Leserforum

Wohin steuert Marzahn-Hellersdorf?

Marzahn-Hellersdorf leidet unter Infrastrukturproblemen. So können Sie beim Leserforum am 19. November im Schloss Biesdorf teilnehmen.

Wer in dem Bezirk wohnt, weiß, dass „die seelenlose Plattenbausiedlung“, die hier zu dominieren scheint, ein irreführendes Klischee ist. Marzahn-Hellersdorf ist weit mehr.

Wer in dem Bezirk wohnt, weiß, dass „die seelenlose Plattenbausiedlung“, die hier zu dominieren scheint, ein irreführendes Klischee ist. Marzahn-Hellersdorf ist weit mehr.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Berlin. Marzahn-Hellersdorf steht vor großen Veränderungen. Im vergangenen Jahr wurden dort nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin Brandenburg 1173 Wohnungen fertiggestellt. Das reichte im Bezirksvergleich nur für einen Platz im Mittelfeld. Aktuell sind indes etliche Großprojekte in Planung, so dass die Zahl der bezugsfertigen Wohnungen in den nächsten Jahren in die Höhe schießen dürfte. Zusätzlich zu diesem Zuzug nimmt in vielen Quartieren der Generationswechsel Fahrt auf: Familien ziehen in Wohnungen, die in den vergangenen Jahren von alteingesessenen Senioren bewohnt wurden.

Diese Veränderungen bringen Probleme, politische Herausforderungen und manchmal auch Ärgernisse mit sich, die gesellschaftliche Diskussionen auslösen – etwa bei den Themen Verkehr, Infrastruktur und Stadtentwicklung. Darüber möchten wir mit unseren Lesern und Experten sprechen.

Unser nächstes Leserforum in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ am 19. November trägt den Titel „Marzahn-Hellersdorf – Probleme und Perspektiven eines Bezirks“. Auf dem Podium diskutieren: Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf (Linke); Mario Czaja, Mitglied des Abgeordnetenhauses (CDU); Katja Oskamp, Schriftstellerin und Fußpflegerin („Marzahn, mon amour“) und Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost. Moderator des Abends ist Hajo Schumacher, Autor und Kolumnist unserer Redaktion.

Autofahrer und Nutzer von U- und S-Bahn ärgern sich oft

Das Leserforum, das wir in Kooperation mit dem Schloss Biesdorf veranstalten, beginnt am Dienstag, 19. November, um 19.30 Uhr im Schmieden-Saal des Schlosses, Alt-Biesdorf 55. Es dauert etwa zwei Stunden. Nach der rund 60 Minuten langen Podiumsdiskussion können die Gäste im Publikum Fragen stellen und sich in die Debatte einschalten. Die Teilnahme ist für alle Interessenten kostenlos, die Gäste müssen sich aber zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, erläutern wir am Ende des Textes.

Vier Themenbereiche sollen bei diesem Forum beleuchtet werden. Der erste sind die Verkehrsprobleme, über die sich Menschen im Bezirk ärgern, Autofahrer ebenso wie Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Der zweite betrifft die Stadtentwicklung. In kaum einem anderen Bezirk werden so viele neue Wohnungen gebaut wie in Marzahn-Hellersdorf. Die einen begrüßen den Zuzug, die anderen betrachten ihn eher skeptisch und verweisen auf die Folgen für die Infrastruktur.

Großsiedlungen liegen neben dörflichen Bereichen

Zudem möchten wir uns mit der Situation der alten Menschen im Bezirk beschäftigen. Kein anderer Berliner Bezirk altert so schnell wie Marzahn-Hellersdorf. Das hat Folgen, nicht nur für die ambulante ärztliche Versorgung oder den Pflegebereich.

Und schließlich möchten wir darüber sprechen, ob die Großsiedlungen auf der einen und die „Dörfer“ auf der anderen Seite ein gemeinsames Ganzes bilden oder ob sich die Menschen dieser beiden Seiten im Alltag fremd bleiben.

Mit insgesamt mehr als 6000 Wohnungen, die voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Jahre entstehen, ist Marzahn-Hellersdorf einer der aktivsten Bezirke im Wohnungsbau. So hat etwa die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land seit 2015 dort nur 644 Wohnungen fertiggestellt. Momentan befinden sich allerdings fast 1300 Wohnungen im Bau und knapp 1100 weitere in Planung. Noch in diesem Jahr will das Wohnungsunternehmen das Forster-Karree an der Louis-Lewin-Straße mit mehr als 280 Wohnungen fertigstellen.

Ende nächsten Jahres will Stadt und Land Teile eines Großprojekts abschließen: Das Areal des historischen Gutes Alt-Biesdorf bietet Platz für 515 Mietwohnungen. Auch die Gesobau hat historische Quartiere für sich entdeckt. Auf dem Gelände des Stadtguts Hellersdorf baut sie derzeit 1250 Wohnungen.

Landeseigene Gesellschaften bauen mehr Wohnungen

Insgesamt plant die Gesobau, bis 2022 mehr als 2700 Wohnungen im Bezirk fertigzustellen. Darunter befinden sich auch kleine Wohnungen für Studierende, ebenso Wohnkonzepte für Senioren. Erst vor wenigen Wochen begann das Unternehmen mit der Vermietung von 423 Wohnungen an der Tangermünder Straße. Davon sind 330 Wohneinheiten gefördert, ein Teil wird nur für Senioren angeboten. Auch die Degewo erhöht die Zahl ihrer Neubauprojekte. In den vergangenen zwei Jahren stellte sie 425 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf fertig, derzeit sind fast 1300 Wohnungen im Bau oder werden konkret geplant. Ein Großteil davon, 439 Wohnungen, entfällt auf das Familienquartier an der Karl-Holtz- und Rudolf-Leonhard-Straße.

Die einen begrüßen den Zuzug, die anderen betrachten ihn eher skeptisch, denn ob die Infrastruktur den neuen Bewohnern gewachsen ist, muss sich erst noch zeigen. Auf jeden Fall sind es spannende Themen. Kommen Sie zu unserem Forum und reden Sie mit.

So können Sie am Leserforum teilnehmen

Das Leserforum „Morgenpost vor Ort“ zum Thema „Marzahn-Hellersdorf – Perspektiven und Probleme eines Bezirks“ beginnt am Dienstag, 19. November, um 19.30 Uhr im Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55. Es dauert maximal zwei Stunden. Die Teilnahme ist für alle unsere Leser kostenlos.

Voraussetzung ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“. Das geht per E-Mail an die Adresse aktionen@morgenpost.de, per Fax an die Nummer (030) 8872 77967 oder per Postkarte/Brief an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin.

Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abo-nummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe zuerst berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens bis Sonntag, 17. November, 20 Uhr, in der Redaktion vorliegen. Wir bitten um Verständnis: Der Zugang ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung der Redaktion möglich.

Schloss Biesdorf ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, der S-Bahnhof Biesdorf (S5) und der U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz (U5) liegen in der Nähe. Parkmöglichkeiten gibt es auf dem Parkplatz des Schlosses und in Alt-Biesdorf.

Gäste des Leserforums haben vor der Veranstaltung ab 17 Uhr die Gelegenheit, sich die aktuelle Ausstellung im Schloss Biesdorf, „Von Menschen und Mauern – 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer“, anzusehen. Der Eintritt ist frei.

Diese Experten sitzen auf dem Podium

Dagmar Pohle (66, Linke) ist seit 2016 Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersorf. Dieses Amt bekleidete sie bereits von 2006 bis 2011, in der Zwischenzeit war sie Vize-Bürgermeisterin und Stadträtin für Gesundheit und Soziales. Im Bezirksamt ist sie auch zuständig für Stadtentwicklung, Gesundheit, Personal und Finanzen.

Mario Czaja (44), CDU-Abgeordneter, ist in Mahlsdorf aufgewachsen. Seit 1999 gehört der Betriebswirt dem Landesparlament an, viermal errang er in seinem Wahlkreis das Direktmandat. Von 2011 bis 2016 war er Senator für Gesundheit und Soziales. Seit November 2018 ist Czaja auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Berlin.

Katja Oskamp (49), aufgewachsen in Berlin, ist Schriftstellerin. Sie veröffentlichte Erzählungen und zwei Romane, ist zudem Autorin für Zeitungen. Vor einigen Jahren machte sie zusätzlich eine Ausbildung zur Fußpflegerin, arbeitet in einem Salon in Marzahn. Kürzlich legte sie die Geschichtensammlung „Marzahn, mon amour“ vor.

Christine Richter (55) ist Chefredakteurin der Berliner Morgenpost. Sie lebt seit 1985 in Berlin und kam vor mehr als zehn Jahren in die Morgenpost-Redaktion. 2012 wurde sie Mitglied der Chefredaktion, 2016 stellvertretende Chefredakteurin. Zuvor war sie unter anderem Leiterin der Lokal- und der Politikredaktion.

Hajo Schumacher (55), Morgenpost-Autor und -Kolumnist, moderiert die Diskussionsrunde. Der aus Münster stammende Journalist und Politikwissenschaftler arbeitet ebenso für Magazine, Hörfunk, Online-Medien und TV. Schumacher ist zudem Verfasser mehrerer Bücher („Männerspagat“, „Restlaufzeit“). Einige Bücher hat er auch unter seinem Pseudonym Achim Achilles veröffentlicht. Als „Deutschlands bekanntester Hobbyläufer“ schrieb er über die Marotten der Freizeitsportler. Achim Achilles trat im März 2019 in den Ruhestand.