Lichtenberg

Rassismus-Attacke: Frau erhält unbekannterweise VHS-Verbot

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan-Henrik Hnida
Nach Rassismus-Attacke: Michael Mallé vom Lichtenberger Register, Bezirksbürgermeister Michael Grunst und Stadtrat Kevin Hönicke trafen sich mit Balogun Adegbayi (2.v.l). 

Nach Rassismus-Attacke: Michael Mallé vom Lichtenberger Register, Bezirksbürgermeister Michael Grunst und Stadtrat Kevin Hönicke trafen sich mit Balogun Adegbayi (2.v.l). 

Foto: Bezirksamt Lichtenberg

Nach einem Gespräch mit Balogun Adegbayi will das Bezirksamt das Lichtenberger Register und Einbürgerungsamt verstärken.

Berlin. Nachdem Balogun Adegbayi von einer 38-jährigen Frau rassistisch beleidigt und angespuckt wurde, trafen sich Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) und Stadtrat Kevin Hönicke (SPD) am Mittwoch, den 1. Dezember, mit ihm. Zusammen mit Michael Mallé vom Lichtenberger Register sprachen sie über das Geschehene. Die Berliner Register sind Dokumentationen von rassistisch, antisemitisch, lgbtiq*-feindlich, antiziganistisch, extrem rechts, rechtspopulistisch und anderen diskriminierend motivierten Vorfällen, die sich in den Berliner Stadtbezirken ereignen.

Mit so einer Resonanz auf sein Twitter-Video hätte er nicht gerechnet, sagt Adegbayi, der die Tat mit seinem Handy aufnahm. Mehr als 732.000 Nutzer sahen die krassen, rassistischen Beleidigungen bis Mittwochmittag. „Ich freue mich über alle Gesprächsangebote, die ich in den letzten Tagen bekommen habe. Vieles davon war positiv. Ich habe mich von fremden Menschen gedrückt gefühlt und dafür bin ich sehr dankbar“, erzählte der Lichtenberger.

Adegbayi: „Rassistische Angriffe erlebe ich gerade ungefähr zweimal im Monat“

Leider werde andererseits das Video in der rechten Szene gefeiert. „Rassistische Angriffe erlebe ich gerade ungefähr zweimal im Monat und das ist sehr traurig“, meint Adegbayi. Viele Menschen würden diese Vorfälle als Bagatelle abtun – und die Hürde, zur Polizei zu gehen, sei groß. „Wir müssen schon Kindern in der Schule beibringen, dass Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden sollten“, sagt er. Er habe sich dafür entschieden, in Deutschland zu leben, und hoffe, dass es für seine Kinder einmal besser sein werde.

„Das Video zeigt einen tief sitzenden Menschenhass, der gesellschaftlich geächtet gehört“, sagte Bezirksbürgermeister Grunst. Das Bezirksamt habe der Täterin unbekannterweise Hausverbot in der Volkshochschule erteilt und versuche, ihren Namen zu ermitteln, um es auch durchsetzen zu können. Der Polizei ist die Frau bekannt - auch wegen ähnlicher Delikte.

Dass die Hürde, solche Vorfälle zur Anzeige zu bringen, so hoch sei, müsse man angehen. „Menschen, die Opfer rassistischer Übergriffe werden, dürfen nicht damit allein gelassen werden“, so Grunst. Dafür solle auch das Lichtenberger Register noch einmal verstärkt werden.

Bezirksstadtrat: Zu wenig Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus

Der Vorfall hat auch Bezirksstadtrat Hönicke fassungslos gemacht. „Und es ist umso erschreckender, weil wir wissen, dass es sich hier nicht um eine Ausnahme handelt“, sagt er. Als ehemaliger Lehrer sei er sich auch bewusst, wie sehr es an der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus mangele. Dieses Thema müsse dringend stärker angegangen werden, um auch ein historisches Bewusstsein für Rassismus in Deutschland zu schaffen. „Wir müssen außerdem unser Einbürgerungsamt stärken“, sagte er im Beisein von Adegbayi, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt. Bisher ohne Einbürgerung.