Hellersdorf

Kuriose AfD-Posse um ein Kunstwerk

Die AfD beschuldigt den Bezirk, die Zerstörung von "wertvollen deutschen Denkmälern" zu fördern. Sie hat sich im Bauwerk geirrt.

Steht wie eh und je fest an ihrem Platz am Großen Stern in Tiergarten: die Siegessäule

Steht wie eh und je fest an ihrem Platz am Großen Stern in Tiergarten: die Siegessäule

Es sollte eine ganz normale Kunstaktion sein, und sie hatte eine politische Botschaft, wie Kunstaktionen das nun mal so an sich haben. In der Nähe des U-Bahnhofs Cottbuser Platz hatten die Mitglieder zweier Jugendclubs die Nachbildung einer Siegessäule errichtet und den Ort „Place Internationale“ getauft.

Auf dem Sockel hatten die Jugendlichen selbstgemalte Transparente und Meinungen zum aktuellen Leben in Berlin präsentiert. Vergangenen November wurde die Säule dann im Rahmen der Einweihung des neuen Repair Cafés im Gemeinschaftsgarten „Helle Oase“ „eingerissen“. Beziehungsweise wurde aus dem im Stil einer Hüpfburg gestalteten Kunstwerk die Luft herausgelassen. Das Bezirksamt förderte die Aktion mit 2500 Euro.

Eine fatale Investition, wenn es nach der AfD in Marzahn-Hellersdorf geht. Per Anfrage wollte der AfD-Verordnete Joachim Nedderhut von Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) wissen, ob nicht die Gefahr bestehe, dass solche „angeblichen“ Kunstaktionen unter Jugendlichen suggerierten, dass „die Zerstörung oder Beschädigung von wertvollen deutschen Denkmälern oder Wahrzeichen akzeptabel“ sei.

Es war nicht die Berliner Siegessäule

Diese Sorge konnte Witt in ihrer Antwort rasch entkräften. Denn tatsächlich handelte es sich bei dem Kunstwerk nicht um die Berliner Siegessäule im Tiergarten, sondern um die Siegessäule Napoleons, die Colonne Vendôme in Paris. Sie wurde im Mai 1871 von der Pariser Kommune, dem während des Deutsch-Französischen Krieges gebildeten revolutionären Stadtrat, abgebaut – und zwei Jahre später wieder errichtet.

An diese historische Ereignis erinnernd merkte die Stadträtin an, dass von einer Zerstörung deutscher Denkmäler demnach nicht die Rede sein könne. Zudem werden die Haltung zu Aufständen in Frankreich im Bezirk aktuell kontrovers diskutiert.

Bei der AfD wollten sie aber noch mehr wissen: Ob das Bezirksamt die Aktion auch gefördert hätte, wenn es sich anstelle der Siegessäule um eine Nachbildung des Thälmann-Denkmals aus dem Thälmannpark-Park gehandelt hätte? Zur Erinnerung: Ernst Thälmann war bis zu seiner Verhaftung durch die Nazis 1933 Vorsitzender der KPD. Witt verwies dabei neben dem Grundrecht auf Kunstfreiheit auf eine Kunstaktion des Hellersdorfer Projekts „Station urbaner Kulturen“, bei dem Skulpturen von Karl Marx und Friedrich Engels aufgebaut und wieder entfernt worden waren.