki weiter. „Auch die Unterrichts- und Pausenzeiten sind aufeinander abgestimmt, sodass sich keiner in die Quere kommt.“ Wirklich gut findet sie das nicht. „Die Kinder müssen doch lernen, miteinander umzugehen.“

Designierte Schulleiterin befindet sich im Sabbatical

Stadtrat Gordon Lemm (SPD) hatte sich für die temporäre Zusammenlegung der unterschiedlichen Schüler stark gemacht. Im Februar hatte er der Berliner Morgenpost gesagt, es werde keine Zwei-Klassen-Gesellschaft in seinem Bezirk geben. Es sei jedoch eine der Bedingungen der Unterbringung beider Schulen gewesen, „dass der jeweilige Schulbetrieb weitestgehend autark und ungestört vonstatten gehen kann“, so Lemm. Reibungslos verläuft der Schulbetrieb indes nicht. Die Lehrer gäben sich zwar Mühe, meint Rybacki, doch dass eine neue Schule keine richtige Schulleitung hat, könne sie nicht verstehen.

Die designierte Schulleiterin befindet sich zurzeit im Sabbatical, also einer beruflichen Auszeit, und wird bis zu ihrem Amtsantritt im Februar vertreten. „Das ist besonders schlecht, weil die ISS gerade jetzt schauen müsste, welches inhaltliche Konzept sie verfolgen will“, meint Mario Czaja, „damit Eltern wissen, ob sie ihre Kinder hier anmelden sollen“. Zwar verfügt die Homepage mittlerweile über eine eigene Homepage. Dort heißt es allerdings: "Ein ausführliches Schulkonzept werden wir an dieser Stelle in naher Zukunft präsentieren."

Eltern sind gegen das JüL-Konzept

Überhaupt fühlen sich die Mahlsdorfer nicht wirklich ernst genommen. An der ISS Mahlsdorf wird etwa Jahrgangsübergreifendes Lernen (JüL) praktiziert. Die Eltern seien jedoch gegen das Konzept. „Wir werden zudem wochenlang über nichts informiert, was an der Schule passiert“, sagt Jacqueline Rybacki. Sie habe ernsthaft überlegt, ob sie die Schule wieder verlassen sollten. Doch ihr Sohn fühle sich dort trotz allem wohl.

Im Februar beginnt der Anmeldezeitraum für die weiterführenden Schulen. Mario Czaja hofft trotz Startschwierigkeiten auf hohe Anmeldezahlen. „Die Schule braucht jetzt starke Eltern, die bei der Profilbildung mithelfen“, meint er. Spätestens in zwei Jahren sind die ISS-Schüler übrigens wieder unter sich. Die Mozart-Schüler sollen zum Schuljahresbeginn 2021/22 in ihr saniertes Gebäude zurückkehren können. Stadtrat Gordon Lemm zeigt sich optimistisch. „Die Arbeiten haben im Sommer pünktlich begonnen“, sagt er. „Bauverzögerungen sind vonseiten des Bauamtes bislang nicht angezeigt worden.“