Kommentar

Marzahn ist besser als sein Ruf

Der Bezirk feiert sein 40. Gründungsjubiläum. Es gibt genug Gründe Marzahn dazu zu gratulieren, findet unser Autor Lorenz Vossen.

Foto: Montage BM

Marzahn-Hellersdorf. Vor zwei Jahren hat Ilka Bessin ihre Rolle als „Cindy aus Marzahn“ abgegeben. Die ehemalige Komikerin ist seitdem als Geschäftsfrau und Autorin unterwegs. Ein bisschen steht Bessin damit für ihre Herkunft: Auch Marzahn-Hellersdorf hat sich gemacht. Nach Pankow gibt es nirgendwo so viele öffentliche Grünflächen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität liegen mittlerweile unter dem Berliner Durchschnitt.

Viele wissen nicht, dass der Bezirk nicht nur Europas größte Plattenbausiedlung, sondern auch Deutschlands größtes Gebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern beheimatet. Das vermehrt junge Familien anzieht, weil Mieten und Grundstücke noch bezahlbar sind.

Liebe zur Heimat und Gestaltungswille unter den Bezirkspolitikern

Natürlich liegen die Einkommen immer noch unter dem Berliner Durchschnitt, und Rechtspopulisten haben hier mitunter leichtes Spiel. Will man dem Bezirk zum 40. Geburtstag gratulieren, dann dafür, dass er trotzdem besser ist als sein Ruf. Möglich macht das auch eine Bezirksverordnetenversammlung, in der Linke, CDU und SPD konstruktiv zusammenarbeiten, statt sich wie anderswo zu zerfleischen. Pöbeleien und Respektlosigkeiten wie in anderen Bezirken? Fehlanzeige.

Ein pragmatischer Schachzug einerseits, um der sehr starken AfD etwas entgegenzusetzen, aber auch aus dem Willen heraus, etwas zu gestalten und aus Liebe zur Heimat – die meisten Verordneten sind tief im Bezirk verwurzelt. Will man Marzahn-Hellersdorf zum Jubiläum etwas wünschen, dann dass dies auch der Rest der Hauptstadt mit der Zeit anerkennt.

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