Lichtenberg

Chanukka-Fest: Seit 80 Jahren zum ersten Mal öffentlich

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Jan-Henrik Hnida
In direkter Nachbarschaft zum Weihnachtsbaum: Das vierte Licht des Chanukka-Leuchters wurde vor dem Rathaus Lichtenberg am Mittwoch, den 1. Dezember, angezündet.

In direkter Nachbarschaft zum Weihnachtsbaum: Das vierte Licht des Chanukka-Leuchters wurde vor dem Rathaus Lichtenberg am Mittwoch, den 1. Dezember, angezündet.

Foto: Bezirksamt Lichtenberg

Jüdisches Lichterfest: Am Rathaus Lichtenberg wurde das vierte Licht des Chanukka-Leuchters angezündet.

Berlin. Vor dem Rathaus Lichtenberg wurde am Mittwoch, den 1. Dezember, das vierte Licht des Chanukka-Leuchters angezündet. Das Bezirksamt Lichtenberg tat dies zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Bezirksverordnetenversammlung, der Zivilgesellschaft sowie dem Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal.

Dieses Jahr wird in Lichtenberg zum ersten Mal seit mehr als 80 Jahren wieder öffentlich das jüdische Lichterfest gefeiert. Dafür steht eine Chanukkia, der Chanukka-Leuchter, vor dem Rathaus in der Möllendorffstraße 6. Vom 28. November bis zum 5. Dezember wird jeden Tag ein Licht angezündet.

Das Entzünden der Lichter ist zentraler Bestandteil des jüdischen Lichterfestes Chanukka (hebräisch: Einweihung). Das acht Tage dauernde Fest erinnert an die Weihe des neu errichteten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v.u.Z. Der Überlieferung nach war für die Wiedereinweihung des Tempels nur ein kleiner Krug mit reinem Öl vorhanden, das gerade für einen Tag reichte. Jedoch brannte der Leuchter im Tempel acht Tage, bis neues reines Öl gewonnen war.

„Seit dem Holocaust ist es das erste sichtbare Zeichen für jüdisches Leben im Bezirk.“

Mit Hilfe der Kiezkneipe „Morgen wird besser“ und dem Jüdischen Bildungs- und Familienzentrum Chabad Lubawitsch Berlin konnte zum ersten Mal ein Chanukka-Leuchter im Bezirk aufgestellt werden. „Seit dem Holocaust, der auch die jüdische Gemeinschaft Lichtenbergs auslöschte, ist es das erste sichtbare Zeichen für jüdisches Leben im Bezirk und die Bedeutung des Judentums als Teil der Lichtenberger Gesellschaft“, sagte Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke).

Der Chanukka-Leuchter sei auch ein klares Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus und für eine offene und tolerante Gesellschaft, so Grunst. Jüdisches Leben solle sich nicht länger verstecken müssen. Dass das Thema leider noch immer aktuell ist, zeigt der Anschlag auf die die Kiezkneipe „Morgen wird besser“ im Sommer 2020. Und das wahrscheinlich nur, weil die bislang unbekannten Täter etwas gegen die jüdische Herkunft des Betreibers hatten. Trotz andauernder Droh-Nachrichten eröffnete er die Kneipe Ende August im Nibelungenkiez wieder.