Entschärfung

Bombe in Hellersdorf ist entschärft

Die 250 kg schwere Weltkriegsbombe, die am Donnerstag in Hellersdorf gefunden wurde, wurde am Montag erfolgreich entschärft.

Feuerwerker Matthias Kotulla mit der entschärften Bombe.

Feuerwerker Matthias Kotulla mit der entschärften Bombe.

Foto: Julia Hubernagel

Berlin. Irgendwann am frühen Montagnachmittag waren die Hellersdorfer Anwohner genervt. Eigentlich sollten sie um 14 Uhr längst wieder in ihren Wohnungen sein. Doch die Bombenentschärfung auf dem Gebiet des Stadtguts Hellersdorf hat mehr Zeit beansprucht als geplant.

Wenige Minuten vor 15 Uhr gab die Polizei dann Entwarnung. Um 14.53 Uhr sei der herausgeschnittene Zünder kontrolliert gesprengt worden, teilte die Polizei mit. Ein Roboter hatte den Zünder mit einem Wasser-Sand-Gemisch aus der Bombe herausgelöst. Anschließend wurde die Bombe zum Sprengplatz Grunewald transportiert. Die 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde am vergangenen Donnerstag bei Bauarbeiten entdeckt.

  • Das Wichtigste zur Bombenentschärfung in Hellersdorf in Kürze:
  • Die in Hellersdorf bei Bauarbeiten an der Straße Alt-Hellersdorf gefundene Weltkriegsbombe wurde am heutigen Montag entschärft. Die Polizei hatte am Vormittag einen Sperrkreis eingerichtet. Etwa 13.000 Anwohner mussten ihre Wohnungen im Sperrkreis verlassen.
  • Die Bombe lag auf einem Freigelände südlich des Havelländer Rings. Bei dem Fund handelt es sich um eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe. Sie war am Donnerstag entdeckt worden.
  • Zur Entschärfung setzt der Kampfmittelräumdienst eine Maschine ein, die mit einem rotierenden Schneidkopf den Zünder der Weltkriegsbombe abschneidet.
  • Die Entschärfungsmaßnahmen mussten kurz unterbrochen werden, weil Personen, die unseren Einsatzkräften zuvor nicht die Tür geöffnet hatten, plötzlich ihre Wohnungen verlassen wollten. Sie wurden aus dem Sicherheitsbereich begleitet, dann wurde die Entschärfung fortgesetzt.

Bombenentschärfung in Hellersdorf: Anwohner verzögerten den Ablauf

Zwischendurch verzögerten Bewohner, die unerlaubterweise in ihren Häusern geblieben waren, den Ablauf, als sie plötzlich doch ihre Wohnungen verließen. Immer wieder schlüpften Menschen unter der Absperrung durch und wurden von der Polizei zurückgeschickt. „Wir können ja unsere Balkone von hier sehen, aber dürfen halt nicht hin“, ärgerte sich ein Anwohner. Nachdem die Bombe entschärft war, konnten die Hellersdorfer in ihre Wohnungen zurückkehren.

Kurz nachdem der Sperrkreis eingerichtet war, begann die Evakuierung der Häuser. Für Personen, die nicht wussten, wo sie unterkommen konnten, hatte das Bezirksamt Turnhallen und Kantinen geöffnet.

In der Turnhalle der Jean-Piaget-Schule war die Stimmung entspannt. Um 10 Uhr nahmen nur sieben Menschen die Unterkunft in Anspruch, die meisten beschäftigten sich mit ihren Handys oder unterhielten sich leise. Angelika Bitte hatte sich auf eine lange Wartezeit eingestellt. Buch und Zeitung hatte die Anwohnerin mitgebracht. Für heiße Getränke und Verpflegung sorgte das Deutsche Rote Kreuz. Auch eine Spielecke war für kleine Bewohner eingerichtet.

Ältere Personen wurden in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser gebracht

In der Kantine des Bezirksamt an der Riesaer Straße 94 warteten Familien und Kinder die Bombenentschärfung ab. Auch hier wurde das Angebot gegen 12 Uhr noch wenig in Anspruch genommen. Bridget Williams war mit ihren beiden Kindern gekommen, da Schulen und Kitas im Sperrgebiet am Montag geschlossen waren. Dass sie den Tag hier verbringen musste, fand sie nicht so schlimm. Sie müsse nicht arbeiten und hätte daher kein Problem damit, mit ihren Kindern außer Haus zu sein.

Gegen 12 Uhr hatten noch immer nicht alle Bewohner das Sperrgebiet verlassen. „Wir sind noch damit beschäftigt, die Bewohner zu versorgen“, sagte Frank Petersen, Pressesprecher des Bezirksamts. Ältere Leute, die nicht eigenständig ihre Wohnungen verlassen können, mussten in umliegende Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser gebracht werden. „Wir haben bereits Listen mit älteren Leuten ohne Familie angelegt, die wir heute Vormittag transportieren müssen“, so Petersen. „Allerdings bekommen wir gerade immer mehr Namen genannt, da frage ich mich, warum wir im Vorfeld nicht alle hilfsbedürftigen Bewohner erreicht haben.“

Menschen jenseits der 80, die krank seien oder nicht mehrere Stunden ununterbrochen sitzen könnten, brachte das Bezirksamt zusammen mit dem Ordnungsamt in geeignete Unterkünfte. „Menschen, die aufgrund eines Sauerstoffgeräts Strom brauchen, können wir ja nicht einfach in die Turnhallen setzen“, meinte Petersen.

Bombenentschärfung: Einige Anwohner kritisieren mangelnde Informationen

Auch auf der Kastanienallee waren nicht alle Bewohner optimal informiert worden. „Wir haben von der Bombenentschärfung überhaupt nur aus der Morgenpost erfahren“, sagte Nathalie Neuner. „An unserem Haus hing kein Zettel.“ Die Hellersdorferin und ihr Lebensgefährte warteten die Entschärfung zusammen mit ihren beiden Katzen im Oberstufenzentrum der Rahel-Hirsch-Schule ab. „Ich bin momentan gehbehindert“, sagte Neuner. „Ohne meinen Lebensgefährten hätte ich die Katzen nicht einfangen können.“ Atila Figura neben ihr nickte. „Ich musste mir ganz spontan freinehmen“, sagte er. Zu Hause lassen wollte das Paar seine Haustiere nicht.

DRK-Mitarbeiter und Anwohner hatten Gesellschaftsspiele vor sich aufgebaut. Doch die Wartezeit zog sich hin. „Ich gehe kurz nach Hause und hole ein neues Spiel“, sagte eine Seniorin lachend. Monika Wähler-Köppen hatte indes in ihrer Wohnung gewartet. Gegen 12.30 Uhr sei sie abgeholt worden. „Ich kann nicht laufen, ich wurde letztens erst operiert“, sagte sie. Auch die Rentnerin habe keinen Zettel an der Tür oder im Briefkasten vorgefunden. Ihr Sohn habe sie vorgewarnt, dass sie am Montag ihre Wohnung verlassen müsse. „Ich habe schon am Freitag meine Tasche gepackt, mit Medikamenten, Wasser und was zum Lesen“, erzählt Wähler-Köppen, „aber dann hat mir niemand gesagt, was passiert.“ Die Ungewissheit könne sie nur schlecht ertragen. „Man muss doch wissen, was vorgeht“, meinte sie.

Als auf der Zossener Straße ein Knall zu hören war, war die Gefahr gebannt. Der Zünder wurde gesprengt, eine knappe halbe Stunde später konnten die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. „Es ist alles nach Plan gelaufen“, sagte Matthias Kotulla, der die Sprengung vorgenommen hatte. Knapp zwei Stunden lang hat die tatsächliche Entschärfung gedauert. Unerwartet in die Länge gezogen hatte sich der Prozess wegen der vielen Kranken- und Liegendtransporte, die das Bezirksamt und die Polizei nicht in der hohen Zahl vorhergesehen hatten.

Bombenentschärfung in Hellersdorf: Das war der Sperrkreis

Der von der Polizei festgelegte Sperrkreis erstreckte sich über das gesamte umschlossene Gebiet samt folgender umgebender Straßen:

  • im Norden: Zossener Straße zwischen Alte Hellersdorfer Straße und Stendaler Straße
  • im Osten: Stendaler Straße zwischen Zossener Straße und Janusz-Korczak-Straße
  • im Süden: Cottbusser Straße zwischen Janusz-Korczak-Straße und Alte Hellersdorfer Straße
  • im Westen: Alte Hellersdorfer Straße zwischen Cottbusser Straße und Zossener Straße

Eine interaktive Karte des Sperrkreises in Hellersdorf finden Sie auch bei der Berliner Feuerwehr.

Bombenentschärfung in Hellersdorf - die Entwicklungen im Live-Blog:

14.59 Uhr: Die Bombe wurde erfolgreich entschärft.

13.41 Uhr: Monika Wähler-Köppen hat in ihrer Wohnung gewartet. Gegen 12.30 Uhr sei sie endlich abgeholt worden. „Ich kann nicht laufen, ich wurde doch letztens erst operiert“, sagt sie. Auch die Rentnerin habe keinen Zettel an der Tür oder im Briefkasten vorgefunden. Ihr Sohn habe sie vorgewarnt, dass sie am Montag ihre Wohnung verlassen müsse. „Ich habe schon am Freitag meine Tasche gepackt, mit Medikamenten, Wasser und was zum Lesen“, erzählt Wähler-Köppen, „aber dann hat mir niemand gesagt, was passiert.“ Die Bewohnerin des Havelländer Rings hat den ganzen Morgen aufgeregt in ihrer Wohnung gewartet. Ein Polizist vor ihrer Haustür habe ihr schließlich eine Nummer genannt, unter der sie einen Krankentransport anmelden könnte. „Und dann habe ich hin und her telefoniert, bis man mir gesagt hat, dass mich jemand abholt.“ Die Ungewissheit könne sie nur schlecht ertragen. „Man muss doch wissen, was vorgeht“, meint sie. „Mein kleines Leben ist sonst sehr ordentlich.“

13.22 Uhr: Die Evakuierungsmaßnahmen sind abgeschlossen, die Experten beginnen nun mit der Entschärfung. Das teilte die Feuerwehr bei Twitter mit.

13.10 Uhr: 99,5 Prozent des Sperrkreises sind nun evakuiert, teilt die Polizei bei Twitter mit. Überprüfte Häuser werden von Polizisten markiert.

13 Uhr: An der Kastanienallee fühlen sich nicht alle Bewohner optimal informiert. „Wir haben von der Bombenentschärfung überhaupt nur aus der Morgenpost erfahren“, sagt Nathalie Neuner. „An unserem Haus hing kein Zettel.“ Die Hellersdorferin und ihr Lebensgefährte warten die Entschärfung zusammen mit ihren beiden Katzen im Oberstufenzentrum der Rahel-Hirsch-Schule ab. „Ich bin momentan gehbehindert“ , sagt Neuner. „Ohne meinen Lebensgefährten hätte ich die Katzen überhaupt nicht einfangen können.“ Atila Figura neben ihr nickt. „Ich musste mir deswegen ganz spontan freinehmen“, sagt er. Zu Hause lassen wollte das Paar ihre Haustiere nicht. Die beiden Katzen hätte schon der Lautsprecherwagen stark aufgeregt. „Und wenn doch was passiert ...“, meint Neuner. Am Nebentisch wird Scrabble gespielt. DRK-Mitarbeiter und Anwohner haben Gesellschaftsspiele vor sich aufgebaut. Doch die Wartezeit zieht sich. „Ich geh kurz nach Hause und hol ein neues Spiel“, sagt eine Seniorin und lacht.

12.30 Uhr: Das Bezirksamt ist momentan mit etwa 20 Mitarbeitern im Einsatz. Das Sperrgebiet haben gegen 12 Uhr immer noch nicht alle Bewohner verlassen. „Wir sind noch damit beschäftigt, die Bewohner zu versorgen“, sagt Frank Petersen, Pressesprecher des Bezirks-Informationsamts. Ältere Leute, die nicht eigenständig ihre Wohnungen verlassen könnten, müssen in umliegende Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser gebracht werden. „Wir haben bereits Listen mit älteren Leuten ohne Familie angelegt, die wir heute Vormittag transportieren müssen“, so Petersen.

„Allerdings bekommen wir immer mehr Namen genannt, da frage ich mich, warum wir im Vorfeld nicht alle hilfsbedürftigen Bewohner erreicht haben.“ Menschen jenseits der 80, die entweder krank seien oder nicht mehrere Stunden ununterbrochen sitzen können, bringt das Bezirksamt zusammen mit dem Ordnungsamt in geeignete Unterkünfte. „Menschen, die aufgrund eines Sauerstoffgeräts Strom brauchen, können wir ja nicht einfach in die Turnhallen setzen“, so Petersen.

12 Uhr: Die Entschärfung der Bombe war ursprünglich gegen 12 Uhr geplant. Wie die Polizei am Mittag mitteilte, werde sich die Evakuierung allerdings noch bis etwa 13 Uhr hinziehen. Seit ihrem Beginn fährt die Straßenbahn im betroffenen Bereich durch. Für den Zeitraum der Entschärfung ist der Verkehr der Tram M6 eingeschränkt. Sie hält nicht zwischen Alte Hellersdorfer/Zossener Straße und Hellersdorf. Auch auf den Buslinien X54 und 197 müssen BVG-Nutzer mit Einschränkungen rechnen.

11.45 Uhr: In der Kantine des Bezirksamts an der Riesaer Straße 94 warten Familien und Kinder die Bombenentschärfung ab. Auch hier wird das Angebot noch wenig in Anspruch genommen. Die Hellersdorferin Bridget Williams ist mit ihren beiden Kindern gekommen, da Schulen wie Kitas im Sperrgebiet heute geschlossen bleiben. Ihre Wohnung an der Stendaler Straße musste die Familie aufgrund der Bombenentschärfung verlassen. Dass sie den Tag hier verbringen muss, findet Williams nicht zu schlimm. Sie müsse nicht arbeiten und habe daher kein Problem damit, mit ihren Kindern außer Haus zu sein.

11 Uhr: Zahlreiche Anwohner haben den Sperrkreis bereits verlassen. Die Evakuierung läuft aber noch. "Wir können noch nicht von 50 Prozent sprechen", sagte ein Polizei-Pressesprecher der Berliner Morgenpost. Ein Lautsprecherwagen fährt durch die Siedlung und weist per Duchsage auf die Sperrung hin. Rund 13.000 Menschen müssen den Bereich verlassen. Sobald die Evakuierungsmaßnahmen abgeschlossen sind, gehen Polizisten und Feuerwehrleute von Haus zu Haus und überprüfen die Gebäude, ob diese tatsächlich verlassen sind.

10.30 Uhr: Das Angebot der DRK-Helfer in der Turnhalle der Piaget-Schule nutzen am Vormittag lediglich sieben Personen. Einige hatten sich Bücher und Zeitungen mitgebracht, andere saßen mit ihrem Smartphone in der Halle. Mitarbeiter des Bezirksamts kümmern sich um die Betroffenen und erkundigen sich nach ihrem Befinden. Viele Bewohner waren zum Zeitpunkt der Entschärfung ohnehin bei der Arbeit, andere hatten sich zu Freunden oder Verwandten begeben.

10.15 Uhr: "Die Absperrung rund um den Evakuierungsbereich steht, unsere Kollegen der Einsatzhundertschaften begehen derzeit jedes einzelne Gebäude und fordern alle Menschen zu ihrer eigenen Sicherheit auf, den Bereich zu verlassen", teilt die Polizei bei Twitter mit.

9.30 Uhr: "Der ganze Vorgang wirkt sehr gut organisiert", sagte Anwohnerin Angelika Bitte der Berliner Morgenpost. Sie sei frühzeitig per Aushang an ihrem Haus informiert worden. Sie habe am Montag selber den Sperrkreis verlassen. Sie begab sich in die Turnhalle der Jean-Piaget-Schule in der Nähe. Dort bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Betroffenen Tee und Kaffee und Verpflegung an.

Transport der Bombe war zu gefährlich

Nach Angaben der Polizei hatten Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes (LKA) die Bombe an der Fundstelle vergangene Woche untersucht. Nach mehrstündiger Untersuchung stellten die Experten des LKA fest, dass ein Transport der Bombe zu gefährlich sei. Der explosive Fund muss auf der Baustelle entschärft werden.

Vorgehen mit Bezirksbürgermeisterin besprochen

Gemeinsam mit der Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle (Die Linke) hatte die Polizei die weitere Vorgehensweise besprochen. Dabei ging es um die Uhrzeit, die Größe des Sperrkreises und die damit verbundenen Evakuierungsmaßnahmen.

Entschärfung in Hellersdorf: Das war der vorläufige Zeitplan

  • 8 Uhr: Drei Turnhallen öffnen für Anwohner, die in der Zeit der Sperrung keine andere Unterkunft haben
  • 9.30 Uhr: Die Polizei errichtet einen Sperrkreis rund um den Fundort
  • Nach 13 Uhr: Entschärfung der Weltkriegsbombe
  • Nach 14 Uhr: Aufhebung des Sperrkreises

Bombenentschärfung in Hellersdorf - Alle Informationen des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf