Ausstellung

Künstler im Bezirk wagen sich ans Papier

Die Galerie M in Marzahn widmet sich ab Februar einem eher unscheinbaren Rohstoff. Doch nicht jeder darf mitmachen.

"Viel zu lernen du noch hast" hat der Marzahner Künstler Namesi sein Papier-Kunstwerk genannt

"Viel zu lernen du noch hast" hat der Marzahner Künstler Namesi sein Papier-Kunstwerk genannt

Foto: Neue Kunstinitiative – Marzahn-Hellersdorf

Berlin. Ja, gibt Marc-Oliver Pospiech zu, natürlich wirke Papier auf den ersten Blick nicht so spannend. Ein Gebrauchsgut halt, gut für Notizen, zum Drucken von Büchern und Zeitungen, aber eben auch eines, das in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung zunehmend an Bedeutung verliert. „Genau das ist die Herausforderung, daran wollen wir uns abarbeiten“, sagt Pospiech.

Und so widmen sich der Künstler und seine Mitstreiter von der „Neuen Kunstinitiative Marzahn-Hellersdorf“ in der Galerie M aktuell ausschließlich dem Rohstoff Papier. Unter dem Motto „Papier – so bunt und vielfältig wie der Bezirk“, wurden bereits ab Herbst Künstler aufgerufen, ihre Werke einzureichen. Die Vernissage findet Sonnabend, 2. Februar statt, die Ausstellung läuft bis Mitte März.

Schon mehr als 50 Arbeiten gingen bei der Initiative ein, die Bandbreite ist groß: Stiche, Drucke,, Aquarelle, aber auch bildenden Kunst, etwa eine Skulptur aus Pappmaché oder Skulpturen, bei denen besondere Falttechniken angewendet wurden. Etwa zwei Figuren des Yoda aus "Krieg der Sterner", entworfen vom Marzahner Künstler Namesi. In den nächsten Wochen wollen die Mitglieder der Kunstinitiative die Auswahl treffen, final werden es wohl rund 40 Werke in die Galerie an der Marzahner Promenade schaffen. „Wir können leider nicht alles ausstellen“, sagt Pospiech.

Einer der Vorreiter: Pablo Picasso

Tatsächlich ist die Auswahl des Sujets so abwegig nicht. Seit seiner Erfindung wurde Papier zunächst nur als Gebrauchswerkstoff benutzt, zur Bewahrung des menschlichen Wissens nämlich. „Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts kam dem Papier ausschließlich eine dienende Funktion zu“, heißt es in einer Dissertation von Paul Ludger Göbel an der Universität Potsdam.

Ab dem 21. Jahrhundert wurde es von Künstlern aber zunehmend als eigenständiges Material gewürdigt. In der Bildenden Kunst fand Papier seine Verbreitung durch Collagen. „Die Kombination aus zweidimensionalen, geschnittenen Papierelementen ist eine der wesentlichen Innovationen der Kunst des 20. Jahrhunderts“, schreibt Göbel. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet war Pablo Picasso.

In der Galerie M wollen sich aber nicht jedes x-beliebige Papier-Kunstwerk ausstellen, nicht mal wenn es von Picasso höchstpersönlich käme. Laut Werkvertrag mit dem Bezirk, der die Initiative unterstützt, muss es einen inhaltlichen oder formellen Bezug zu Marzahn-Hellersdorf geben. In diesem Fall ist er eher formell: Nur Künstler aus dem Bezirk dürfen teilnehmen.

Mehr Informationen unter www.nki-berlin.de.

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