Infrastruktur

So läuft es im Bezirk beim Radverkehr

Etliche Maßnahmen sind in der Planung, doch so richtig kommen die Maßnahmen nicht in Schwung. Jetzt ist die neue Stadträtin gefragt.

Der Anteil an Radfahrern in Marzahn-Hellersdorf ist relativ gering, soll aber durch eine verbesserte Infrastruktur steigen

Der Anteil an Radfahrern in Marzahn-Hellersdorf ist relativ gering, soll aber durch eine verbesserte Infrastruktur steigen

Marzahn-Hellersdorf. In Sachen Sicherheit darf man den Kreisverkehr am Jacques-Offenbach-Platz in Mahlsdorf durchaus als bedenklich einstufen. Vier Straßen münden dort, darunter die viel befahrene Hönower Straße. Für Fußgänger, besonders aber auch für Radfahrer geht es hier mitunter gefährlich zu, da sie bei Durchfahren des Kreisels vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln müssen. Die Verkehrsführung ist unübersichtlich.

Tatsächlich sind bereits Verbesserungen für die Radfahrer geplant, allerdings nur in der Gegend rund um den Kreisel. So sollen im Abschnitt der Hönower Straße zwischen Wodanstraße und Pestalozzistraße auf beiden Seiten Radwege entstehen, ebenso weiter südlich, wo die Hönower Straße die B1 kreuzt. Für die Fußgänger soll es am Jacques-Offenbach-Platz eine Ampel geben. Doch wie sich die Situation in dem Kreisel für die Radfahrer verbessern soll, steht noch nicht fest. Das geht zumindest aus der Antwort der Senatsumweltverwaltung auf eine Anfrage des Abgeordnete Stefan Ziller (Grüne) hervor.

Ein bisschen steht diese Episode für den gesamten Radverkehr in Marzahn-Hellersdorf. Ein bisschen geht es voran, irgendwie aber auch nicht so richtig. Für die großen, wichtigen Projekte auf den Hauptverkehrsstraßen ist das Land zuständig. Für Marzahn-Hellersdorf hatte die rot-rot-grüne Koalition vergangenes Jahr für 2018/19 neun Maßnahmen mit Gesamtkosten von 2,4 Millionen Euro zusammengestellt. Der Fraktionschef der Linken im Bezirk, Björn Tielebein, hatte zuletzt beim Bezirksamt nach dem Zwischenstand gefragt. Und der fällt einigermaßen durchwachsen aus:

Radweg an Straßenbahntrasse beiderseits Wuhletalstraße: Der Radweg befindet sich noch in der Planung. Weil die Wasserbetriebe hier vorab noch Leitungen sanieren müssen, ist ein Baubeginn nicht vor Mitte des Jahres möglich.

Allee der Kosmonauten, Radwegsanierung Rhinstr., Meeraner Straße: Hier gibt es keinen Baubeginn, da die Planung noch läuft.

Weg Hoyerswerdaer Str., Hönow, Asphaltierung Radwegeverbindung: Auch hier müssen die Wasserbetriebe zunächst Leistungen sanieren, weil die Ausschreibung für die Arbeiten wegen überhöhter Baupreise neu gestartet werden muss, ist noch kein Baubeginn absehbar.

Radweg parallel zur Wuhle, Ostseite nördlich Altentreptower Str.: Die Bauvorbereitung für diesen Radweg begannen Ende 2018, zuvor musste das Projekt gemäß den naturschutzrechtlichen Stellungnahmen angepasst werden.

Bitterfelder Str., Nordseite westlich Klettwitzer Str.: Diese Maßnahme wurde im November 2018 fertiggestellt.

Radwegrampen Bitterfelder Straße – Alte Rüsternallee: Für diese Maßnahme ist die Planung weitgehend fertig, der Baubeginn steht aber noch nicht fest.

Radwegebau/Asphaltierung Münsterberger Weg: „Bezüglich notwendiger Versickerungsanlagen für das Regenwasser sind noch Detailabstimmungen mit den Wasserbetrieben zu führen“, teilt das Bezirksamt mit, Baubeginn sei „voraussichtlich“ 2019.

Radverkehrsanlagen Allee der Kosmonauten Eitelstraße – Elisabethstraße: Auch hier ist der Baubeginn noch offen, da das Bezirksamt den Abschnitt zwischen Poelchaustraße und Elisabethstraße als problematisch ansieht.

Zudem befinden sich an öffentlichen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche derzeit insgesamt 182 Fahrradbügel mit je zwei Abstellplätzen im Aufbau. Dazu wurde die Errichtung von insgesamt 50 gesicherten Stellplätzen an den Bahnhöfen Marzahn und Elsterwerdaer Platz beantragt. Von einer zwar „positiven Entwicklung“ spricht Linken-Fraktionschef Tielebein, da einiges bereits angeschoben sei, allerdings bestehe ob des schleppenden Fortschritts noch „Handlungsbedarf“.

So und noch deutlicher formuliert es auch Pascal Grothe von der Initiative „Radbezirk Marzahn-Hellersdorf“, der zuletzt mit seiner Idee eines Radschnellwegs entlang der U-Bahnlinie 5 für Aufsehen sorgte. Grothe kritisiert vor allem die fehlenden Maßnahmen für mehr Sicherheit. Noch immer würden Radwege permanent durch Lieferwagen zugeparkt, sei ein Teil der Allee der Kosmonauten – anders als angekündigt – nach wie vor nicht eingefärbt, gebe es auf der Märkischen Allee noch immer keinen durch Poller geschützten Radweg.

„Natürlich ist der Bezirk hier zu großen Teilen vom Senat abhängig, aber muss die nötigen Maßnahmen stärker einfordern“, fordert Grothe von der neuen für Verkehr zuständigen Stadträtin Nadja Zivkovic (CDU). Kommende Woche kommt der „Fahr-Rat“ des Bezirks aus Bezirksvertretern und Verbänden zusammen. Dort will Zivkovic sich über die aktuelle Lage informieren, Meinungen und Ideen einholen und ihre Pläne skizzieren.

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