Parkanlage

Letzte Weltreligion findet Platz in Gärten der Welt

Nächstes Jahr soll ein Jüdischer Garten entstehen. Vorab muss geklärt werden, welches Verhältnis die Religion zur Natur hat.

So sieht der erste Entwurf für den Jüdischen Garten aus

So sieht der erste Entwurf für den Jüdischen Garten aus

Berlin. "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben", lautet das Zweite der Zehn Gebote in der Bibel, und nicht: "Du sollst neben mir keine anderen Gärten haben." Zum Glück. Denn in den Gärten der Welt sind alle Religionen vertreten: Neben dem Christlichen Garten der Orientalische Garten, der für den Islam steht, der Balinesische Garten (Hinduismus), der Koreanische Garten (Schamaismus, Buddhismus), der Japanische Garten (Zen-Buddhismus) und der Chinesische Garten (Konfuzianismus).

Beim Blick auf diese Liste fällt auf, dass eine der Weltreligionen fehlt. Erstaunlich, ist das Judentum doch wesentlicher Bestandteil der Kultur und Geschichte Berlins. Aber das soll sich ändern. Ab Herbst kommenden Jahres startet in Hellersdorf der Bau eines Jüdischen Gartens. Nachdem die Senatsumweltverwaltung im Mai einen Ideenwettbewerb ausgelobt hatte, wurde vergangene Woche der Sieger präsentiert.

Tradition eines Jüdischen Gartens nicht historisch dokumentiert

Dass es in den Gärten der Welt bislang keinen Jüdischen Garten gibt, könnte auch an der Frage liegen, wie ein solche überhaupt aussehen kann. Tatsächlich gibt es keine entsprechende dokumentierte Tradition. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stand deshalb die Auseinandersetzung mit dem spezifischen jüdischen Naturverständnis.

Der Entwurf des Berliner Landschaftsarchitektenbüros atelier le balto beantwortet die Frage mit einem „großflächig, netzartig angelegten Nutz- und Schaugarten, der sich in der Umgebung öffnet und mit ihr im Dialog steht“, wie es seitens der landeseigenen Grün Berlin GmbH heißt, die für die Umsetzung verantwortlich zeichnet. Felder unterschiedlicher Größe und Form sollen in ein Netz aus Wegen und kleinen Platzflächen eingebettet werden. Sie sollen den Pflanzen, die zur Geschichte der Berliner Juden, einen Platz geben.

Was für Pflanzen das sein könnten, wollen die Experten vom atelier le balto, die auch den Garten der Diaspora im Jüdischen Museum entwarfen, im Rahmen einer einjährigen Recherche herausfinden. Dabei soll auch die jüdische Gemeinde Berlins involviert werden. "Es gibt keinen universalen jüdischen Garten", stellt Veronique Faucheuer vom atelier de balto klar. Sicher sei, dass das Verhältnis der Juden gegenüber der Natur von großem Respekt geprägt sei. Aber man müsse noch weiterforschen.

Termin zur Eröffnung gibt es bislang nicht

Für ihre Ideen haben die Landschaftsarchitekten in den Gärten der Welt rund tausend Quadratmeter Platz. Die Fläche befindet sich im Bereich der höchsten Erhebung der Anlage und liegt in Blickbeziehung zum Christlichen Garten. Laut der Grün Berlin könnten im Jüdischen Garten Veranstaltungen zur Jüdischen Kultur oder Festveranstaltungen im Jüdischen Jahreskalender durchgeführt werden. Auch eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Umweltbildungszentrum Kienberg sei denkbar.

Der Bau des Gartens beginnt mit Abschluss der einjährigen Recherche- und Planungsphase im Herbst 2019. Wann er fertig ist, steht noch nicht fest.

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