Demo angekündigt

Gewerkschaft Verdi ruft Sozialarbeiter zum Protest auf

Mitarbeiter der Regionalen Sozialen Dienste fordern mehr Personal und bessere Bezahlung. Verdi will jeden Donnerstag demonstrieren.

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Berlin. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen demonstrieren die Mitarbeiter der Regionalen Sozialen Dienste (RSD). Für den Donnerstag rief die Gewerkschaft Verdi die Sozialarbeiter aus Marzahn-Hellersdorf zum Protest auf dem Alice-Salomon-Platz auf. Zwischen 10 und 12 Uhr werden knapp 100 Teilnehmer erwartet.

Den Beschäftigten geht es um mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung. Laut Verdi müssen die Mitarbeiter teilweise bis zu 100 Fälle parallel bearbeiten, dabei dürften es eigentlich nur ein Drittel sein, sprich etwa 30 Fälle. „Weil Personal fehlt, hat die Zahl der zu bearbeitenden Akten extrem zugenommen“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Anna Sprenger.

In Berlin sind insgesamt 142 von 889 Stellen unbesetzt. In Marzahn-Hellersdorf sind es 13 von 84, der Bezirk liegt damit im stadtweiten Durchschnitt. Unter dem Personalmangel leiden die Familien, die auf das Angebot angewiesen sind. Sie müssen lange auf einen Termin warten und sich oft mit sehr kurzen Beratungsgesprächen abfinden.

Verdi fordert mehr Lohn und Personal

Um die Misere zu beheben, fordert Verdi auch eine Anhebung der Löhne. In Berlin liegt das Einstiegsgehalt bei rund 3000 Euro, in vielen anderen Bundesländern sind es 1000 Euro, in der höchsten Entgeltstufe sogar bis zu 2000 Euro mehr. Man fordere hier eine Anpassung innerhalb des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder, so Sprenger. Höhere Gehälter seien auch nötig, um den Beruf für Interessierte attraktiver zu machen

Rund 1500 Menschen arbeiten in den etwa 50 Berliner RSD-Stellen. Sie unterstehen den Jugendämtern der Bezirke und sind eine allgemeine Anlaufstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche bei Erziehungsfragen und familiären Problemen. Sie beraten etwa bei finanziellen Notlagen oder Angelegenheiten wie Trennung und Scheidung. Einer ihrer wichtigsten Aufgaben ist der Kinderschutz.

Neben mehr Personal und mehr Lohn fordert Verdi zudem, Berufseinsteigern eine Einarbeitungszeit von mindestens sechs bis zwölf Monaten zu gewähren. Zudem müsse eine unabhängige Ombudsstelle für Fachkräfte eingerichtet werden. Ab sofort will Verdi jeden Donnerstag in einem jeweils anderen Bezirk auf die Missstände aufmerksam machen.

Dass die Jugendämter personell überlastet sind, ist schon länger bekannt „Ein Treffen der zwölf für diesen Bereich verantwortlichen Stadträte mit der Senatsverwaltung, in dem es um tatsächliche Verbesserungen für die Beschäftigten ging, hat leider zu keinen spürbaren Verbesserungen geführt“, so Sprenger.

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