Karlshorst

Pläne für Trabrennbahn stoßen auf geteiltes Echo

| Lesedauer: 5 Minuten
Jan-Henrik Hnida
Pferd und Jockey vor der Tribüne der Trabrennbahn Karlshorst: Die Einnahmen  durch Pferderenn-Wetten sinken.

Pferd und Jockey vor der Tribüne der Trabrennbahn Karlshorst: Die Einnahmen durch Pferderenn-Wetten sinken.

Foto: Jan-Henrik Hnida

Wohnungen, Gewerbe und Sportflächen: Zu den Plänen von Bezirk und Rennbahn-Eigentümern können sich auch die Anwohner äußern.

Berlin. Unter dem weißen Geländer kommt an vielen Stellen der Rost durch, an anderen Stellen sind die Geläufe komplett durchgebrochen, auf der Rennbahn zieht das Pferd samt Wagen einsam seine Runden – die traditionsreiche Trabrennbahn Karlshorst hat ihre besten Zeiten hinter sich. Daran konnte auch das inklusive Reit- und Therapiezentrum, dass sich Ende 2019 dort ansiedelte, nur wenig ändern.

Gemeinsame Pläne der Eigentümer und des Bezirks sollen das ändern – einschließlich Hunderter neuer Wohnungen, Sportflächen und Gewerbe an der Treskowallee. Aufgrund der aktuellen Lage hat das Bezirksamt Lichtenberg die Projektvorstellung auf seinem Youtube-Kanal zu den Entwicklungen auf dem Gelände der Trabrennbahn Karlshorst als Video veröffentlicht.

Umsätze durch Pferderenn-Wetten sind minimal

Bereits seit einigen Jahren kann das Gelände nicht mehr vom Reitsport leben, die Umsätze durch Pferderenn-Wetten seien minimal. „Für 2021 haben wir bisher 15 Rennsporttage geplant, Tendenz absteigend“, erklärt Dimitrios Vergos, Geschäftsführer der Trabrennbahn. Bis 1997 seien hier noch bis zu 100 Renntage veranstaltet worden. Einsamer Höhepunkt war zuletzt die Islandpferde-Weltmeisterschaft, die 2019 Zehntausende Zuschauer anzog.

Die Geschichte der Trabrennbahn reicht bis 1894 zurück, seitdem werden Pferderennen in Karlshorst ausgetragen. Bis zum Mauerfall war die Sportanlage die einzige dieser Art in der DDR. Nach der Wende übernahm der Trabrennverein Mariendorf (später Berliner Trabrenn-Verein, BTV) für eine Zeit die Anlage; Eigentümer war die Treuhand. 2001 drohte erstmals das finanzielle Aus für die Trabrennbahn, dazu kam das stark nachlassende öffentliche Interesse am Pferdesport. Drei Jahre später kaufte der neu gegründete Verein „Pferdesportpark Berlin-Karlshorst“ die eine Hälfte des Geländes, der diese bis heute bespielt.

Mix aus Sport, Wohnen, Kita und Gewerbe

Bereits seit 17 Jahren gibt es unterschiedliche Konzepte für das gesamte Areal, das fünf Eigentümern gehört. Diese haben das Architekten-Büro Ligne mit einem Konzept beauftragt, das die Architektin Anika Wolff entworfen und jüngst gemeinsam mit dem Bezirksamt vorgestellt hat.

Auf dem Gelände soll ein Mix aus Sport, Wohnen, Kita und Gewerbe entstehen. Insgesamt sind 500 neue Wohnungen – davon 150 Sozialwohnungen – am Rand des Gebiets sowie eine Kita mit 70 Plätzen geplant. Des Weiteren sind Plätze für den Bezirks- und Freizeitsport angedacht, sowie eine Fläche von 44.100 Quadratmetern für Gewerbe, Handwerk, Dienstleister. Insgesamt soll die Hälfte der rund 40 Hektar für die Nutzung „Pferde, Sport und Freizeit“ reserviert bleiben. „Wir wollen Synergieeffekte nutzen und ein lebendiges und durchmischtes Quartier im Grünen schaffen“, so Wolff, mit Verweis auf die Wuhlheide.

Weideflächen im Brandenburger Umland

Der Pferdesport soll bleiben und sogar ausgebaut werden. Auch der historische Eingang Nord mit den charakteristischen Säulen soll erhalten werden, sowie Tribüne, Zielrichterturm, Alte Waage (ehemalige Wiege-Stelle für Jockeys) und Rundstall. Von den denkmalgeschützten Bauten sollen die Alte Waage und der Rundstall umfangreich saniert werden. Geplant sind unter anderem ein Reitsportzentrum für Islandpferde und eine Traber-Pony-Schule für Kinder. Statt großer Kompaktställe soll es flexibel belegbare Anspannboxen für Trabrennpferde geben. Für die aktuell geringe Zahl an Tieren sei es sinnvoller die großen Weideflächen im Brandenburger Umland zu nutzen. „Wir suchen aber für jedes Pferd gemeinsam eine neue Heimat“, erläutert Vergos.

„Ich begrüße es, dass die Eigentümer in die Beteiligung gehen“, sagt der Stellvertretende Bezirksbürgermeister Kevin Hönicke (SPD). Auch neue, zukünftige Schüler sollen im Auge behalten werden, da ein Schul-Neubau bislang nicht vorgesehen ist. Generell müsse erst noch das Bebauungsplan-Verfahren abgewartet werden.

Anzeige
Anzeige

„Mittelweg suchen“

Über 300 Rückmeldungen bekam Hönicke bisher von Bürgern, die sich über das Internet-Portal (www.mein.berlin.de), per Mail oder über die Sozialen Medien zum Bauprojekt Trabrennbahn äußerten. Der Wunsch nach mehr Grün wurde geäußert, Fragen zur Sicherung des Reitsports, zum Lärmschutz. „Wir werden einen Mittelweg suchen“, verspricht Hönicke.

Derweil regt sich Widerstand des 100 Mitglieder starken Vereins „Karlshorst e.V.“. „Erst wird alles um die Trabrennbahn zugebaut – und am Ende muss sie in 20 Jahren selbst weichen“, sagt der Vereinsvorsitzende Götz Frommer, der seit Anfang an das Geschehen beobachtet und dokumentiert. In den Plänen sei zu wenig Auslauffläche für Pferde vorhanden, zu wenige Optionen für den normalen Reitsport und zu viel verbaute Fläche. Dazu komme der Abriss großer Stallungen. Und in Karlshorst habe man unter anderem mit den Bauprojekten „Gartenstadt II“ und der „Parkstadt“ bereits Tausende neuer Wohnungen.

Anzeige

Mehrheit für Klima, Sport und Pferdesport

„Unserer ,Dorfplatz Karlshorst’ braucht mehr Schulen und vernünftige Sportplätze – nicht noch mehr Verdichtung“, sagt der Vereinsvorsitzende. Laut seiner Umfrage, an der auf der letzten Einwohnerversammlung 50 Karlshorster teilnahmen, hätten nur sechs Prozent für mehr Wohnungen im Stadtteil gestimmt. Eine große Mehrheit habe sich hingegen für Maßnahmen in den Bereichen Klima, Sport und Pferdesport ausgesprochen.

Bis zum 14. Februar können sich die Bürger noch beteiligen und ihre Meinung zum Projekt kundtun. Das städtebauliche Konzept soll dann die Grundlage für ein Bebauungsplanverfahren gemäß dem Berliner Modell bilden.

You have used all of your free pageviews.
Please subscribe to access more content.
Dismiss
Jetzt kostenlos für Morgenpost PLUS registrieren und 3 Artikel gratis lesen
Mehr Berlin als je zuvor. Jetzt weiterlesen mit M+
  • Mehr erfahren über das lokale Geschehen.
  • Mehr Anregung durch klare Meinung.
  • Mehr Lesefreude durch weniger Werbung.
1 Monat nur 0,99 €.
Danach 6,99 € monatlich, jederzeit kündbar. Nur für Neukunden.
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe