Hohenschönhausen

Auf Tuchfühlung: Kunstaktionen am Prerower Platz

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Mit seinem Projekt „Die Insel“ verwandelt der Künstler Albrecht Fersch den Brunnenplatz in einen Sandstrand, der das Leben auf einer Insel symbolisiert.

Mit seinem Projekt „Die Insel“ verwandelt der Künstler Albrecht Fersch den Brunnenplatz in einen Sandstrand, der das Leben auf einer Insel symbolisiert.

Foto: Albrecht Fersch

Vier Kunstprojekte finden auf dem Brunnenplatz am Prerower Platz von Mai bis Oktober statt.

Auf dem Brunnenplatz am Prerower Platz in Hohenschönhausen finden von Mai bis Oktober vier Kunstprojekte statt. Sie sollen die kulturelle Identität der Großsiedlung stärken und über einen künstlerischen Austausch die Verbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Kiez stärken.

Alle Projekte sind das Ergebnis eines Wettbewerbs des Bezirksamtes Lichtenberg zu Kunst im Stadtraum. Der Wettbewerb wurde vom Beratungsausschuss Kunst bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa initiiert.

„Mit den Kunstaktionen am Prerower Platz laden wir die Bewohnerinnen und Bewohner Hohenschönhausens ein, sich mit ihrem direkten Wohnumfeld künstlerisch auseinanderzusetzen und ihren Stadtraum zu erobern“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Die Kunstaktionen seien außerdem Vorboten der städtebaulichen Entwicklung des urbanen Zentrums Hohenschönhausen. Dabei entstehe auch das neue Bildungs- und Kulturzentrum.

„Zukunftsmusikal“ von Michaela Nasoetion (12. Mai bis 30. Juni)

Im Mai starteten die Aktionen mit der Entstehung des Projekts „Zukunftsmusikals“ – einer partizipativen Performance von Michaela Nasoetion, die zusammen mit Sängerinnen und Sängern sowie Musikerinnen und Musikern aus dem Bezirk umgesetzt wird. Auf der „Bau-stelle der Zukunft“ finden sogenannte Libretto-Dialoge statt: Interessierte können erzählen, was sie sich für ihren Stadtteil und für die Zukunft wünschen.

Aus den Gesprächen entstehen die Gesangstexte, die dann vom „Chor der Zukunft“ gesungen werden. Außerdem entsteht dabei Klangmaterial, das in einer Klangcollage verarbeitet wird. Die finale Performance wird im Juni auf dem Brunnenplatz aufgeführt. Kontakt zu einem Libretto-Dialog unter Zukunftsmusikal@gmx.de. Interessierte können sich für die Aufführung am 23. Juni 2021 oder 24. Juni 2021, jeweils um 19 Uhr anmelden: anmeldung.zukunftsmusikal@gmail.com

Das „Zukunftsmusikal“ entsteht in Kooperation mit der musikalischen Leiterin Ursula Scribano und der Klangkünstlerin Ursula Häse, die auf dem Instrument Theremin bisher ungehörte Klanglandschaften entstehen lässt. Gemeinsam mit allen beteiligten Sängerinnen und Sängern, Tänzerinnen und Tänzern,den Ensembleleitenden von einem Kinderchor, einem sinfonischen Blasorchester und einem Streichorchester wird die Zukunftscollage gewebt. Mögliche Zukunftsvisionen werden in einer Vielfalt hörbar gemacht.

Die abschließende Performance ist für Mittwoch, 23. und Donnerstag, 24. Juni 2021 um 19 Uhr auf dem Brunnenplatz geplant.

„Kiezplatten“ von Jasmina Llobet Luis Pons (3. Juli bis 7. August)

Jasmina Llobet und Luis Pons präsentieren ihre Arbeit „Kiezplatten“. Neben dem Brunnen der Jugend werden sie fünf Stahlskulpturen in der Form von Plattenbauten platzieren. Die-se sind keine statischen Kunstobjekte, sondern zum Draufstehen gedacht. Sie werden Reproduktionen von Gebäuden darstellen, die tatsächlich am Prerower Platz stehen.

Auf den Miniaturplattenbauten findet dann eine Reihe von Aufführungen in Zusammenarbeit mit Anwohnerinnen und Anwohnern aus Hohenschönhausen statt. Die verschiedensten Aktionen werden mit und auf den Skulpturen stattfinden, wie zum Beispiel Musik, Tanz, Theater und Akrobatik.

Das Künstlerduo aus Barcelona ist gerade auf der Suche nach Vereinen, Initiativen und Einrichtungen im Bezirk und in der Umgebung, die sich am Projekt beteiligen wollen. Musikbands, Yoga-Gruppen, Parcoursteams, Tanzschulen und Theatervereine können die Plattenbau-Skulpturen als Bühne für einen selbst konzipierten Auftritt nutzen.

Wie und was darauf stattfinden soll, hängt von den Interessen und Vorlieben jeder Gruppe ab. „Kiezplatten“ möchte so Bezirksinitiativen eine Möglichkeit bieten, ihre Tätigkeiten vorzustellen bzw. auf eine neue Art und Weise öffentlich zu präsentieren. Bei Interesse, am Projekt teilzunehmen, senden Sie eine E-mail an llobetpons@gmail.com

„Die Insel“ von Albrecht Fersch (8. August bis 18. September)

Mit seinem Projekt „Die Insel“ verwandelt der Künstler Albrecht Fersch den Brunnenplatz in einen Sandstrand, der das Leben auf einer Insel symbolisiert. Ab August werden dazu 150 Tonnen Sand auf dem Platz verteilt und Liegestühle und Sonnenschirme aufgestellt. Anwohnerinnen und Anwohner werden zu spontaner Kommunikation angeregt. Täglich schreibt der Künstler seine Botschaften in den Sand und auf eine große litfassartige Säule inmitten des Platzes.

Besucherinnen und Besucher werden eingeladen, gemeinsam mit dem Künstler über aktuelle Themen unserer Zeit, etwa die Spaltung unserer Lebenswelt in Freizeit und Arbeit, die Reiselust angesichts des Klimawandels und kapitalistische Vereinnahmungen bei gleichzeitig zunehmendem Wohnraummangel zu philosophieren.

„Die Insel“ ist ein Ort für Entspannung mitten im Alltag und der richtige Ort, um mit anderen „Reisenden“ über wesentliche Dinge in Austausch zu treten. Beteiligung ist in vieler Hinsicht möglich, der Platz bleibt ein öffentlicher und jederzeit zugänglicher Ort. Auf die Besucherinnen und Besucher der Insel wartet auch ein Flaschenpostamt. Wie sonst sollten die Neuigkeiten von der Insel die Menschen im umgebenden Häusermeer erreichen?

„FiFis Platte. Die ganze Welt zuhause“ (19. September bis 30. Oktober 2021)

Die Namensschilder im Ostseeviertel müssten eigentlich ergänzt werden, denn da lebt Frau Müller mit Hasso, Herr Van Bo mit Pauo und Petra mit Kuschel. Und da sind auch die ungewollten Tiere, die Menschennähe suchen und lieben. Mücken, Ratten, Schnecken und Spinnen, die gemeinsam mit 60.000 Menschen im Ostseeviertel existieren. Hier ist die ganze Welt zu Hause.

Die Künstlerin Susanne Bosch hat FiFi, das geliebte Haustier an ihrer Seite und möchte wissen, wie sich das Zusammenleben so unterschiedlicher Lebewesen gestaltet. Sechs Wochen lang streift sie im September und Oktober durch das Ostseeviertel, besucht Menschen und ihre Tiere und lädt freitagnachmittags zu sechs Veranstaltungen auf den Brunnenplatz ein.

Ihr Treffpunkt ist in der Bodenzeichnung von Fifis Dreiraumwohnung. Die Geschichten sind wöchentlich auf dem Brunnenplatz in „FiFis Platte“ mitzuerleben. Sie können auf dem Blog oder in Videominiaturen auf YouTube nachverfolgt werden.

„FiFis Platte“ entsteht in enger künstlerischer Zusammenarbeit mit Ulrike Zimmermann (Filmemacherin) und Christian Gaunersdorfer (Kommunikationsdesigner). Susanne Bosch entwickelt mit ihnen zusammen die Onlinepräsenz „FiFis Platte“ und Videominiaturen, in denen FiFi Woche für Woche aus ihrer Platte Geschichten rund um Mensch, Tier und das Ostseeviertel erzählt.

Die Termine für Treffen werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Weitere Informationen stehen auf der Internetseite des Bezirksamts.