Trinkwasser

Duschverbot in Lichtenberg wieder aufgehoben

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Jan-Henrik Hnida
Das Logo der Berliner Wasserbetriebe hängt an der Fassade eines Hauses.

Das Logo der Berliner Wasserbetriebe hängt an der Fassade eines Hauses.

Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Entwarnung in Friedrichsfelde und Neu-Hohenschönhausen. Dort sollte das Trinkwasser bakteriell verunreinigt sein. Tests negativ.

Berlin. In den Stadtteilen Friedrichsfelde und Neu-Hohenschönhausen darf Trinkwasser wieder uneingeschränkt genutzt werden. Das bestätigte der Berliner Morgenpost eine Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" berichtet. Wiederholungsproben seien ohne Befund gewesen.

Das Bezirksamt Lichtenberg teilte dazu mit: Die am Freitag, 13. August 2021, herausgegebene Warnung bezüglich des verunreinigten Trinkwassers in den Stadtteilen Friedrichsfelde und Neu-Hohenschönhausen wird mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Das bedeutet, dass der Genuss des Trinkwassers ab sofort wieder unbedenklich ist. Es ist nicht mehr notwendig, das Wasser abzukochen. Es darf auch wieder geduscht werden.

Nach einer erneuten Beprobung der drei Rohrnetzkontrollstellen und neun weiterer Stellen im Bezirk Lichtenberg oder in dessen Zustrom hätten die Wasserbetriebe Entwarnung geben können, so das Bezirksamt weiter. Die Ergebnisse der Proben würden zeigen, dass das Wasser wieder einwandfreie Qualität aufweiste.

Nur bei einer Kita sei der Befund noch positiv. Dort würden weitere Proben erfolgen. Zudem würden die Wasserbetriebe dort bereits am Wochenende Spülungen der Leitungen vornehmen.

Trinkwasser musste abgekocht werden, Duschen war verboten

Seit Freitag durfte Trinkwasser nur noch abgekocht verwendet werden. Vermutet wurden Keime im Wasser, die Magen- und Darmerkrankungen auslösen können. Das hatte das Bezirksamt Lichtenberg am Freitag mitgeteilt und auch ein Duschverbot ausgesprochen. Die Vorsichtsmaßnahme zielte vor allem auf Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen ab. Rund 110.000 Menschen waren von den Warnungen betroffen.

Bei regelmäßigen Routinekontrollen an 108 Orten in Berlin waren in einer Kita, einem Seniorenheim und einem Pflegeheim in Lichtenberg coliforme Keime gefunden worden. Die Proben waren am Donnerstag entnommen worden, am Freitag lagen die Analyseergebnisse vor. „Diese Keime kommen überall in der Umwelt vor. Trotzdem liegt der Grenzwert im Trinkwasser bei null“, sagte Astrid Hackenesch-Rump, Pressesprecherin der Berliner Wasserbetriebe. Am Freitag war zunächst noch unklar, ob nur die drei Probestellen oder das gesamte Wassernetz mit rund 110.000 Einwohnern betroffen ist.

Noch am Freitag wurden an den betroffenen Stellen sogenannte B-Proben entnommen. „Es kann nämlich auch etwas bei der Probenentnahme schiefgelaufen sein, dass etwa jemand einen Finger darin hatte“, erklärte Hackenesch-Rump. Auch eine Baustelle könne ein Verursacher der Keim-Einbringung sein.

Trinkwasser in Lichtenberg verunreinigt: UV-Desinfektionsanlage eingeschaltet

Als erste Maßnahme wurde die UV-Desinfektionsanlage in den beiden Zwischenpumpwerken Lichtenberg und Lindenberg eingeschaltet. Diese machen jegliche Bakterien und Viren im Wasser unschädlich. „Aktuell wissen wir leider nicht, wo die Verunreinigungen des Trinkwassers herkommen und ob sich der Keim im ganzen Wassernetz verteilt hat. Oder nur auf die drei Hausanschlüsse begrenzt ist“, so die Wasserbetriebe. Am Sonnabend kam dann die Entwarnung.

Wegen des warmen Wetters hatte die Katastrophen- und Zivilschutzbehörde des Bezirks Lichtenberg ein Abkochgebot und Duschverbot herausgegeben, die Warnung wurde auch über die Nina-App verbreitet. „Wasser zum Trinken und zur Nahrungszubereitung sollte auf jeden Fall abgekocht werden. Das Duschverbot gilt als ergänzende Warnung“, sagte der Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Martin Schaefer (CDU), am Freitag. Er hoffe, dass am Sonnabend für die Stadtteile wieder Entwarnung gegeben werden könne. Extra Wasserabgaben für Anwohner, etwa durch den Katastrophenschutz, seien bislang nicht vorgesehen. In seinen 20 Jahren in Lichtenberg könne er sich an keine bakterielle Verunreinigung im großen Ausmaß erinnern, so Schaefer weiter.

Die Warnung des Bezirks Lichtenberg im Wortlaut finden Sie hier.

Wasserbetriebe: Duschverbot geht möglicherweise zu weit

Das Thema Duschen sehen die Wasserbetriebe etwas anders. Coliforme Keime seien überall in der Umwelt zu finden. Ehe man Genaueres wisse, solle man sein Trink- und Zahnputzwasser zwar abkochen. Das Duschverbot geht nach Ansicht der Wasserbetriebe aber möglicherweise zu weit. Auch in Seen oder Flüssen, wo gebadet werde, kämen solche Keime vor. „Das ist bei einem Legionellen-Befall auf jeden Fall angebracht. Aber in Lichtenberg müsste man literweise Duschwasser trinken“, erklärte Hackenesch-Rump.

Hätten die Proben am Sonnabend den Keim-Befall im Wassernetz bestätigt, wäre eine weitere Analyse am Montag gefolgt, bei der man überprüft hätte, um welchen Keim es sich genau handele und ob eine Gefahr von ihm ausgehe. „Das wäre dann eine totale Ausnahmesituation. Bei den 20.000 Trinkwasserproben, die wir pro Jahr entnehmen, gibt es bei unter drei Prozent eine Grenzwert-Überschreitung. Nicht nur bakteriell, sondern etwa auch durch Metalle“, sagte die Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe. Wenn Gefahr drohe, also bei den Wasseranalysen E-Coli-Bakterien oder ähnliches gefunden wird, würden die Leitungen gespült, bis kein Keim mehr nachweisbar ist, erklärten die Wasserbetriebe.