Marzahn-Hellersdorf

Ein Badeschiff für den Bezirk ohne Freibad

Die Linken fordern eine Bademöglichkeit im Biesdorfer Baggersee. Parallel läuft die Standortsuche für ein "richtiges" Freibad.

Vorbild für Marzahn-Hellersdorf? Das Badeschiff in Treptow (Archivbild)

Vorbild für Marzahn-Hellersdorf? Das Badeschiff in Treptow (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Maja Hitij / picture alliance / dpa

Berlin. Bis zu zwei Stunden Wartezeit musste mitbringen, wer in der Rekordhitze dieses Sommers im Badeschiff Treptow schwimmen wollte. Das Flussschwimmbad an der Spree mit seiner herrlichen Sicht war bei 35 Grad und mehr der Hotspot schlechthin.

Weiter im Osten, in Marzahn-Hellersdorf, würden sie für eine Erfrischung wohl auch zwei Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Doch leider ist der Bezirk nach wie vor der einzige ohne eigenes Freibad. Zwar hat die Debatte dazu wie berichtet wieder Fahrt aufgenommen, bislang gibt es aber nicht mal einen möglichen Standort.

Die Linken im Bezirk pochen deshalb auf eine schnellere Lösung. Die Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) fordert, die Möglichkeit eines künstlichen Badebereichs im Biesdorfer Baggersee zu prüfen. Ähnlich dem Treptower Badeschiff, das dabei als Vorbild dienen könne. „Die bereits vorhandene Badenutzung des Sees könnte damit legalisiert werden“, schreiben die Linken. Ein weiterer Ausbau der schon bestehenden Freizeit- und Uferanlagen sowie eine erneute Imbiss-Ausschreibung, wie bereits in der vergangenen Wahlperiode durch die Wirtschaftsförderung durchgeführt, wären denkbar.

Schwimmen im Biesdorfer Baggersee eine Ordnungswidrigkeit

Tatsächlich wird der See heute schon von vielen Bewohnern zum Baden genutzt. Was aber offiziell als Ordnungswidrigkeit gilt, da es keine ausgewiesene Badestelle gibt. Zudem ist das Gewässer ein Regenrückhaltebecken und hat nicht die beste Wasserqualität.

Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) hält die Idee eines Badeschiffs für „charmant, wenn es ginge“. Bei der Suche nach einem Standort für ein Freibad haben Lemms Fachleute auch den Biesdorfer Baggersee untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass dort stark auf Lärmschutz für die Anwohner und die Umwelt geachtet werden müsse. „Die Wasserqualität darf nicht betroffen sein“, so Lemm.

Tatsächlich würde ein Badeschiff wie in Treptow diese aber nicht beeinflussen, da das Schwimmbecken autark zu seiner Umgebung funktioniert und sich nicht mit dem angrenzenden Wasser des Sees vermischen würde. Lemm hält die Prüfung eines Badeschiffs für möglich, warnt aber vor falschen Erwartungen. Marzahn-Hellersdorf sei wegen der Schulbau-Offensive bautechnisch bereits stark gefordert.

Und dann ist da natürlich noch das „richtige“ Freibad, das der Bezirk mit Priorität anstrebt. In der BVV vergangene Woche stellte Lemm folgende mögliche Standorte vor:

  • die Flächen südlich des S- und U-Bahnhofs Wuhletal
  • den Wuhleteich innerhalb des ehemaligen IGA-Geländes
  • eine Freifläche an der Golliner Straße
  • den Ausbau des Kinderbades „Platsch“
  • die Erweiterung der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ am Helene-Weigel-Platz
  • den Neubau eines Kombibads – Hallen- und Freibad integriert – am Rande des Tierparks

In den kommenden Wochen will das Bezirksamt untersuchen, für welche dieser Optionen sich eine Machbarkeitsstudie lohnen würde. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 ergab, dass der Standort Tierpark eher nicht geeignet ist. Der Ausbau des „Platsch“ und der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ könnten nicht wirtschaftlich genug sein. Für Lemm ist das kein Argument. Ein Freibad sei immer ein Zuschussgeschäft. Sollten andere Kriterien wie etwa die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder die bauliche Umsetzung stimmen, spreche eigentlich nichts gegen diese beiden Standorte.

Finanzierung aus Siwana-Mitteln des Landes?

Im Juni hatte Lemm den Wunsch geäußert, bereits im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen zu können. In der BVV wurde er von der CDU für diese ihrer Meinung nach allzu optimistische Prognose getadelt. Der Stadtrat relativierte daraufhin, das dies lediglich seine Hoffnung sei. Geht es nach ihm, soll das Freibad aus den sogenannten Siwana-Mitteln des Landes finanziert werden, das für Infrastrukturprojekte im wachsenden Berlin gedacht ist. Lemm kündigte an, um diese Mittel in Millionenhöhe beim Senat zu kämpfen.

Ob am Ende wirklich ein reines Freibad dabei herausspringt, ist allerdings ungewiss. Der Chef der Berliner Bäderbetriebe, Andreas Scholz-Fleischmann, hatte zuletzt gesagt, dass ein Kombibad die realistischere Lösung sei, da im Bezirk auch Schwimmhallen fehlten. Für ein solches Bad bräuchte es allerdings 25.000 statt 10.000 Quadratmetern Fläche. Was die Suche nach einem geeigneten Standort nicht leichter machen dürfte.

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