Finanzen

Wie Marzahn-Hellersdorf seine Schulden eintreibt

Mehr als neun Millionen Euro Forderungen hat der Bezirk gegenüber Bürgern und Firmen. Mit neuer Strategie holt er sich das Geld zurück

Werden verstärkt zur Kasse gebeten: die Bewohner von Marzahn-Hellersdorf.

Werden verstärkt zur Kasse gebeten: die Bewohner von Marzahn-Hellersdorf.

Foto: Schoening / imago/Schöning

Marzahn-Hellersdorf.  Nicht zurückgegebene Bibliotheksbücher, Unterhaltsvorschüsse, Grundstückspachten: Mehr als neun Millionen Euro schulden Bewohner und Firmen in Marzahn-Hellersdorf dem Bezirk. Das ist viel, gerade wenn man bedenkt, dass Marzahn-Hellersdorf selbst Schulden hat. Als einziger Bezirk übrigens – rund vier Millionen Euro. Im Osten zögerten sie deshalb nicht lange, als die Senatsfinanzverwaltung 2015 nach einem Teilnehmer für ein Pilotprojekt suchte.

Die Idee: Die Schulden sollen über eine zentrale Stelle eingetrieben werden: Drei Jahre wurde ein entsprechendes Forderungsmanagement aufgebaut, der Senat unterstützte mit Know-how und neuester Technik. Seit vergangenem Jahr arbeitet die Einrichtung autark – und mit Erfolg. Zuvor hatten die jeweiligen Ämter die Schulden selbst eingetrieben, scheiterten aber an umfangreichen Sparmaßnahmen. „Irgendwann war die Personalnot so groß, dass sie damit nicht mehr hinterherkamen“, sagt Kay Döring. Er leitet das Rechtsamt im Bezirk, wo das neue „Inkassobüro“ angesiedelt ist.

800.000 Euro konnten vergangenes Jahr eingetrieben werden

Dort können die Ämter nun ihre Forderungen abgeben, vier Mitarbeiter kümmern sich um die Bearbeitung. Wurden 2017 bereits 500.000 Euro eingetrieben, waren es 2018 sogar knapp 800.000 Euro. Die Mitarbeiter erkennen früher, wenn Zahlungen fällig werden, und ermitteln falls nötig neue Adressen. Vor allem aber sind sie vom Fach, in den Ämtern musste diese Arbeit nebenbei von Mitarbeitern erledigt werden, die vorrangig andere Aufgaben hatten.

Die Strategie ist, die Gläubiger persönlich anzusprechen. „Wir drohen nicht gleich mit dem Gerichtsvollzieher, sondern rufen die Leute an, fragen, warum die Zahlung ausgeblieben ist, versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden“, sagt Döring. Das jetzige Modell sei auch sinnvoller als ein externes Inkassobüro einzuschalten. „Das haben wir zwischenzeitlich versucht und es gab auch erste Erfolge“, sagt Döring. Langfristig war dies aber keine Option, da der Bezirk die Daten der Schuldner nicht einfach an Dritte weitergebend darf.

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