Leserbesuch

120 Jahre Morgenpost: „Es muss noch mehr nachgebohrt werden“

Redakteurin Katrin Lange war zu Besuch beim Morgenpost-Leserehepaar Herrmann-Bollenbach in Marzahn-Hellersdorf.

Katrin Lange, Morgenpost-Redakteurin (l.), mit Monika Herrmann und Horst Bollenbach

Katrin Lange, Morgenpost-Redakteurin (l.), mit Monika Herrmann und Horst Bollenbach

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Es ist einer der letzten richtig heißen Tage dieses Sommers: Die Sonne sticht, der Himmel ist wolkenlos, der Asphalt flimmert. Zwischen den Ein- und Mehrfamilienhäusern in einer Neubausiedlung in Marzahn-Hellersdorf steht die Hitze. Wie eine kleine Oase wirkt da der Garten von Monika Herrmann und ihrem Ehemann Horst Bollenbach. Das Gras ist – anders als in den meisten öffentlichen Berliner Parkanlagen dieser Tage – saftig grün. An den Grundstücksgrenzen stehen keine Zäune, sondern mannshohe Hecken. Und in der Mitte des Gartens ist ein Swimmingpool eingelassen. Azurblau glitzert das Wasser im Sonnenlicht. „Einen Pool habe ich mir schon immer gewünscht“, erzählt Horst Bollenbach Morgenpost-Redakteurin Katrin Lange. Zum 120. Geburtstag der Berliner Morgenpost hat die Zeitung Treffen mit Redakteurinnen und Redakteuren verlost. Und das Ehepaar Herrmann-Bollenbach gehört zu den Gewinnern.

Seit etwa drei Jahren haben sie die Morgenpost abonniert – die Herrmann-Bollenbachs sind Wechsel­leser. „Im Vergleich mit anderen Berliner Zeitungen überzeugt uns die Morgenpost aber am meisten“, sagt Horst Bollenbach. Und: „Es gibt Seiten in der Zeitung, die mich komplett überzeugen.“ Dazu gehört für ihn vor allem die Seite zwei, das ist die Meinungsseite, mit dem Leitartikel und dem Kommentar. „Da fühle ich mich gut aufgehoben“, sagt der pensionierte Lehrer. Aber genau hier bringt das Ehepaar dann auch einen ersten Kritikpunkt an: Beide wünschen sich noch mehr meinungsstarke Artikel wie auf der Seite zwei.

Besonders begeistern können sich die beiden für jegliche Artikel rund ums Thema Bildung. Er als ehemaliger Lehrer und sie als Chemie-Ingenieurin in Rente, die aber trotz ihrer 75 Jahre nebenher noch ab und zu für einen Verlag arbeitet, der Ausbildungsbetriebe mit Fachliteratur ausstattet.

Das Ehepaar liest die Zeitung im Kompaktformat

Die Arbeit, so erzählt Horst Bollenbach, war übrigens auch einer der Gründe, weshalb die beiden sich für die Morgenpost im Kompaktformat entschieden haben. Denn er arbeitete früher in einer Schule in Spandau, sozusagen am anderen Ende von Berlin. „Und es ist sehr beschwerlich, eine große Zeitung in der S-Bahn zu lesen.“

Jeden Morgen liest er Zeitung, erzählt Horst Bollenbach. Von der Titelseite über die Meinungsseite, Nachrichten aus aller Welt, den Berlin-Teil und zum Schluss den Sport: „Von vorne nach hinten, ich lese eigentlich alles“, sagt er. Seine Frau schlägt hingegen oft zuerst die Seiten auf, die über das Kino- und Theaterprogramm informieren.

Sie liest auch nicht jeden Tag Zeitung: „Ich habe ja auch noch andere Sachen zu tun.“ Monika Herrmann erzählt, dass ihr Leben – wie bei so vielen anderen Berlinern auch – vor allem in ihrem Kiez stattfindet, sie aber auch sehr gerne mal Richtung Mitte fährt, um etwas zu unternehmen.

Gibt es denn etwas, was die Morgenpost noch verbessern kann, fragt Katrin Lange. Da ist sich das Ehepaar Herrmann-Bollenbach schnell einig: Beide wünschen sich, dass bei manchen Themen „noch mehr nachgebohrt und nachgedreht“ wird. In den meisten Fällen wird die Geschichte nämlich erzählt – aber selten wird danach noch weiter recherchiert, wie es mit dem Thema weitergegangen ist, so die Kritik der beiden Pensionäre.

Redakteurin nimmt Kritik mit in die Redaktion

Das Ehepaar ist aber überzeugt davon, dass Medien auch bei Politikern oder Behörden Druck aufbauen und etwas bewegen können – wenn die Journalisten an einem Fall dranbleiben und weiter regelmäßig berichten.

Seit 18 Jahren wohnen Monika Herrmann und Horst Bollenbach in ihrem Haus in Marzahn-Hellersdorf. Aber im Bezirk leben die beiden schon viel länger. „Manchmal vermissen wir schon in der Morgenpost den Blick in die Ostbezirke“, sagt Monika Herrmann. Katrin Lange versichert, dass sie die vorgetragene Kritik an die Chefredaktion weitergeben wird. Und verspricht, dass die Morgenpost in Zukunft die einzelnen Berliner Kieze mehr in den Fokus rückt.

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