Vorschlag angenommen

Der Streit um das Knorr-Areal in Marzahn ist beigelegt

Der Kompromissvorschlag von Michael Müller wurde angenommen. Sowohl Gewerbeflächen als auch Wohnungen sollen geschaffen werden.

Ramona Pop (Grüne) will den Gewerbestandort erhalten

Ramona Pop (Grüne) will den Gewerbestandort erhalten

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / Britta Peders

Berlin. Erfolg für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD): Der Dauerstreit um das Areal der ehemaligen Knorr-Bremse in Marzahn ist am Mittwochabend offenbar beigelegt worden. Müller hatte einen Kompromissvorschlag für die Zukunft des 91.000 Quadratmeter großen Areals unterbreitet, dem sowohl die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, vertreten durch Wohnstaatssekretär Sebastian Scheel (Linke) als auch die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zustimmen konnten.

Wie berichtet, wollte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bis zu 1500 Wohnungen auf dem Gelände bauen. Dagegen wehrte sich Wirtschaftssenatorin Pop. Sie wollte den Gewerbestandort als Ganzes erhalten. Die Bebauung mit Wohnhäusern, die aus Schall- und Emissionsschutz-Gründen einen deutlichen Abstand zu Produktionsstätten benötigten, wäre ein ernstes Problem. Nach dem Vorschlag des Rathauschefs sollen statt reinem Wohnungsbau nun Studentenwohnungen entstehen, die durch einen Büroriegel von den Produktionsanlagen getrennt werden könnten. Nach diesem Modell wären allerdings höchstens 700 bis 1000 Wohneinheiten möglich.

„Die Entwicklung auf dem Areal der Knorr-Bremse war seitens unserer Verwaltung immer als gemischtes Quartier angedacht. Es spricht daher nichts dagegen, an dem Standort auch studentisches Wohnen zu realisieren“, hatte Katrin Dietl, Sprecherin der im Urlaub weilenden Bausenatorin, die am Mittwoch durch ihren Staatssekretär vertreten wurde, bereits vorab Zustimmung signalisiert.

Ein Mix aus Wohnungen und Gewerbe ist geplant

Deutlich zurückhaltender reagierte zunächst das Haus der Wirtschaftssenatorin auf den Vorschlag. „Um uns richtig entscheiden zu können, müssten wir den Vertrag kennen, den die Wohnungsbaugesellschaft Howoge mit dem privaten Grundstücksbesitzer und Projektentwickler Laborgh geschlossen hat“, sagte Svenja Fritz, Sprecherin der Wirtschaftssenatorin, vor dem Gespräch. „Wir sind deshalb etwas skeptisch, ob es heute tatsächlich zu einer Einigung kommen kann“, sagte Fritz.

Am Abend kam dann schließlich die Nachricht: „Es gibt eine Einigung beim Thema Knorr-Bremse. Der Plan“, sagte die Sprecherin der Bausenatorin der Berliner Morgenpost, eines gemischten Quartiers „mit Wohnungen und Gewerbe wird weiterverfolgt.“ Details wolle man aber erst am heutigen Donnerstag bekannt geben. Das umstrittene Gelände zwischen Landsberger Allee und dem Wiesenburger Weg ist der erste Fall, bei dem alle anderen Stufen der Konfliktlösung nicht gegriffen haben. Anfang 2018 hatte der Senat ein dreistufiges Verfahren eingeführt, um Streitfälle bei Projekten für den Wohnungsneubau schneller zu entscheiden.

Der Wohnungsneubau sorgt in der rot-rot-grünen Koalition nicht nur beim Knorr-Areal für Konfliktstoff. Volker Härtig vom SPD-Fachausschuss „Soziale Stadt“ hat in einer E-Mail SPD-Mitglieder dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Bausenatorin im Amt bleiben oder gehen soll, weil sie die Neubauziele nicht erreiche. Nicht nur die Linke reagierte verärgert auf den Vorstoß des Bauexperten der SPD – auch die eigenen Genossen „finden die Aktion nicht hilfreich“, so Claudia Sünder, Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, zur Berliner Morgenpost.

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