Neues Museum

Eine Ausstellung zeigt alte Schätze von Marzahn

Spuren unserer Vorfahren: Eine Schau im Neuen Museum präsentiert Funde aus der Vor- und Frühgeschichte in Biesdorf.

Anne Sklebitz, hier mit einer Hirschmaske, ist die Kuratorin der Ausstellung.

Anne Sklebitz, hier mit einer Hirschmaske, ist die Kuratorin der Ausstellung.

Foto: Sergej Glanze

Das Unglück der Bauherrn ist oft das Glück der Archäologen, das gilt überall in Berlin. Den Bau der durch Mitte führenden U-Bahnlinie 5 bremsten im Jahr 2010 archäologische Rettungsgrabungen, bei denen bedeutende Skulpturen der klassischen Moderne aus dem Trümmerschutt geborgen werden konnten. Nicht weit davon, am Molkenmarkt vor dem Alten Stadthaus, werden gerade in einer riesigen Grube 800 Jahre Stadtgeschichte freigelegt. Viel weiter zurück, nämlich bis in die Vor- und Frühgeschichte, führen allerdings Funde, die man vor einigen Jahren am Stadtrand gemacht hat. Genauer: In dem zu Marzahn-Hellersdorf gehörenden Biesdorf, nicht weit von den Britzer Gärten und dem Tierpark Friedrichsfelde entfernt.

Wer heute die Schmetterlingswiesen in Biesdorf-Süd besucht, wird in ihnen zuerst ein hübsches Naherholungsgebiet erkennen: Vor den kleinen Neubauten gibt es doppelreihige Ahornalleen sowie Rad- und Gehwege, auf denen Jogger und Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs sind, nebenan fließt gemächlich die Wuhle. Lediglich ein paar Hinweistafeln und ein kleines Modell aus rostigem Metall erinnern daran, dass hier einmal spekta­kuläre Funde gemacht wurden, und das in einem nicht minder spektakulären Projekt.

Denn für eine Dauer von 15 Jahren, zwischen 1999 und 2014, wurde hier eine Fläche von 22 Hektar aus- und umgebuddelt – die größte Grabung Berlins. Sichtbar wurden für das Team des Berliner Landesarchäologen Matthias Wemhoff Spuren steinzeitlicher Jäger, bronzezeit­licher Häuser, Brunnen aus der Eisenzeit und sogar römische Artefakte. Die Ergebnisse werden nun, kuratiert von der Wissenschaftlichen Museumsassistentin ­Anne Sklebitz, in einer Ausstellung im Neuen Museum präsentiert.

Einblicke in eine versunkene Epoche

Dauerhaft zu sehen sein wird etwa eine steinzeitliche Hirschgeweihmaske. Exemplare dieses wahrscheinlich zu schamanischen Zwecken genutzten, aus Gewichtsgründen zurechtgeschnitzten Kopfschmucks wurden bislang in überwiegender Zahl in England ausfindig gemacht, ein prächtiges Exemplar findet sich im Londoner British Museum. Die Biesdorfer Hirschmaske wird nun dauerhaft ins Neue Museum einziehen, wo weitere Forschungen an ihr vorgenommen werden sollen. Spannend auch die Zeugnisse von Kontakten zwischen den Biesdorfer Germanen und Angehörigen der römischen Zivilisation, darunter die gelochte Goldmünze von Caracalla, die aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert stammt und nach dem gleichnamigen römischen Kaiser und Erbauer der noch heute berühmten Caracalla-Thermen benannt ist. Tausende Jahre menschlicher Geschichte konnten die Archäologen in Biesdorf freilegen und so den Blick in eine Zeit ermöglichen, die sich selbst noch nicht lückenlos in Bild und Schrift überliefern konnte – und vielleicht auch gar nicht wollte.