Berlin-Marzahn

Tausendfacher Kindesmissbrauch - Vater gesteht vor Gericht

Mehr als 300 Mal soll ein Vater aus Berlin-Marzahn seine drei Kinder missbraucht haben. Der Mann gestand die Taten vor Gericht.

Es ist nur eine Schätzzahl, sie kann durchaus auch weitaus größer sein: 3713 Übergriffe sind im Anklagesatz der Staatsanwaltschaft aufgelistet, 3713 Mal sexueller Missbrauch an den eigenen Kindern. Der 42-jährige Carsten B. hat diese Taten am Montag vor einer Moabiter Strafkammer zugegeben. Opfer waren seine beiden Töchter und sein Sohn. Alle drei, sagte Carsten B., habe er jahrelang sexuell missbraucht. Zu den ersten Taten sei es beim Kuscheln gekommen, sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Tatzeitraum von 14 Jahren aus. Die beiden Töchter sind heute 19 und 17 Jahre alt, der Junge ist elf. Die Kinder seien jeweils etwa drei Jahre alt gewesen, als die Übergriffe des eigenen Vaters begannen. „Es war die Erregung, sie zu berühren“, sagte der Angeklagte. Er sei sich bewusst gewesen, dass es falsch war. „Ich dachte darüber nach, aber es führte nicht zur Umkehr, da war ich nicht ich selbst“, so der IT-Systemelektroniker vor den Richtern.

Carsten B. lebte mit der Mutter seiner Kinder bis 2009 in einer eheähnlichen Gemeinschaft. Das Sexualleben mit seiner Partnerin habe ihn „nie ganz befriedigt“, sagte er vor Gericht. Obwohl die meisten Taten gegen die Kinder in der gemeinsamen Wohnung in Marzahn geschahen, habe seine Lebensgefährtin seiner Meinung nach von dem sexuellen Missbrauch an den Kindern nichts bemerkt.

Mutter erstattete Anzeige

Zehn Jahre lang verging sich Carsten B. laut Anklage an der ältesten Tochter. Vier Mal wöchentlich soll er das Mädchen sexuell missbraucht haben. An der zwei Jahre jüngeren Schwester habe er „beischlafähnliche“ Handlungen vorgenommen, als sie neun Jahre alt war. Diese Tochter sei zwölf gewesen, als er erstmals mit ihr vollendeten Geschlechtsverkehr hatte. Auch auf den Sohn gab es sechs Jahre lang sexuelle Übergriffe.

Die Taten gingen auch nach der Trennung von der Mutter der Kinder weiter. Es sei zum Missbrauch gekommen, wenn die Geschwister den Vater besuchten, heißt es im Anklagesatz. Die Kinder hätten untereinander von seinen zumeist nächtlichen Handlungen im Kinderzimmer gewusst, sagte Carsten B. Er habe ihnen erklärt: „Wenn ihr gegenüber anderen darüber redet, werdet ihr mich verlieren.“ Die heute 17-jährige Tochter hatte sich im Sommer 2012 offenbart. Die Mutter erstattete daraufhin Strafanzeige.

Der nicht vorbestrafte Vater hatte sich kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe der Polizei gestellt und umfassend gestanden. Von einem Haftbefehl wurde damals abgesehen. Der Angeklagte habe „Glück gehabt, dass er bislang frei war“, sagte die Vorsitzende Richterin. Nach seinem Geständnis und der Aussage einer der Töchter vor Gericht sei mit einer erheblichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Es bestehe Fluchtgefahr. In der Konsequenz erließ die Kammer gegen Carsten B. einen Haftbefehl. Der Prozess wird am 17. Dezember fortgesetzt.