Nach Feuer

Hellersdorfer Kiez hat Angst vor weiteren Brandstiftungen

Immer wieder brennen Kellerverschläge an der Alten Hellersdorfer Straße. Die Bewohner sind beunruhigt und fordern Maßnahmen.

Gabriela Schmidt (h.) diskutiert mit ihren Nachbarn über die Brandstiftung.

Gabriela Schmidt (h.) diskutiert mit ihren Nachbarn über die Brandstiftung.

Foto: Lorenz Vossen

Berlin. Auf ihrem Balkon im ersten Stock steht Gabriela Schmidt und versteht die Welt nicht mehr. In der Hand hält sie einen schmutzigen Putzlappen. Alles ist voller Ruß, Gabriela Schmidt will sauber machen, aber vor allem will sie das Geschehene verarbeiten.

Es war um 21.40 Uhr am Mittwochabend, als die 58-Jährige in ihrer Wohnung an der Alten Hellersdorfer Straße den Brandgeruch bemerkte. Schmidt war allein, ihr Mann noch auf der Arbeit, und als die die Wohnung verlassen wollte, war das Treppenhaus schon voller Qualm. Schmidt rief die Feuerwehr, die sie nach zwei Stunden evakuieren konnte. Sie kämpft mit den Tränen, als sie davon berichtet, „das wünscht man niemanden“, sagt sie.

Vier Bewohner müssen ins Krankenhaus

Die Einsatzkräfte rückten mit 78 Mann an und löschten acht Kellerverschläge, die in Flammen standen. Das elfgeschössige Gebäude muss teilweise evakuiert werden. Vier Bewohner – eine 34-Jährige und ihre Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie ein Säugling – wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Mieter im Alter von 51 und 20 Jahren wurden ebenfalls mit Rauchgasvergiftungen vor Ort behandelt. Laut Feuerwehr war der giftige Qualm bis in den neunten Stock gestiegen.

Und im Kiez geht nun die Angst um. Denn bereits vor zwei Wochen kam es im Nachbarhaus zu einem ähnlichen Vorfall, damals brannten sogar acht Kellerverschläge. Die Polizei nahm kur danach einen 26-Jährigen fest, der sich während der Löscharbeiten seltsam verhalten hatte, die Ermittlungen dauern noch an. Insgesamt musste die Feuerwehr seit Oktober bereits vier Mal in der Gegend ausrücken.

Videokameras mussten entfernt werden

Da es jetzt abermals brannte, könnte ein Nachahmungstäter seine Finger im Spiel haben, so die Vermutung. Gabriela Schmidt hat nicht nur Angst, sondern ist empört. Sie fordert vom Hauseigentümer Maßnahmen, etwa den Einsatz von Sicherheitspersonal und neue Schlösser. Doch die Deutsche Wohnen, die größte Wohnungsgesellschaft Berlins, der allein in der Hauptstadt mehr als 100.000 Wohnungen gehören, schere sich nicht darum. Eine Morgenpost-Anfrage konnte das Unternehmen am Freitag nicht beantworten.

Thorsten Wiese wohnt seit fast 30 im Nachbarhaus, wo es dieses Jahr bereits zwei Mal brannte. Früher habe es schon mal ähnliche Vorfälle gegeben, damals seien Videokameras installiert worden, die aber auf Verlangen eines Mieters wieder abmontiert wurden. Wiese ist überzeugt, dass der oder die Täter einen Schlüsse zu den Kellervorschlägen besaßen. Auch wenn ihm die Entwicklungen in seinem Hellersdorfer Kiez natürlich Sorgen macht, kann er den Ereignissen auch etwas Gutes abgewinnen: „Die Bewohner im Haus reden wieder miteinander.“

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