"LaLoka"

Flüchtlingstreff in Hellersdorf muss schließen

Das "LaLoka" war ein wichtiger Anlaufpunkt im Kiez, doch der Eigentümer zieht einen neuen Supermarkt vor.

Das "LaLoka" wurde von vielen Flüchtlingen zum Surfen genutzt

Das "LaLoka" wurde von vielen Flüchtlingen zum Surfen genutzt

Berlin. Für die Geflüchteten im Kiez war es ein wichtiger Anlaufpunkt. Es gab Computer mit Internetzugang, Kochabende, Beratungen zur Wohnungssuche und neuerdings – zur großen Freude aller – sogar einen Tischkicker. Doch seit diesem Jahr ist nichts mehr los im Flüchtlingstreff „La Loka“ an der Schneeberger Straße in Hellersdorf, die Räume sind leer.

Im August 2014 von der Initiative „Hellersdorf hilft ins Leben gerufen, hatte sich die Partnerorganisation „Kudepo“ beim Eigentümer Deutsche Wohnen als Hauptmieter für das LaLoka“ eintragen lassen, da „Hellersdorf Hilft“ noch nicht den Status eines eingetragenen Vereins hatte. Doch beide Seiten hatten mit der Zeit für ihre Arbeit keinen Bedarf mehr an den Räumlichkeiten. Schon länger hatte sich dort überwiegend der Verein „Refugees Emancipation“ engagiert. Der Mietvertrag wurde schließlich zu Ende 2018 gekündigt, es war das Aus für das „Laloka“.

Denn statt einen neuen Vertrag mit „Refugees Emancipation“ auszuhandeln oder den alten auf den Verein zu übertragen, will die Deutsche Wohnen ihre Immobilie nicht mehr an eine soziale Einrichtung vermieten. Davon gebe es im Kiez bereits genug, sagt ein Sprecher auf Nachfrage, stattdessen soll nun eine Drogerie oder ein Supermarkt einziehen. „Die richtige Durchmischung ist uns wichtig und vor Ort fehlen Nahversorger wie diese“, so der Sprecher.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen, dem mehr als 100.000 Wohnungen in Berlin gehören und das nicht im Ruf steht, ausschließlich zum Wohle seiner Mieter zu handeln, „Refugees Emancipation“ eine alternatives Objekt in nächster Nähe zu günstigen Konditionen angeboten. Doch „zur Überraschung“ der Deutschen Wohnen ging die Organisation nicht darauf ein, ein weiteres Gesprächsangebot sei abgelehnt worden.

"Uns lag kein Angebot vor"

Bei „Refugees Emancipation" wollen sie diese Darstellung nicht unterschreiben. „Das ist nicht wahr, uns lag kein Angebot vor“, sagt Gründer Chu Eben, ein Flüchtling aus Kamerun, der lieber Englisch sprechen will, obwohl sein Deutsch ganz passabel ist. Vielmehr müsse man sich derzeit die Räumlichkeiten mit einer anderen Organisation im Kiez teilen, doch das sei nicht die Traumlösung. „Das ist eigentlich nicht das, was wir wollen“, sagt Eben. „Wir wollen Gastgeber für Flüchtlinge sein, nicht Gast.“

In Marzahn-Hellersdorf gibt es nach wie vor rund ein Dutzend Flüchtlingsunterkünfte, der Anteil an Geflüchteten unter den Bewohnern ist wegen der vergleichsweise niedrigen Mieten höher als in anderen Bezirken. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) appelliert an die Deutsche Wohnen, ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden.

„Ich unterstütze voll und ganz das Anliegen der Flüchtlingsselbstorganisation Refugees Emancipation und hoffe sehr, dass sich zügig eine einvernehmliche Möglichkeit ergibt, um das erfolgreiche Projekt ,LaLoka' fortführen zu können“, so Pohle. Aktuell sieht es aber so aus, als müsse sich der Verein eine neue Bleibe suchen.

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