"Die Assis kommen"

Heftiger Streit wegen Zusammenlegung von Schulen

Schüler aus Hellersdorf und Mahlsdorf im selben Gebäude? So lautet aktuell der Plan, doch die Reaktionen fallen heftig aus.

Die Mozart-Gemeinschaftsschule in Hellersdorf wird für 3,8 Millionen Euro saniert.

Die Mozart-Gemeinschaftsschule in Hellersdorf wird für 3,8 Millionen Euro saniert.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Seit mehr als zwei Jahren wartet die Mozart-Gemeinschaftsschule in Hellersdorf auf ihre Sanierung. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, weil nicht klar war, wo die Schülerschaft während der zwei Jahre dauernden Arbeiten untergebracht werden soll. Eine Sanierung bei laufendem Betrieb war keine Option. Verschiedene Varianten wie das Anmieten ehemaliger Schulräume oder der Umzug in Container konnten nicht realisiert werden.

Wie Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) nun mitteilte, scheint eine Lösung gefunden. Der Plan: Die rund 350 Schüler der Klassen 7 bis 10 ziehen in die neue Integrierte Sekundarschule Mahlsdorf (ISS). Diese bietet Platz für mindestens 450 Schüler, startet mit Eröffnung zum Schuljahr 2019/20 aber nur mit fünf 7. und drei 8. Klassen. Platztechnisch sollte dies zunächst kein Problem darstellen.

"Die Assis kommen", heißt es auf Facebook

Dennoch ist die Kritik groß. In den sozialen Medien äußerten sich etliche Nutzer abfällig darüber, dass Schüler aus dem Hellersdorfer Plattenbaugebiet mit denen aus dem gutbürgerlichen Mahlsdorf ein Schulgebäude teilen sollen. „Keine gute Entscheidung“, war noch einer der harmloseren Beiträge, der unter einem Beitrag der Facebook-Seite „Mahlsdorf live“ zu lesen war. Ein anderer Nutzer merkte an, dass jetzt „die Assis kommen“.

Offenbar hallt der schlechte Ruf der Mozart-Schule nach. Eltern hatten vor drei Jahren einen Brandbrief an das Schulamt geschickt, worin sie die desaströsen Zustände in den Klassenräumen anprangerten. Von schweren Beleidigungen, Diebstählen und körperlichen Übergriffen war da die Rede. „Die Kinder haben Angst davor, in die Schule zu gehen“, hieß es. Eine Mutter berichtete, ihre Tochter sei von Schülern höherer Jahrgänge „bedroht, gehauen und geschubst“ worden, sie erkenne ihr Kind nicht wieder.

Laut der Stadtteilzeitung „Die Hellersdorfer“ soll sich die Lage inzwischen beruhigt haben, nachdem die Schulleitung wechselte, Gewaltpräventionsprojekte auf den Weg gebracht und ein Zaun errichtet wurde, um ehemalige gewaltbereite Schüler vom Pausenhof fernzuhalten. Stadtrat Lemm betont, dass es in seinem Bezirk keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben werde. „Die Oberschulen des Landes Berlin sind für alle da, die Schüler sollen sich gegenseitig kennenlernen“, so Lemm gegenüber der Berliner Morgenpost. Im Rahmen von Workshops solle vor der Zusammenlegung geklärt werden, wie man ein mögliches gutes Miteinander beider Schülerschaften erreichen können.

Unterstützung erhält der SPD-Politiker von den Linken im Bezirk. „Es ist gelungen eine Unterbringung zu finden, die sowohl von seiner Umgebung als auch von seiner Wirtschaftlichkeit her für den Bezirk sehr gut tragbar ist“, sagt Fraktionschef Bjoern Tielebein und erinnert an einen ähnlichen Fall. 2016 musste die Franz-Carl-Achard-Schule in Kaulsdorf für ein Jahr schließen, die Schüler kamen in der Marcana-Schule in Marzahn-Nord unter. Eltern, Lehrer und Schüler hätten dies solidarisch miteinander gemeistert, so Tielebein: „Das ist auch in Mahlsdorf möglich.“

CDU übt harsche Kritik

Die CDU wirft Lemm hingegen vor, die Entwicklung der Mahlsdorfer Oberschule zu beeinträchtigen. „Uns ist wichtig wichtig, dass die schwer und hart erkämpfte Oberschule die Chance bekommt, ein eigenes Profil zu entwickeln“, sagt der Mahlsdorfer Abgeordnete Mario Czaja (CDU). Dies könne nicht gelingen, wenn sie zu einem „Durchlaufstandort“ mit jährlich wechselnden ausgelagerten Schulen werde.

Auch sei unverantwortlich, dass Lemm die Auslagerung lediglich via Facebook kommuniziert habe – ohne Abstimmung mit den Fachpolitikern der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Und das ausgerechnet vor Start der Anmeldephase für die ISS Mahlsdorf (14. bis 20. Februar). Ferner sei nicht absehbar, ob die Kapazitäten zum Schuljahr 2020/21 reichten, wenn dann weitere Klassen den Betrieb aufnehmen solle, so Czaja. Die CDU hat für kommenden Donnerstag eine Sondersitzung des Schulausschusses der BVV beantragt.

Lemm ist derweil überzeugt, dass die Kapazitäten auch im übernächsten Jahr reichen werden. Die Räume an der Mahlsdorfer Oberschule seien groß und ließen sich teilen, dazu kämen Aufenthalts- und Fachräume, die man nutzen könne. Die Bezirkselternvertretung sieht das auch so. „Wir sind überzeugt, dass die Schüler nicht auf den Fluren unterrichtet werden“, sagt Elternsprecher Norman Heise.

Mehr zum Thema:

Schul-Mobbing verfolgt diesen Schüler bis in den Schlaf

Quereinsteiger unterrichten meist an Brennpunktschulen

Zwei Jobs für einen Berliner Schulleiter

Mozart-Schule in Hellersdorf wird mit hohem Zaun geschützt

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.