"Londonbus"

Berliner bauen roten Londoner Bus zu einer rollenden Bar um

Aus einem ausrangierten Londoner Doppeldecker-Bus wollen drei junge Berliner in Marzahn eine Location auf Rädern machen.

Pablo Hirsch von Londonbus mit seinem Doppeldecker

Pablo Hirsch von Londonbus mit seinem Doppeldecker

Foto: Lorenz Vossen

Berlin.  Man sieht dem Bus an, dass er viel erlebt hat. Die Namen der Haltestellen auf der Anzeige verraten es: Oxford Circus. Notting Hill Gate. Westminister. Er fuhr seine Fahrgäste durch London.

Heute, mehr als 20 Jahre nach seiner Ausmusterung, steht der Bus auf dem verlassenen Gelände einer ehemaligen Metro-Filiale in Marzahn. Das Dach des Doppeldeckers fehlt, hier und da blättert der Lack ab, im Inneren viel Gerümpel. „Hier sieht es aus wie Kraut und Rüben“, gibt Pablo Hirsch zu. Aber: „Die Londoner Doppeldecker sind auf der ganzen Welt bekannt. Er ist ein absolutes Liebhaberstück.“

Hirsch, 31 Jahre, Retro-Trainingsjacke, Basecap, Kategorie „lässiger Typ“, hat große Pläne. Er und seine beiden Geschäftspartner wollen aus dem Bus eine Bar auf Rädern machen. Im Untergeschoss sind rote Ledersofas im Stil eines American Diners eingebaut. Vor einem ausrangierten Klavier, das als Tresen dient, stehen Barhocker, es gibt ein Waschbecken, Kühlschrank, eine Soundanlage.

Der Bus ist ein Hingucker

Ursprünglich wollte Hirsch sich in der Gastronomie versuchen. Zu umständlich. So kam er auf die Idee einer rollenden Bar. Weniger laufende Kosten und vor allem: Mobilität. „Wir wollen nicht, dass die betrunkenen britischen Touristen zu uns kommen. Wir wollen zu ihnen kommen“, sagt Hirsch. Festivals, Partys, Firmenfeiern – alles sei möglich, den Bus könne man überall parken, ein Hingucker sei er allemal.

Im Netz wurden die Jungs von „Londonbus“, wie sie ihr Unternehmen inzwischen getauft hatten, schließlich fündig. Ein „Routemaster 2109“ für 30.000 Euro wurde da angeboten. Baujahr: irgendwann in den 60er-Jahren. „Da wussten wir genau: Der muss es sein“, sagt Hirsch. Ab 2005 hatte London seine alten Doppeldecker in alle Welt verkauft und durch neue, umweltfreundliche Modelle ersetzt. Schnell wurden die Wahrzeichen von Englands Hauptstadt zu begehrten Sammlerstücken.

Auf das Oberdeck soll ein DJ-Pult

Hirsch und seine Mitstreiter fuhren zur Abholung nach Graz, die Rückfahrt in ihrem neuen Baby war ein Abenteuer. Aber sie kamen heil an. „Er schnurrt immer noch wie ein Kätzchen“, sagt Hirsch.

Bevor sie nächstes Frühjahr an den Start gehen können, ist noch viel zu tun. Vor allem auf dem Oberdeck. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Busse nicht höher als vier Meter sein. Beim Doppeldecker waren es aber 4,19 Meter. Also musste das Dach ab. Mechaniker sind Hirsch und seine Kollegen nicht, alle stammen aus der Event- und Marketingbranche. Ein Bekannter half schließlich bei dem Dach, als nächstes wollen sie klären, welche neue Konstruktion es sein könnte. Mit Hydraulik? Oder eine Plane? Hauptsache sie kommen damit durch den TÜV. Sicher ist: Auf das Oberdeck soll später ein DJ-Pult, damit die Gäste tanzen können.

Mehr Informationen unter londonbus.berlin

Mehr aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf lesen Sie hier

+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei "Molle und Korn": Den Tag der Deutschen Einheit kann man gar nicht oft genug feiern.

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Spotify

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Soundcloud

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Deezer

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.