Anzeige
Senioren in Berlin

Kein Bezirk altert so schnell wie Marzahn-Hellersdorf

Nirgendwo in Berlin altert die Bevölkerung so schnell wie in Marzahn-Hellersdorf. Was die Plattenbausiedlungen damit zu tun haben.

Beispielhaft: Elga und Ulrich Jahnke leben in einem der Hochhäuser.

Foto: Lorenz Vossen

Anzeige

Berlin. Dass sie es so lange miteinander aushalten würden, hatten Elga und Ulrich Jahnke selber nicht gedacht. Im September feierte das Ehepaar aus Hellersdorf Gnadenhochzeit – 70 Jahre Seite an Seite, vom Bezirk gab es dafür eine Ehrung. Und aktuell spricht nichts dagegen, dass noch ein paar Jahre dazukommen. Ulrich Jahnke, trotz stolzer 91 Jahre und Herzschrittmachers immer noch topfit, schreibt gerade an seiner Autobiografie.

Und Elga Jahnke, ein Jahr jünger, lässt es sich nicht nehmen, vieles im Haushalt immer noch selbst zu erledigen. Ganz normal sei das und überhaupt, sagt Ulrich Jahnke, hätten doch viele der Nachbarn in ihrem elfgeschössigen Plattenbau mittlerweile ein recht fürstliches Alter erreicht.

Das Ehepaar Jahnke steht beispielhaft für die Entwicklungen in Marzahn-Hellersdorf. Nirgendwo altert die Bevölkerung so schnell wie im Ost-Bezirk. Mit 43,6 Jahren liegt das Durchschnittsalter zwar nur ein Jahr über dem Berliner Mittel. Doch seit 1991 ist es dort dreimal stärker gestiegen als im Rest der Hauptstadt. Zum Vergleich: 1991 lag es noch fast zehn Jahre unter dem Durchschnitt.

Immer weniger junge Menschen zwischen 15 und 25

Am stärksten ist in den letzten fünf Jahren dabei die Zahl der Bewohner gestiegen, die in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen wird – also die frühere Eltern- und jetzige Großelterngeneration. Auf der anderen Seite ist – bedingt durch die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwendezeit – die Zahl der jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren stark rückläufig. Die Bezirksregion mit dem höchsten Durchschnittsalter ist Biesdorf (47 Jahre), gefolgt von Marzahn-Süd (46,9) und Mahlsdorf (46,6). Am jüngsten sind die Bewohner in Hellersdorf-Nord (38,1 Jahre).

Und Untersuchungen zeigen, dass dieser Trend wohl anhalten wird. Für die Entwicklung verantwortlich ist vor allem die sogenannte Großsiedlung, also die Plattenbauten in den Ortsteilen Marzahn, Hellersdorf und teilweise auch Biesdorf, die in den 70er- und 80er-Jahren bezogen wurden. Erstbesiedlungen wie diese gehen oft mit demografischen Ungleichverhältnissen einher.

Anzeige

So war der Bezirk anfangs geprägt von jungen Familien mit Kindern und einer eher kleinen Zahl älterer Menschen. Dieser „Elternberg“, wie ihn Demografen nennen, ist mittlerweile im Alter zwischen 50 und Mitte 60, „er ist quasi ein ,Großelternberg‘ geworden“, wie es im Demografiebericht des Bezirks aus 2016 heißt.

Einwohner mit ausländischen Wurzeln sind deutlich jünger

Ganz anders sieht es bei den Bewohnern mit Migrationshintergrund aus, die einen Anteil von 18 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen – was im Vergleich zum Berliner Durchschnitt von 29 Prozent aber relativ wenig ist. In dieser Gruppe sind 75 Prozent jünger als 45 Jahre, bei den Einwohnern ohne Mi­grationshintergrund sind es nur 45 Prozent. Weiterer Aspekt: Weil sich wegen der steigenden Altersarmut immer weniger Senioren die teuren Innenstadt-Lagen leisten können, ziehen viele nach Marzahn-Hellersdorf, wo die Mieten noch vergleichsweise günstig sind.

„Das Thema ist in den letzten Jahren definitiv stärker in den Fokus gerückt“, sagt Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke). Hier gelte es, die Senioren in die diversen Angebote zu integrieren, die der Bezirk anbiete. Bereits vor 20 Jahren wurde das „Netzwerk im Alter“ gegründet, das sich in die Interessenverbünde „Gesundheit im Alter“, „Wohnen im Alter“ und „Aktiv im Alter“ unterteilt.

Mehr zum Thema:

Senioren als Chance

High-Tech-Haus für Senioren in Marzahn