Nach Vandalismus

Marzahner Kita „Kiek in“ öffnet trotz großer Schäden

Die nach einem Einbruch gesperrte Kita „Kiek in“ hat wieder geöffnet. Zwölf der 42 Räume sind jedoch gesperrt. Deshalb müssen die Kinder enger zusammenrücken. Von den Tätern fehlt weiterhin jede Spur.

Foto: Massimo Rodari

Für die Kinder, die nach den Ferien zum ersten Mal in die Marzahner Kita „Kiek in“ kamen, war an diesem Montagmorgen alles anders als sonst. Zwölf der 42 Räume sind nach dem Vandalismus-Anschlag in der Neujahrsnacht gesperrt. Und auch den gewohnten Eingang können die Kinder nicht mehr nutzen. Ihre Jacken müssen sie nun in einer provisorisch zusammen gelegten Garderobe ausziehen, in die sie über eine bisher nie genutzte Treppe gelangen. „Die Kinder reagieren aufgeregt, sie merken genau, dass hier etwas passiert ist“, sagt die Kitaleiterin Anke Ulbricht.

Am Montag hat die Kita trotz der großen Schäden den vollen Betrieb wieder aufgenommen. Normalerweise hätte die Kita bereits am 2. Januar nach Silvester wieder geöffnet. Doch nach der Zerstörung konnte nur eine Notbetreuung in einer anderen Filiale des Trägers angeboten werden. Die Täter hatten nicht nur viele Räume verwüstet, sondern auch die Wasserhähne im Waschraum abgetreten, sodass das Wasser in mehreren Etagen Zentimeter hoch stand.

Nur durch den Einsatz von mehr als 50 Helfern in den vergangenen Tagen ist es möglich, dass die Kinder überhaupt schon wieder in dem Vereinshaus an der Rosenbecker Straße betreut werden können. „Wir rücken etwas enger zusammen, und Frühstück und Vesper werden jetzt im Seniorentreff zubereitet“, sagt die Leiterin. Nicht mehr nutzbar sind ein Kleinkindbereich, die Kita-Ausgabeküche, der Psychomotorikraum und das Atelier.

Marzahner Eltern erleichtert über schnelle Wiedereröffnung

Am Montag sind 65 der insgesamt 103 in der Kita gemeldeten Kinder erschienen. „Viele Eltern hatten angerufen und angeboten, ihre Kinder noch einige Tage zu Hause zu behalten oder bei Großeltern unterzubringen“, sagt die Kita-Leiterin. Zum einen, um die damit die angespannte Situation in der Kita zu entlasten, zum anderen würden aber auch einige Eltern ihren Kindern den Anblick der Schäden vor Ort ersparen wollen.

Eine Mutter habe erzählt, dass ihr Sohn schon zu Hause sehr geweint habe, als er den verwüsteten Zustand in der Zeitung gesehen hatte. Deshalb habe sie ihn am Montag nicht bringen wollen. „Hier ist alles kaputt“, habe ein anderes Kind als erstes bemerkt, als es am Montag in die Kita gekommen ist.

Immerhin seien viele Eltern froh, dass es gelungen sei, so schnell den Betrieb wieder aufzunehmen. Und durch das offene Konzept, bei dem sich die Kinder schon vorher in allen Räumen auf einer Etage bewegt haben, kämen die Kinder trotz der Einschränkung in eine vertraute Umgebung.

Kita-Leiterin begrüßte jedes Kind persönlich

Die Leiterin Anke Ulbricht hat alle Kinder und Eltern am Eingang persönlich begrüßt und ihnen die Situation erklärt. „Viele hatten schon aus den Medien von dem Einbruch gehört, einige waren aber auch nach ihrem Urlaub völlig überrascht“, so die Leiterin. Bevor überhaupt Handwerksarbeiten in den überschwemmten Räumen beginnen können, muss zunächst die Versicherung ein Gutachten erstellen. Am Mittwoch sollen die Gutachter kommen. „Erst dann wissen wir, welche Schäden die Feuchtigkeit angerichtet hat und welche Leistungen benötigt werden“, sagt die Geschäftsführerin des Träger, Gabriele Geißler.

Erst dann sei auch zu ermessen, wie hoch die Renovierungskosten ausfallen werden, und welche Kosten von der Versicherung übernommen werden. Für die 3000 Euro, die Leser der Berliner Morgenpost über den Verein „Berliner helfen e.V.“ gespendet haben, soll vor allem Spielzeug sowie Bastelmaterial, das im Atelier zerstört wurde, wieder angeschafft werden. „Berliner helfen“ wird weiter Spenden sammeln.

Vor fünf Jahren wurde schon ein Mal in die Kita eingebrochen. Damals hatten die Täter, die nie ermittelt wurden, gezielt nach Geld und Wertsachen gesucht. „Die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen den vorgegebenen Standards“, sagt die Geschäftsführerin Geißler. Es gibt einbruchsichere Jalousien und eine Brandmeldeanlage, über deren Signal in der Neujahrsnacht der Hausmeister alarmiert wurde. Bei seinem Eintreffen waren die Einbrecher bereits verschwunden.

Polizei sucht weiter nach Kita-Einbrechern

Die Ermittlungen der Polizei haben bisher noch keine Spur ergeben, so ein Sprecher der Polizeipressestelle. Zeugenhinweise gebe es leider noch keine. Eine politische Motivation werde ausgeschlossen. Und auch ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen sei eher unwahrscheinlich, so der Polizeisprecher. Einbrüche und Vandalismus in Kitas werden häufiger, da könne es vorkommen, dass eine Einrichtung durch Zufall zwei Mal ins Visier gerät.

Im Jahr 2012 gab es laut Statistik der Polizei 419 Einbrüche in den rund 2000 Kitas der Stadt. In den Vorjahren lag die Zahl bei 350. Der entstandene Schaden durch Beschädigungen und entwendete Gegenstände betrug allein im Jahr 2012 rund 400.000 Euro.

Viele Träger haben inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Der Kita-Eigenbetrieb Süd-West etwa hat alle 37 Einrichtungen mit sichtbaren Alarmanlagen ausgestattet.