Bildung

Schulplätze fehlen: Schüler demonstrieren gegen Überbelegung

In Mahlsdorf fehlen massiv Schulplätze. Besonders die Kiekemal-Grundschule leidet darunter.

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die Mahlsdorfer Kiekemal-Grundschule ist schon seit Jahren überbelegt und büßt immer weitere Räume ein, um Klassenzimmer zu schaffen. Die Elternvertretung rief daher zur Protestdemo auf: Am Freitagmorgen machten Eltern und Schüler auf dem Hultschiner Damm ihrem Ärger Luft.

Eigentlich ist die Kiekemal-Grundschule zweizügig ausgelegt, doch momentan ist die Schule zu etwa 150 Prozent belegt. Besserung ist nicht in Sicht; die nächsten ersten Klassen werden fünfzügig starten müssen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Elternvertreterin Jana Löschke. „Wir können mittlerweile Eltern, die im Einzugsgebiet leben, keine Garantie mehr geben, dass ihre Kinder hier einen Platz bekommen. Auch Geschwisterkindern nicht.“

Horträume werden für Klassenzimmer aufgegeben

Zusätzliche Klassenzimmer werden geschaffen, indem Horträume aufgegeben werden. „Das ist besonders bitter für unsere Förderkinder“, meint Löschke. Seit 2009 ist die Kiekemal-Grundschule INKA-Schule, also eine „inklusive Schule auf dem Weg“, die neben dem regulären Schulbetrieb leistungsschwächere Schüler fördert. „Wenn sich bis zum nächsten Schuljahr nichts ändert, müssen wir auch die Hortwerkstatt und den Schlagzeugraum aufgeben“, ärgert sich Löschke.

Dass die Kiekemal-Grundschule überhaupt so viele Schüler aufnehmen kann, liegt an den Containern, die 2017 auf dem Schulgelände aufgestellt wurden. Genehmigt sind diese nur bis Mitte 2020. „Wir werden einen Antrag auf Verlängerung stellen“, kündigt Bezirksstadtrat Gordon Lemm am Telefon an.

Eigentlich wünscht sich der SPD-Politiker jedoch eine langfristige Lösung für die Grundschüler. Schon seit längerem ist ein neuer Schulstandort an der Elsenstraße im Gespräch. Langwierige Untersuchungen wegen einer möglichen Geruchsbelästigung durch die angrenzende Müllsortieranlage hatten den Plan jedoch verzögert, dort modulare Ergänzungsbauten (MEBs) zu errichten. „Ein Schulbetrieb an der Elsenstraße ist aber möglich, die Geruchsbelästigung ist gering genug“, sagt Lemm. „Senat und Bezirk werden sich in den nächsten Tagen deswegen noch mal treffen.“

Container sollen für Entlastung sorgen

Zusätzlich sollen Container auf dem Lehnitzplatz für Entlastung sorgen. Das Problem: „Normalerweise dauert der ganze Genehmigungs- und Bauprozess bei uns im Bezirk 15 Monate“, erklärt Lemm. Er sei nun auf der Suche nach Maßnahmen, um den Prozess zu verkürzen und idealerweise schon im August 2020 weitere Schulplätze anzubieten.

Die letzte und unbeliebteste Lösung für die Kiekemal-Grundschule: Shuttlebusse sollen die Schüler zu umliegenden Schulen bringen, die noch Aufnahmekapazität haben. Im Gespräch sind die Container auf dem Gelände der Grundschule am Fuchsberg und der MEB der Franz-Carl-Achard-Grundschule. Stefanie Kuske ist skeptisch. Die Mutter eines Achard-Schülers demonstriert gemeinsam mit den Kiekemal-Schülern. „Wir brauchen den MEB doch selbst, wenn unsere Schule demnächst saniert wird“, sagt sie.

Auch Bezirksstadtrat Gordon Lemm ist von dem Shuttle-Service nicht begeistert, „aber wir sind als Schulamt nun mal verpflichtet, Schulplätze anzubieten.“ Kurzfristig sei das die einzige Alternative. Die Kiekemal-Grundschule will unterdessen nicht tatenlos zuschauen. Für den 3. Dezember ist eine Gesamtelternvertretung einberufen, bei dem die Schule Senat und Bezirk um finale Aussagen bitten wird. Der Shuttle-Service ist für Elternvertreterin Jana Löschke keine Lösung. „In dem Fall protestieren wir weiter“, sagt sie.

Update:

Wie das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf am 13. November meldete, wurde zusammen mit dem Senat der Bau einer Grundschule an der Elsenstraße 8 beschlossen. Die Geruchsbelästigung überschreite nicht die gesetzlichen Richtwerte und sei deswegen kein Hinderungsgrund für den Bau der vierzügigen Schule, heißt es.

Das alte Schulgebäude sowie die Turnhalle sollen Ende 2020 oder Anfang 2021 abgerissen werden. Um den Standort schon vor Fertigstellung des Neubaus nutzen zu können, hatte der Bezirk den Bau von modularen Ergänzungsbauten (MEBs) beantragt. Diese können aufgrund von topografischen Besonderheiten jedoch nicht gebaut werden.

Der Bezirk prüft nun, ob Container am Standort realisiert werden können. Bezirksstadtrat Gordon Lemm ist erleichtert. „Durch den Bau werden wir eine spürbare Entlastung der vier im Umkreis liegenden Schulen erreichen und somit die Lernbedingungen an allen Standorten verbessern können.“ Der SPD-Politiker dankt den „Eltern und Anwohnern aus Mahlsdorf und Kaulsdorf, die unserem Anliegen gegenüber dem Land Nachdruck verliehen haben.“