Mahlsdorf

Neues Seniorenzentrum will "keine Pflegefabrik" sein

In Mahlsdorf entsteht ein Campus für altersgerechtes Wohnen. Das Konzept soll die neuen Bedürfnisse im Alter erfüllen.

Der zentrale Quartiersplatz soll die gestalterische und soziale Mitte des Altenhilfezentrums bilden.

Der zentrale Quartiersplatz soll die gestalterische und soziale Mitte des Altenhilfezentrums bilden.

Foto: Feddersen Architekten

Berlin. Senioren in Marzahn-Hellersdorf können sich in naher Zukunft Hoffnung auf die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung der besonderen Art machen. Im Ortsteil Mahlsdorf plant das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin (EDBTL) den Bau eines Quartiers, das Wohnen und Pflege für Menschen im Alter mit unterschiedlichsten Ansprüchen bieten soll. Das Projekt sei ein Novum, sagt der verantwortliche Projektleiter, Pfarrer Martin Blume: „Wir wollen keine Pflegefabrik sein.“

Das Altenhilfezentrum Mahlsdorf an der Sudermannstraße wählt einen neuen Ansatz. Je nach Bedarf sollen Mieter und Bewohner des Campus verschiedene Formen und Grade von Unterstützung vorfinden. „Die Erwartungen an das Altwerden differenzieren sich immer weiter aus“, begründet Blume den Ansatz. Entsprechend basiert das Konzept auf vier Säulen.

Im nördlichsten Teil des Ensembles entstehen drei Wohngemeinschaften mit je acht Plätzen für demenzkranke Bewohner. Im südlichen Teil ist eine Tagesstätte mit 16 Plätzen geplant, drüber zehn Wohnungen für Senioren mit beginnendem Pflegebedarf. Dazu kommt ein Hospiz, das 14 Bewohnern Platz bietet. Insgesamt soll das „Altenhilfezentrum Mahlsdorf“ mehr als 100 Senioren Platz bieten.

Anlehnung an die kleinteilige Struktur der Nachbarschaft

Das zuständige Architektenbüro orientierte sich bei seinen Entwürfen an der Umgebung in Mahlsdorf, das von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägt ist. “Es war uns wichtig, dass alle Angebote des Quartiers so wohnungsnah wie möglich gestaltet sind und den Bewohnern immer die Wahl zwischen Gemeinschaft und Privatheit lassen“, sagt Jörg Fischer, geschäftsführender Gesellschafter von Feddersen Architekten. Die kleinteilige Architektur der Nachbarschaft wurde übernommen, indem vier Gebäudeteile zwischen ein und drei Geschossen geplant wurden. Herzstück soll der Quartiersplatz sein, um den sich das Leben und Wohnen des Altenhilfezentrums bildet.

Die Fläche über 15.000 Quadratmeter erwarb das EDBTL von der Evangelischen Kirchengemeinde Mahlsdorf, sie hatte die Diakonie auf den Standort aufmerksam gemacht. Noch in diesem Monat sollen sogenannten bauvorbereitende Maßnahmen wie das Fällen von Bäumen und das Verlegen von Leitungen beginnen. Im Mai soll der Bauantrag gestellt werden, ein konkreter Bautermin wird noch nicht genannt. Über die Höhe der Investitionen will die Einrichtung keine Angaben machen. Knapp zwei Jahre sollen die Arbeiten dauern, das EDBTL finanziert sich komplett aus Eigenmitteln beziehungsweise Darlehen. Zuschüssen vom Land seien nicht nötig, so Blume.

Für Marzahn-Hellersdorf, das im Bereich der Gesundheitswirtschaft eine Vorreiterrolle einnehmen will, ist das neue Alterszentrum ein weiteres bedeutendes Projekt, gerade was die Versorgung von Senioren im am schnellsten alternden Bezirk der Hauptstadt betrifft. So wurde Ende letzten Monats in Biesdorf eine neue Klinik eröffnet, die sich ausschließlich auf Altersmedizin spezialisiert hat. Mit 60 geriatrischen Betten ist sie die erst vierte ihrer Art in Berlin und arbeitet eng mit dem nahe gelegenen Unfallkrankenhaus zusammen.

Auch in die Planungen für den Bau eines Demenzdorfes auf dem Gelände des ehemaligen Wernerbads in Kaulsdorf kommt offenbar Bewegung. Weit fortgeschrittene Pläne einer privaten Investorengruppe hatte der Besitzer des Grundstücks, die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) zunächst trotz heftiger Kritik überraschend zurückgewiesen. Wie eine BIM-Sprecherin am Montag sagte, befinde man sich nun aber mit zwei städtischen Wohnungsbaugesellschaften in konkreten Verhandlungen.

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