Hellersdorf

Familie muss einen Monat auf Beerdigung ihres Sohnes warten

Eine Mutter will seit einem Monat ihren Sohn beerdigen. Statt der Kostenübernahme durch das LAF erhält die Familie eine Steuernummer.

Elternhände umfassen Babyhände (Symbolbild)

Elternhände umfassen Babyhände (Symbolbild)

Foto: picture alliance/imageBROKER

Berlin. Seit über einem Monat wartet in Hellersdorf eine Familie aus Afghanistan darauf, ihren Sohn beerdigen zu können. Aber bis heute fehlte das entscheidende Papier. Bis Gottfried Martens den Fall publik machte. In der Nacht zu Montag schrieb der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Steglitz auf Facebook, wie das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) in Berlin die Familie brüsk abgewimmelt haben soll, als die eine Kostenübernahme der Bestattung beantragen wollte.

Zunächst soll ein Security-Mitarbeiter versucht haben, die Mutter wegzuschicken. Später habe sie einem Sachbearbeiter den auf deutsch verfassten Antrag vorgelegt. Der habe gesagt: „Sie haben in zweieinhalb Wochen hier einen regulären Termin. Bitte stellen Sie dann einen Antrag auf Kostenübernahme.“

Die Flüchtlingsfamilie, die in einer Unterkunft in Hellersdorf wohnt und Teil der Kirchengemeinde von Martens ist, warte bis heute auf die Beerdigung ihres Sohnes. Der sei Ende Dezember kurz nach der Geburt verstorben. Zu einem Gespräch mit der Presse sei die Familie derzeit nicht in der Lage. Allerdings bestätigt die Bestatterin Brigitte Gilli die Erzählung von Pfarrer Martens. Der schrieb auf Facebook weiter, die Familie habe einige Tage später Post erhalten: Die Steueridentifikationsnummer für den verstorbenen Sohn. „Verbunden mit dem Hinweis, diese sorgfältig aufzubewahren, weil er sie in seinem ganzen Leben immer brauchen werde. Willkommen in Deutschland“, schreibt Martens.

Aus dem Landesamtes heißt es, man könne den geschilderten Vorgang derzeit nicht im Detail nachverfolgen. Aber, so ein Sprecher, sollte die Schilderung von Pfarrer Martens zutreffen, „dann ist das ein Fehler, für den wir uns ausdrücklich entschuldigen möchten, weil es nicht unserer Vorstellung der Arbeit mit Geflüchteten entspricht.“ Man habe den Fall zum Anlass genommen, um die Mitarbeiter für die Arbeit mit Trauerfällen zu sensibilisieren. Dass Geflüchtete von Wachschützern weggeschickt werden, sei aber ausgeschlossen. „An unserer Tür wird niemand abgewimmelt“, so der Sprecher.

Rund eine Woche nachdem die Familie im LAF gewesen sein soll, ist laut dem Sprecher ein Antrag auf Kostenübernahme eingegangen – diesmal durch das Bezirksamt. Diese habe man am vergangenen Donnerstag bestätigt. Eine Kostenübernahme erfolgt bei sogenannten Sozialbestattungen, also wenn die Hinterbliebenen auf Sozialhilfe oder ähnliche Leistungen angewiesen sind.

Nur scheint die Bestätigung weder die Familie noch die Bestatterin erreicht zu haben. Eine entsprechende Nachricht des Landesamts ist bei Gilli erst am Montag eingegangen – nachdem erste Medien über die verschleppte Beerdigung des Neugeborenen berichtet haben.

"Dass man so mit einer trauernden Familie umgeht, ist der Gipfel"

Gilli sagt: „Ich bin einfach nur froh, dass wir das Kind endlich beerdigen können.“ Allerdings sei das kein Einzelfall, sie habe auch schon früher monatelang auf Kostenübernahmen durch das LAF gewartet. Aus der Behörde heißt es: „Normalerweise ist das ein Automatismus.“ Die Auszahlung der Bestattungskosten erfolge meist auf schriftlichen Antrag und werde umgehend erledigt. Beim Fall der afghanischen Familie vermute man ein Kommunikationsproblem – so sei bis heute auch keine Sterbeurkunde beantragt worden.

Pfarrer Martens gibt sich angesichts des Umgangs mit der Familie fassungslos. „Wir haben öfter unsere Kämpfe mit den Behörden. Aber dass man so mit einer trauernden Familie umgeht, ist der Gipfel.“ Martens ist kein Unbekannter bei Asylbehörden und im Landesamt. In seiner Gemeinde hat er mehr als 1000 Geflüchtete zu Christen konvertiert. Lautstark kritisiert er, dass einem großen Teil seiner Schützlinge trotz Christenverfolgung in deren Heimat kein Asyl gewährt wird. Die Asylbehörden urteilen immer wieder, dass es sich um Taufen aus „asyltaktischen Gründen“ handelt.