Gesundheit

Papierloses Krankenhaus für Senioren geht an den Start

Das Arona Klinikum in Biesdorf ist erst das vierte in Berlin, das auf Altersmedizin spezialisiert ist. Dabei setzt man auf Tablets.

Hände einer Demenz-Patientin

Hände einer Demenz-Patientin

Foto: Britta Pedersen / dpa

Marzahn-Hellersdorf. Von den mehr als 100.000 Patienten, die im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Biesdorf jährlich versorgt werden, befinden sich auch rund 2000 Senioren, die nach der Behandlung nicht sofort nach Hause geschickt werden können. Weil sie zu gebrechlich sind, an Demenz oder Diabetes leiden, um etwa nach einer schwierigen Operation wie einem Oberschenkelhalsbruch alleine und ohne professionelle Hilfe zurecht zu kommen. Sie leiden unter Multimorbidität, wie das im Fachjargon heißt – unter einer Mehrfacherkrankung.

Für diese Patientengruppe gibt es nun eine neue Möglichkeit der Versorgung. Am vergangenen Freitag öffnete unweit des UKB die neue Arona Klinik für Altersmedizin am Blumberger Damm ihre Pforten. Nach rund zwei Jahren Bauzeit stehen dort ab sofort 60 geriatrische Betten zur Verfügung. 80 Mitarbeiter kümmern sich um ihre Patienten. „Wir freuen uns, dass wir in Zusammenarbeit mit dem UKB die geriatrische Versorgungslücke im Bezirk schließen können“, sagt Chefarzt Kai-Uwe Wolf.

Klinik ist rein privat finanziert

Die Senioren müssen nun nicht mehr in weiter entfernte Kliniken gebracht werden beziehungsweise belegen im UKB nicht jene Betten, die für akut Schwerverletzte benötigt werden. Tatsächlich ist der Bedarf an geriatrischer Versorgung groß – und wird weiter steigen. Denn nirgendwo altern die Bewohner so schnell wie in Marzahn-Hellersdorf, seit Anfang der 90er-Jahre ist das Durchschnittsalter im Ost-Bezirk drei Mal schneller gestiegen als im Rest der Hauptstadt. „Berlin und insbesondere der Bezirk Marzahn-Hellersdorf leiden hinsichtlich unserer zunehmend älter werdenden Gesellschaft an einem eklatanten Mangel an Geriatrie-Betten“, sagt Klinik-Betreiber Nikolai Burkart.

Als Bauherr habe man zum Ziel gehabt, diese Situation zu verbessern, sagt Nikolai und betont, dass man ohne staatliche Fördermittel auskomme, dennoch aber auch für Kassenpatienten zugänglich sei. Im neuen, 30 Millionen Euro teuren Arona Klinikum, setzten die Betreiber auf Modernität. Nach eigenen Angaben ist man die erste Geriatrie Deutschlands, die komplett papierlos arbeitet und stattdessen eine „elektronische Patientenakte“ nutzt. Hier sollen über Tablets mobile Visitenwägen alle Daten jederzeit zur Verfügung stehen.

Die Architektur des Gebäudes ist auf die Bedürfnisse der Patienten angepasst. Die Flure sind teils farbig gestaltet und sollen unter anderem die Namen von Sehenswürdigkeiten erhalten, damit Demenzkranke sich dort besser orientieren können. In einem Fitnessraum ist Training mit virtuellen Geräten wie Spielekonsolen möglich, ebenso Wassertherapie. Der gesamte Bau erstreckt sich über drei Etagen und wurde mit viel Glas versehen.

Unterversorgung an Geriatrie-Betten in Berlin

Die Arona Klinik ist neben dem Evangelischen Geriatriezentrum in Wedding, dem Evangelischen Johannesstift in Spandau und der Vitanas Klinik im Märkischen Viertel erst das vierte Krankenhaus, das ausschließlich auf Altersmedizin spezialisiert ist. Zusammen mit 23 anderen Kliniken, die geriatrische Versorgung anbieten, kommt Berlin damit auf aktuelle rund 1900 Betten in diesem Bereich.

Laut dem aktuellen Krankenhausplan liegt der Bedarf aber bei rund 2050 Betten – und wird nicht nur nach Ansicht der Berliner Krankenhausgesellschaft weiter steigen. Die Senatsgesundheitsverwaltung prüft deshalb derzeit nicht nur einen Anpassung des Bedarfs im ausstehenden Krankenhausplan 2021-2026, sondern auch im aktuellen, bis 2020 gültigen Plan.